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Wirtschaft in MV verliert an Schwung

Wismar/Schwerin Wirtschaft in MV verliert an Schwung

Trotz guter Stimmung schwächeres Wachstum als im Bund / Arbeitgeber fordern Zukunftspakt

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Gewichtiges Unternehmen: die Mecklenburger Metallguss GmbH in Waren, die riesige Schiffspropeller herstellt. FOTOS (3): BÜTTNER/REHDER/SCHOLZ/DPA

Wismar/Schwerin. Alle reden von der Digitalisierung, in Wismar wird sie gemacht: 20 Millionen Euro investierte der Holzverarbeiter Egger 2017 in eine neue Anlage, mit der Laminatböden digital bedruckt werden können. „Die Auflösung ist hervorragend, so etwas war bisher gar nicht möglich“, schwärmt Geschäftsführer Ralf Lorber. In Zukunft sollen seine Kunden am Computermodell erleben können, wie der neue Bodenbelag in ihrer Wohnung aussehen würde – um danach gleich online bei Egger zu bestellen, und nicht mehr wie bisher üblich in Baumarkt zu kaufen.

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Trotz guter Stimmung schwächeres Wachstum als im Bund / Arbeitgeber fordern Zukunftspakt

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„Uns geht es nicht schlecht“, sagt Lorber. Mit 950 Mitarbeitern in Wismar zählt Egger zu den größten Industriearbeitgebern in Mecklenburg-Vorpommern. Und die Aussichten für dieses Jahr seien noch besser. Mit neuen Produkten und neuen Kollektionen hofft der Ableger des Holzkonzerns aus dem österreichischen Tirol den Umsatz des Werks in MV weiter steigern zu können. 25 Millionen Euro sollen 2018 in der Hansestadt investiert werden, für eine digitale Vorstufe. Langfristig könnten mit der Digitalisierung Arbeitsplätze verschwinden, räumt der Geschäftsführer ein. Aber es sei jetzt schon schwierig, Fachkräfte für freie Stellen zu finden. „In den kommenden Jahren gehen viele Mitarbeiter in den Ruhestand“, sagt Lorber. Durch die Digitalisierung müsse „auf lange Sicht“ nicht mehr jeder Platz nachbesetzt werden.

In vielen Unternehmen im Nordosten läuft es zurzeit ähnlich rund: „Die insgesamt gute Stimmung in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns hält bei den meisten Unternehmen an“, sagte Arbeitgeberpräsident Thomas Lambusch gestern in Schwerin bei der Präsentation des Jahresausblicks 2018 der Arbeitgeberverbände im Nordosten. Allerdings ist die Aufbruchstimmung früherer Jahre vorbei.

MV könne beim Wirtschaftswachstum nicht mit anderen Regionen mithalten. Das Schweriner Wirtschaftsministerium erwartet dieses Jahr ein landesweites Plus von zwei Prozent, Prognosen für den Bund gehen dagegen von bis zu 2,6 Prozent aus. „Das Land droht den Anschluss endgültig zu verlieren, wenn nicht gegengesteuert wird“, warnt Lambusch.

Die Arbeitgeberverbände schlagen daher einen „Zukunftspakt“ vor, damit mehr innovative Unternehmen, wie Egger, im Nordosten ihre Zelte aufschlagen.

Wirtschaftsvertreter sollen sich zusammen mit Politikern, der Arbeitsagentur und Gewerkschaften an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen. Die Probleme, die am meisten drängen, sind laut Lambusch Digitalisierung, Fachkräftemangel und die geringe Wertschöpfung im Land – eine Ansiedlungsoffensive für Industriebetriebe soll dafür sorgen, dass in MV mehr erwirtschaftet wird.

Der Zukunftspakt soll nach dem Willen der Arbeitgeber das 1998 ins Leben gerufene Bündnis für Arbeit ablösen, das gegen die damals hohe Arbeitslosigkeit gegründet worden war. Dieser Gesprächskreis, dem die gleichen Mitglieder angehören, ist nach Ansicht der Unternehmens-Vertreter kaum noch handlungsfähig. „Der Zukunftspakt muss schlanker werden und darf sich nicht in zahllosen Arbeitsgemeinschaften und Unter-Gruppen verzetteln“, heißt es bei der Vereinigung der Unternehmensverbände. Die angefragten Pakt-Partner wollen, dass vor allem über Geld gesprochen wird: „Auf dem Wunschzettel der Arbeitgeber fehlen leider wichtige Themen: höhere Löhne durch mehr Tarifverträge, familiengerechte Betriebszeiten, gesündere Arbeitsbedingungen, vor allem in Hotels und Gaststätten“, sagt Uwe Polkaehn, Nord-Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Wer mehr Industrie wolle, dürfe nicht „auf Billigprodukte setzen, sondern muss Spitzenleistungen abliefern“.

Die Schweriner Landesregierung erklärt Gesprächsbereitschaft. Jetzt lägen Vorschläge der Arbeitgeber auf dem Tisch, am Ende werde man sich auf ein gemeinsames Konzept einigen müssen. Wie der DGB will auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) über Gehälter reden: Man stehe gemeinsam vor der Aufgabe, MV voranzubringen und „für gute Arbeit und gute Löhne zu sorgen“, erklärt Regierungssprecher Andreas Timm. Schwesig habe „die Digitalisierung als wichtige Zukunftsaufgabe erkannt. Es ist schön, dass hier auch die Wirtschaft einen Schwerpunkt setzen will.“

Gerald Kleine Wördemann

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