Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Wettrechnen zur US-Wahl im Fernsehen
Nachrichten Wirtschaft Wettrechnen zur US-Wahl im Fernsehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:14 10.11.2016
Anzeige
Berlin

Die US-Bürger haben gewählt - und auch die deutschen Fernsehzuschauer hatten in der langen TV-Nacht zum Mittwoch die Qual der Wahl: Die Ereignisse in den USA wurden von mehreren deutschen TV-Sendern übertragen.

Meist lagen ARD und ZDF beim medialen Wettrechnen vorne. Größere Pannen blieben aus. Und ARD-Talkerin Sandra Maischberger (50) plagte eine akute Heiserkeit - im wahrsten Sinne hatte auch sie zur Wahl ihre Stimme abgegeben.

Die ARD startete früh mit der Berichterstattung rund um die Wahl des Jahres: direkt nach den „Tagesthemen“ ab 22.45 Uhr. Das Team im Studio präsentierte sich gut gelaunt. Matthias Opdenhövel, sonst fürs Erste fast ausschließlich im Sport unterwegs, fragte in die Runde unter anderem mit Sandra Maischberger und Jörg Schönenborn hinein, ob das Spektakel vielleicht mit der Serie „House of Cards, Staffel 38“ zu vergleichen sei oder vielleicht doch eher in den Bereich „Hangover 1 bis 3“ einzustufen. Kollegin Maischberger brachte zusätzlich noch das „Dschungelcamp“ ins Spiel.

Kleine Panne zu Beginn: Als Susan Link im Studio zu Ina Ruck nach Washington schalten wollte, brach die Leitung zusammen. Pech für Maischberger, dass sie durch ihre Talkshow die ganze Nacht mit kratziger Stimme führen musste. Immer auf der Höhe: Jörg Schönenborn als Herr der Zahlen, der immer zur vollen Stunde die neuesten Ergebnisse präsentierte. Oft benutzter Begriff von ihm in den ersten Stunden: „too close to call“ - zu knapp, um ein Ergebnis zu verkünden. Die Zuschauerzahl lag im Durchschnitt bei 1,27 Millionen Zuschauern, der Marktanteil bei 14,0 Prozent.

Das ZDF legte nach der Markus-Lanz-Talkshow gegen 0.20 Uhr mit der Wahlberichterstattung los - mit Bettina Schausten aus dem Zollernhof in Berlin. Zu Beginn knipsten sich Schausten, Kollege Christian Sievers und Eva-Maria Lemke von „heute+“ selbst - Familienfoto vor der Wahl. Showmoderator Steven Gätjen, geboren in Arizona, gestand, er habe Clinton („Das kleinere Übel“) gewählt, Schauspieler Walter Sittler („Der Kommissar und das Meer“), ebenfalls mit einem US-Pass ausgestattet, hielt sich mit seiner persönlichen Einstellung dagegen zurück.

„Vielleicht später“, sagte Sittler auf die Frage, für wen er gestimmt habe. Er klatschte zwischendurch jedoch, als Moderator Sievers, der sich bei neuen Zwischenständen per Glocke meldete, mitteilte, in welchen US-Staaten Clinton Siege verbuchte. Die Zuschauerzahl lag im Schnitt bei 0,67 Millionen, der Marktanteil bei 11,5 Prozent.

Auch der zur RTL-Gruppe gehörige Nachrichtensender n-tv begann frühzeitig mit Live-Berichten aus den USA. Eine Reporterin befragte Passanten am New Yorker Time Square, Finanzexperte Markus Koch meldete sich von der Wall Street und erklärte, dass die Börse einen Clinton-Sieg eingepreist habe. Studio-Expertin Melinda Crane analysierte unter anderem das ungeschickte Verhalten von Trumps Sohn, der seinen Stimmzettel auf Twitter veröffentlicht und damit seine Stimme möglicherweise ungültig gemacht hatte. Der Sender hatte Ehrengäste zu einer Wahlparty in der Bertelsmann-Vertretung nach Berlin geladen und übertrug von dort.

Der Muttersender RTL hielt sich recht deutlich zurück. Nachdem Anchorman Peter Kloeppel um Mitternacht die Wahl-Moderation übernommen hatte, war bald wieder für eine gewisse Zeit Schluss, gezeigt wurden Krimiserien. Das „RTL Nachtjournal Spezial“ kam aber immerhin auf druchschnittlich 0,94 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag RTL zufolge bei 10,3 Prozent.

Was aber RTL, n-tv und auch Konkurrent N24 praktischerweise sofort machten: Während ihrer Berichte blendeten die Sender den Zwischenstand ein, womit ARD und ZDF erst später begannen, dann aber fast immer mit der Auszählung vor der privaten Konkurrenz lagen.

Die öffentlich-rechtlichen Sender hatten sich schon am Dienstag in den Netzwerken über die Wahlberichterstattung lustig gemacht. Die ARD brachte auf Facebook ihr „US-Wahl-Bingo“ mit den üblichen Reporter-Sprüchen: „Da lohnt es sich, wach zu bleiben.“ Oder: „Damit war so nicht zu rechnen.“ Oder: „Da muss man aktuell noch vorsichtig sein.“ Beim ZDF twitterte die „heute-show“ Trinksprüche wie „Entscheidend sind die Swing States“ und “Die Anspannung ist in beiden Lagern zu spüren.“

Viel Spaß hatten Jan Böhmermann und sein Team. Der Spaßmacher, seit Ende März in Dauerclinch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, begleitete auf YouTube in #BöhmisWahlLokal die Ereignisse. Böhmermann und seine Freunde ließen vorm Fernseher im Wohnzimmer bei viel Salzgebäck meist das ZDF mitlaufen, aber auch mal die ARD. Böhmermann wunderte sich über den ARD-Reporter Richard Gutjahr, der bei den Anschlägen von Nizza und München in unmittelbarer Nähe war: „Nizza, München und jetzt die USA - das kann doch kein Zufall sein?“

dpa

Mehr zum Thema

Niemand wollte es glauben. Nun ist es wahr. Trump hat gewonnen. Ein Politlaie, ein für viele brandgefährlicher, brutaler Demagoge. Clinton - geschlagen. Eine Sensation.

09.11.2016

Nach dem Brexit wird für die Deutschen der nächste politische Alptraum wahr: Der neue US-Präsident heißt Trump. Kanzlerin Merkel bietet ihm eine enge Zusammenarbeit an - und stellt dafür überraschend Bedingungen.

09.11.2016

Sind die Medien mitverantwortlich für den Erfolg Donald Trumps? Oder haben sie viele seiner Wähler sogar erst mobilisiert? Experten schließen das nicht aus. Eine Analyse.

09.11.2016
Wirtschaft Schwächelnde Industriesparte - Schaeffler streicht weitere 500 Jobs

Die erste Welle hatte bereits 500 Jobs gekostet. Dabei soll es aber nicht bleiben: Um seine Industriesparte profitabler zu machen, steht beim Wälzlagerhersteller Schaeffler schon der nächste Stellenabbau an. Dieses Mal sind vor allem Werke im Ausland betroffen.

10.11.2016

Wirtschaftsverbände und Ökonomen zeigen sich verunsichert über den Sieg von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA. Einige fürchten Folgen für die deutsche Wirtschaft - denn die Vereinigten Staaten sind der größte Abnehmer deutscher Exporte.

10.11.2016

Der Energieriese Eon hat alte Kraftwerke abgespalten. Hohe Abschreibungen drücken den Konzern nun tief in die roten Zahlen. Jetzt soll ein Sparprogramm kommen – mit bisher unbekannten Folgen für Tausende Mitarbeiter.

09.11.2016
Anzeige