Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Wetter trifft Landwirte hart: Missernte bei Raps und Getreide
Nachrichten Wirtschaft Wetter trifft Landwirte hart: Missernte bei Raps und Getreide
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.08.2016
Bauernpräsident Detlef Kurreck Quelle: N. Fellechner

Vom Klützer Winkel bis zur Insel Rügen – die Ernte bei Raps und Getreide ist die schlechteste seit Jahren. „Es wird eine Missernte, wir sollten das Kind beim Namen nennen“, sagt Landesbauernpräsident Detlef Kurreck. Als Geschäftsführer der Körchower Land Agrar GmbH (Landkreis Rostock) weiß er aus seinem eigenen Agrarbetrieb: Der Einbruch bei Feldfrüchten macht den Bauern inzwischen ebenso große Sorgen wie die Krise auf dem Milch- und Schweinemarkt. Ob Gerste, Raps oder Weizen – die Ertragsausfälle liegen nach derzeitigen Schätzungen im Landesdurchschnitt bei 25 bis 30 Prozent.

In Spitzenjahren rund 30 Prozent mehr

90 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) betrug der Weizenertrag im Landesdurchschnitt im Rekordjahr 2014. In diesem Sommer rechnet das Schweriner Agrarministerium mit knapp 70 dt/ha. Der Spitzenwert bei Raps liegt bei 44,5 dt/ha. Dieses Jahr werden rund 30 Prozent weniger erwartet. Schätzungen gehen von 30 dt/ha aus.

Die Agrargenossenschaft Bartelshagen I (Vorpommern-Rügen) trifft es noch härter. „Bei uns liegen die Erträge zum Teil unter DDR-Niveau“, sagt Genossenschaftschef Wilfried Lenschow. „Nur 15 bis 20 Dezitonnen Raps vom Hektar, das ist nur die Hälfte von dem, was wir in guten Jahren jetzt erreichen.“ Durch neue, bessere Sorten seien die Erträge in den vergangenen 25 Jahren deutlich gestiegen. Auch bei Weizen erntet die Genossenschaft bei Ribnitz-Damgarten statt 80 bis 100 Dezitonnen pro Hektar (dt/ha) derzeit nur 40 bis 65 dt/ha. Viele Körner seien zu klein, „Schrumpfkörner“, wie Lenschow sagt. Die Trockenheit im Mai habe den Pflanzen sehr geschadet. Doch nicht nur Getreide, auch Stroh fehle, weil die Halme kurz und spärlich blieben. „Wir ernten nur vier bis fünf Ballen vom Hektar, sonst sind es zehn bis 15“, sagt Lenschow. Der Landwirt ist enttäuscht: „In 31 Berufsjahren habe ich so etwas noch nicht erlebt.“

So sehr wie der Regen im Frühsommer fehlte, so sehr stört er jetzt. Gestern rückten die Mähdrescher der Agrargenossenschaft aus, obwohl das Korn eigentlich zu nass war. Lenschow: „Wir müssen alles trocknen, das erhöht nochmals die Kosten.“

Auch Agrarminister Till Backhaus (SPD) sieht, wie schwierig die Situation ist. „Dass es magere Jahre gibt, weiß ja jeder Landwirt“, relativiert Backhaus. Eine schlechte Ernte werfe gute Betriebe nicht gleich aus der Bahn. Dramatisch sei jedoch, „dass ein wichtiges Prinzip der Marktwirtschaft nicht funktioniert“, meint der Minister. „Sind die Erträge niedrig, steigen normalerweise die Preise.“ Stattdessen erhalten die Bauern derzeit weniger für ihr Getreide als nach der guten Ernte im Vorjahr. Für eine Dezitonne Brotweizen – also 100 Kilo – liegt der Aufkaufpreis aktuell nur bei 17 Euro, vier Euro niedriger als 2015. Bei Raps würden 34 bis 38 Euro je Dezitonne gezahlt, im Vorjahr waren es 42 Euro. Laut Backhaus ist das „ein Ergebnis des globalen Marktes mit seinen Vor- und Nachteilen“.

Verbraucherschützer gehen ebenfalls davon aus, dass die Ausfälle bei der hiesigen Getreideernte nicht zu höheren Preisen für Brot oder andere Backwaren führen. „Es gibt keine Signale, dass die Preise steigen“, sagt Uta Nehls von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock. „Produzenten kaufen ihre Rohstoffe dort, wo sie günstig sind.“ In anderen Ländern falle die Ernte möglicherweise besser aus.

Immerhin: Bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben wird auch in MV eine gute Ernte erwartet. Die könnte die Ausfälle bei den Hauptkulturen Raps und Getreide aber nicht kompensieren, heißt es beim Landesbauernverband.

Elke Ehlers

Der größte deutsche Öl- und Gasproduzent Wintershall hat mit anderen westeuropäischen Energieunternehmen den Antrag in Polen auf eine Beteiligung an der Gaspipeline Nord Stream 2 zurückgezogen.

13.08.2016

Die Deutsche Post erwägt einen Verkauf ihres erfolgreich getesteten Elektrotransporters an Dritte.

13.08.2016

In der Region Anklam will der Reifenproduzent große Flächen mit der Pflanze bestellen, aus der Naturkautschuk gewonnen werden kann

13.08.2016
Anzeige