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Wirtschaft Wismar ahoi! Vier Flusskreuzliner im Bau
Nachrichten Wirtschaft Wismar ahoi! Vier Flusskreuzliner im Bau
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00:05 10.01.2017
Beim Baustart: Manfred Korous (Crystal River Cruises), Tan Sri Lim Kok Thay (Genting) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU, v. l.).

Walter Schölzig steht inmitten von abgesägten Rohren, spitzen Haken und dünnen Drähten. Um ihn herum wird überall gehämmert und geschweißt. „Wir müssen Zeit aufholen, ab April wollen wir wieder im Plan sein“, sagt der Projektleiter. Probleme bei Materialbeschaffung und Konstruktion hätten zu Verzögerungen geführt. Doch der geplante Ablieferungstermin der zwei neuen Flusskreuzfahrtschiffe steht: Im Sommer sollen die 135 Meter langen „Crystal Mahler“ und „Crystal Bach“ fertig sein. 250 Mitarbeiter arbeiten dafür im Dock. Und dort, wo Schölzig gerade steht, sollen dann Passagiere in eine Luxussuite einchecken.

Unternehmensgruppe MV Werften legt los / Brennbeginn für „Crystal Debussy“ und „Crystal Ravel“

„Wir wollen bis April wieder im Plan sein.Walter Schölzig,

Projektleiter

Wie die erstklassige Kabine auf der „Crystal Mahler“ mal aussehen soll, ist auf Postern zu sehen, die gestern im Stahlkoloss verteilt wurden – für die etwa 50 Gäste der Unternehmensgruppe MV Werften. Die hat in der Wismarer Werft einen „Meilenstein“ in ihrer jungen Firmengeschichte gefeiert – den Brennbeginn für die Flusskreuzliner „Crystal Debussy“ und „Crystal Ravel“. Es sind die ersten Schiffe, die MV Werften komplett baut. Ihre Schwestern – die „Crystel Mahler“ und „Crystel Bach“ – sind noch bei der Rönner-Gruppe in Bremen begonnen worden und Teile im vergangenen Jahr nach Wismar gebracht worden. Als erster Auftrag des wenige Monate zuvor gegründeten neuen Werftenverbundes.

„Wir haben schon besondere Tage erlebt“, sagt Projektleiter Schölzig. Die Übernahme durch den asiatischen Genting-Konzern, die Vertragsunterzeichnung für mehrere Schiffsneubauten und die Kiellegung des ersten und zweiten Flusskreuzliners. „Das hört sich an, als würden wir nur feiern, aber wir arbeiten auch, das sieht man im Dock“, betont Schölzig.

Und seit gestern gibt es noch mehr zu tun. In Halle 10 haben Genting-Chef Tan Sri Lim Kok Thay und MVs Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) per Knopfdruck die Brennschneideanlage in Gang gesetzt und Funken sprühen lassen. „Wir werden die dritte Kreuzfahrer-Werft in Europa sein“, kündigt der Genting-Chef sein. Bisher hätten sich die Meyer Werft (Niedersachsen), Fincantieri (Italien) und STX (Frankreich) das Geschäft mit dem Bau von Kreuzfahrtschiffen geteilt. Doch STX steht kurz vor der Übernahme durch Fincantieri. Künftig will deshalb MV Werften der Dritte im Bunde sein und mögliche Konkurrenz hinter sich lassen. „Im Dezember hat China einen Fonds von vier Milliarden Euro für den Kreuzfahrtschiffbau zur Verfügung gestellt“, berichtet Tan Sri Lim Kok Thay. Um immer die Nase vorne zu haben, hofft er auf die Unterstützung des Landes: „Der Bau von Kreuzfahrtschiffen ist kapitalintensiv und bringt viele Leute in Arbeit.“

Minister Glawe will das Bruttosozialprodukt steigern. Deshalb würden Innovation, Aus- und Weiterbildung gefördert. Auch weil Eigentümer Genting „bis jetzt immer Wort gehalten hat“. Für die Werft-Standorte Rostock, Stralsund und Wismar sei Arbeit an Land gezogen worden, die Mannschaft werde erweitert.

Die „Crystal Debussy“ und „Crystal Ravel“ komplettieren das millionenschwere Neubau-Quartett, das die amerikanische Reederei Crystal River Cruises in Auftrag gegeben hat. Schiff zwei und drei sollen 2018 ausgeliefert und wie ihre Vorgänger auf Rhein, Main, Donau und Mosel fahren. Mit deutschsprachigen Gästen an Bord und Luxuspassagieren aus Asien und Amerika. Die Vermarktung hat bereits begonnen. „Die Buchungszahlen sind hervorragend“, berichtet Manager Manfred Korous. Auch die Nachfrage für die anderen Schiffe der Reederei sei ausgezeichnet.

Ende des Jahres will MV Werften in Wismar auch mit dem Bau von XXL-Kreuzfahrtschiffen beginnen, bis dahin Hunderte Leute einstellen und auf zusätzlichen Grundstücken bauen. Das wird die Stadt verändern, aber wir sind gewappnet, sagt Bürgermeister Thomas Beyer (SPD). Neue Wohngebiete seien bereits erschlossen, Kindertagesstätten gebaut worden. „Ob das ausreichen wird, werden wir sehen.

Denn auch andere Unternehmen wollen erweitern und einstellen.“

Kerstin Schröder

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