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Wirtschaftsnobelpreis an US-Verhaltensökonom Richard Thaler

Logik oder Gefühl? Wirtschaftsnobelpreis an US-Verhaltensökonom Richard Thaler

Laufen wirtschaftliche Prozesse wirklich immer nach „logischen“ und „vernünftigen“ Prinzipien ab? Der Nobelpreisträger dieses Jahres hat genauer hinter die Kulissen geblickt - und erhält dafür die wohl renommierteste Auszeichnung seines Faches.

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Der Nobelpreis für Wirtschaft wurde 1968 von der schwedischen Reichsbank gestiftet.

Quelle: Claudio Bresciani/scanpix Sweden/pool/archiv

Stockholm. Der US-Ökonom Richard H. Thaler hat für seine Forschungen zur Psychologie wirtschaftlicher Entscheidungen den Nobelpreis bekommen.

Er habe die Wirtschaft menschlicher gemacht, erklärte die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie in Stockholm. Thaler beschäftigte sich vor allem damit, dass viele Verhaltensweisen im Alltag nicht so „vernünftig“ sind, wie man in seinem Fach lange annahm.

Der Forscher habe so eine „Brücke zwischen der wirtschaftlichen und der psychologischen Analyse individueller Entscheidungsprozesse“ geschlagen und ein neues Feld eröffnet.

Thaler lehrt derzeit an der Universität Chicago. „Er hat uns neue Einsichten darüber gegeben, wie die menschliche Psychologie Entscheidungsfindungen prägt“, sagte Jury-Mitglied Peter Gardenfors.

Der 72-Jährige habe gezeigt, dass begrenzte Rationalität, soziale Vorlieben und mangelnde Selbstbeherrschung Entscheidungen und Marktergebnisse prägen können. „Marktakteure sind menschlich“, betonte Thaler nach der Preisverkündung in einem Telefongespräch mit der Akademie. „Wirtschaftliche Modelle müssen das berücksichtigen.“

Der Vorsitzende des Preiskomitees, Per Stromberg, hob die zentralen Beiträge Thalers zu seinem Forschungsbereich hervor: „Richard Thaler ist ein Pionier, wenn es darum geht, Erkenntnisse aus der Psychologie in die ökonomische Analyse einzubauen. Für vier Jahrzehnte hat er sowohl Theorien und Modelle wie auch Experimente, Tests und Umfragen verwendet, um zu analysieren, wie spezifische Aspekte der Psychologie systematisch wirtschaftliche Entscheidungen beeinflussen.“

Der Wissenschaftler entwickelte unter anderem die Theorie zur „geistigen Buchhaltung“ und erklärte, wie Menschen in Gedanken finanzielle Entscheidungen vereinfachen. Er zeigte zudem, warum man Dinge oft als wertvoller betrachtet, wenn man sie selbst besitzt. Der im US-Bundesstaat New Jersey geborene Ökonom nahm sich außerdem Neujahrs-Vorsätze vor - und untersuchte, warum diese oft zum Scheitern verurteilt sind. Die gleiche mangelnde Selbstdisziplin mache es vielen schwierig, für das Alter zu sparen, fand er heraus.

Der Wirtschafts-Preis gehört nicht zu den traditionellen Nobelpreisen, die ihren Ursprung im Testament des Dynamit-Erfinders Alfred Nobel haben. Die schwedische Reichsbank stiftete ihn 1968 nachträglich, offiziell heißt er „Preis der schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel“. In der Wirtschaftswelt hat er dennoch die Stellung eines Nobelpreises.

Seit der ersten Preisvergabe 1969 hat die Königlich-Schwedische Wissenschaftsakademie vor allem US-Ökonomen ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren der Amerikaner Oliver Hart und der Finne Bengt Holmström, die beide in den USA lehren, für Forschungen zu Vertrags-Konstruktionen etwa von Top-Managern geehrt worden.

Nach Deutschland ging der Preis bislang erst einmal. 1994 zeichnete das Nobelkomitee den Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten aus. Zudem wurde die Ehre bis heute nur einer Frau zuteil: 2006 bekam die US-Umweltökonomin Elinor Ostrom den Wirtschafts-Nobelpreis.

Die mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 940 000 Euro) dotierte Auszeichnung wird zusammen mit den klassischen Nobelpreisen für Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden am 10. Dezember verliehen - dem Todestag von Stifter Nobel.

dpa

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