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Wirtschafts-Nobelpreis für Vertragsforschung

Hart und Holmström geehrt Wirtschafts-Nobelpreis für Vertragsforschung

Beim Autokauf, im Job, in der Politik: Überall begegnen uns Verträge. Zwei Forscher helfen, die komplizierten Konstruktionen besser zu verstehen. Dafür haben sie den Wirtschafts-Nobelpreis bekommen.

Stockholm. Der Nobelpreis für Wirtschaft 2016 geht an die Vertragsforscher Oliver Hart und Bengt Holmström. Die in den USA lehrenden Wissenschaftler bekommen die Auszeichnung, weil sie mit ihren Beiträgen zur Kontrakttheorie helfen, Verträge sinnvoll zu konstruieren und besser zu verstehen.

Das gab die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm bekannt. Der 1948 in London geborene Hart, der US-Staatsbürger ist, lehrt an der US-Elite-Universität Harvard. Der ein halbes Jahr jüngere Finne Holmström am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), ebenfalls in den USA.

„Verträge sind ganz fundamental, wir sehen sie überall in der Gesellschaft“, sagte der Vorsitzende des Nobelkomitees, Per Strömberg, in Stockholm. Die von den beiden Preisträgern entwickelten Theorien helfen Firmen etwa dabei, die Gehälter von Top-Managern festzulegen, oder zu entscheiden, wann eine Privatisierung von staatlichem Eigentum Sinn macht, wie Strömberg erklärte.

„Auch Versicherungen sind ungeheuer interessiert an Kontrakttheorie“, sagte der Jury-Chef. Mit ihrer Hilfe könnten die Unternehmen herausfinden, welche Versicherungssummen sinnvoll sind - und ihre Kunden verstehen, weshalb sie bei einem Verlust nicht den ganzen Schaden erstattet bekommen. Ein Beispiel ist die Autoversicherung: „Wenn ich voll versichert bin, habe ich nicht so einen großen Anreiz, vorsichtig zu fahren“, erklärte die Wirtschaftswissenschaftlerin Tessa Bold von der Uni Stockholm.

Während Holmström etwa zeigte, wie Anreize und Risiken in einem Vertrag abgewogen werden können, ging Hart davon aus, dass es vieles gibt, das nur schwierig in Verträgen festgehalten werden kann. „Verträge sind von Natur aus unvollständig“, sagte Forscherin Bold. „Was er (Hart) herausgefunden hat, ist, dass das Wichtigste ist, wer den Besitzanspruch an bestimmten Investititonsgütern hat und wer so die Rechte hat, Entscheidungen zu treffen.“

Die Nachricht vom Nobelpreis erreichte Hart in den USA wegen der Zeitverschiebung gleich nach dem Aufwachen. „Ich bin um 4.40 Uhr wach geworden und habe mich gefragt, ob es zu spät ist, als dass es dieses Jahr sein kann, aber dann hat zum Glück das Telefon geklingelt“, sagte Hart der Nobelpreis-Stiftung zufolge. Als Erstes habe er seine Frau umarmt und seinen Sohn geweckt. Holmström sagte während der Pressekonferenz in Stockholm, bei der er per Telefon zugeschaltet war: „Ich habe das überhaupt nicht erwartet.“ Er sei „sehr glücklich und dankbar“.

Mit Hart - den er als „meinen engsten Freund hier“ bezeichnet - teilt sich der Finne ein Preisgeld von acht Millionen schwedischen Kronen (rund 830 000 Euro). Wofür er seinen Anteil verwenden wolle, habe er sich noch nicht überlegt, sagte er: „Das ist das Letzte, worüber ich gerade nachdenke.“ Dass es sich bei den beiden Forschern um Männer handelt, die an renommierten Instituten in den USA arbeiten, ist ganz typisch für den Wirtschaftsnobelpreis. Erst einmal wurde eine Frau ausgezeichnet.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, nannte die Vergabe an Hart und Holmström „eine hervorragende Wahl“. Die Gestaltung vieler Versicherungsverträge gehe auf die Analysen der Forscher zurück. „Die Politik sollte sich die Arbeit von Hart und Holmström anschauen, um Boni für Banker so zu gestalten und zu beschränken, dass diese mehr im Interesse der Gesellschaft und weniger im eigenen Interesse handeln.“

Anders als die klassischen Nobelpreise geht der Wirtschaftspreis nicht auf das Testament des schwedischen Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. Die schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968 nachträglich, um bedeutende Ökonomen zu würdigen. Verliehen wird die Auszeichnung aber gemeinsam mit den anderen Nobelpreisen am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

dpa

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