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00:00 31.08.2018
Fangnetze mit Heringen werden auf dem Greifswalder Bodden an Bord eines Fischkutters gezogen. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
Rostock

Die Fischerei in der Ostsee steht wohl vor einem tiefgreifenden Wandel. Beim Ostseetag in Rostock diskutierten gestern zahlreiche Experten über den Schutz und die Nutzung des Meeres. Dabei wurde klar: Ein „Weiter so“ wird es für die Fischer nicht geben. Denn in den letzten Jahren wurde zwar einiges für den Schutz der Ostsee getan, viele Fischarten und auch die Meeressäuger bleiben aber gefährdet.

Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut für Fischerei hatte zunächst eine positive Diagnose gestellt: „In der Ostsee sind es nur noch zwei Bestände, die uns Sorgen machen: der Hering und der Dorsch in der östlichen Ostsee.“ Alle anderen wirtschaftlich genutzten Fischbestände seien in einem relativ guten Zustand. „Trotz der großen Fortschritte macht uns aber noch der Beifang Sorgen, vor allem der Meeressäuger“, sagte Zimmermann.

Alois Bauer vom Bundesagrarministerium erklärte, 95 Prozent der Bestände in der Ostsee würden inzwischen nachhaltig befischt. Dennoch seien weitere Schutzmaßnahmen nötig. Dabei sollen komplette Fangverbote für Fischer aber vermieden werden, meinte Bauer: „Wir suchen Alternativen, wie verlängerte Schonzeiten oder Ausgleichszahlungen für die Fischer.“ Denn die Fischerei in der Ostsee sei sehr klein strukturiert, viele Betriebe würden ein ganzes Jahr ohne Einnahmen nicht überstehen.

Wilfried Kraus vom Bundesforschungsministerium prognostizierte: „Die Fischerei wird sich verändern.“ Fischer müssten sich unabhängig machen von Bestandsschwankungen einzelner Arten. Er riet ihnen dazu, sich neue Standbeine zu suchen, „nicht nur andere Fischarten, sondern auch andere Einnahmequellen wie die Direktvermarktung des Fangs, etwa im eigenen Restaurant.“ Notfalls müssten aber auch Betriebe schließen.

Professor Henning von Nordheim, Meeresschutzexperte an der Uni Rostock und gleichzeitig Leiter der Abteilung Meeresschutz im Bundesamt für Naturschutz, zeichnete ein düstereres Bild vom Zustand der Ostsee als seine Vorredner: „Der Bestand von 22 Fischarten ist nicht in einem guten Zustand, etwa der des Aals.“ Zudem sei ein Drittel der 40 Seevogelarten gefährdet. Und bei den Schweinswalen sei die Situation dramatisch: „Vor 100 Jahren gab es noch 100000 Exemplare in der Ostsee, heute noch etwa 500. Diese Art rotten wir gerade aus.“

Bei der Kegelrobbe stellte Harald Benke, Direktor des deutschen Meeresmuseums in Stralsund, zwar fest, dass derzeit wieder rund 50 Tiere dauerhaft bei uns leben: „Die Kegelrobbe kommt in die deutsche Ostsee zurück.“ In diesem Jahr sei zum ersten Mal seit 100 Jahren wieder eine Kegelrobbe hier geboren worden. Doch von Nordheim kritisierte, dass Fischer bereits eine Bestandsregulierung ins Spiel bringen würden: „Die Kegelrobbe kommt gerade zurück, da wird gedanklich schon das Gewehr aus dem Schrank geholt.“

Auch Benke nannte den Abschuss von Kegelrobben „nicht zielführend“. „Der einzig gangbare Weg sind Kompensationszahlungen für die Fischer.“ Die Politik müsse den Mut aufbringen, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen: „Wir müssen eine Situation erreichen, in der der Schweinswal in Schutzgebieten auch wirklich geschützt wird und es dort keine weitere Nutzung, etwa durch die Stellnetzfischerei, gibt.“

In anderen Bereichen gelinge es ja auch, Wirtschafts- und Naturschutzinteressen unter einen Hut zu bringen, etwa beim Lärmschutz beim Bau von Windrädern im Meer, wobei lärmschluckende Blasenschleier eingesetzt werden. „So ist es möglich, den Schall zu reduzieren und trotzdem wirtschaftlich zu arbeiten“, sagte Benke.

Auch die zunehmende Vermüllung und das Klima machen der Ostsee und ihren Bewohnern zu schaffen: Laut Bernd Brügge vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte die Ostsee in diesem Sommer mit verbreitet 20 Grad die höchste Temperatur seit 25 Jahren. „Da sind wir noch relativ hilflos.“

Weniger Hering und Dorsch in den Netzen

39 Prozent weniger Hering als 2017 durften die deutschen Fischer dieses Jahr aus der westlichen Ostsee holen. Das hatten die EU-Staaten im vergangenen Jahr wegen des geschrumpften Bestandes festgelegt. Beim Dorsch blieb die Quote 2018 dagegen unverändert. Sie war allerdings im Vorjahr um 56 Prozent gesenkt worden. Im Oktober wird über die Quoten für 2019 entschieden.

Axel Büssem

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