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ZDF will mehr Frauen in Schlüsselpositionen

Gender-Debatte ZDF will mehr Frauen in Schlüsselpositionen

Vor der Kamera tauchen Frauen im Fernsehen oft nur als Geliebte und Ehefrau auf. Hinter der Kamera sind sie - trotz vieler Abschlüsse - selten zu finden. Das ZDF will das ändern. Und kann erste Erfolge vorweisen.

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Heike Hempel ist stellvertretende Programmdirektorin und Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II.

Quelle: Fredrik von Erichsen/archiv

Mainz. Das ZDF strebt bei seinen Produktionen eine gerechtere Verteilung der Geschlechter in den kreativen Bereichen an - von der Kamera über Drehbuch bis hin zur Regie.

„Wir machen das progressiv, wir versuchen also Jahr um Jahr, uns zu verbessern, immer einen Schritt voranzugehen“, sagte Heike Hempel, stellvertretende Programmdirektorin und Leiterin der ZDF-Hauptredaktion Fernsehfilm/Serie II, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es nicht nur um die bloßen Zahlen, sondern vor allem darum, Frauen in Schlüsselpositionen zu bringen. „Wir müssen als öffentlich-rechtlicher Sender hier Vorreiter sein.“

Eine große Lücke zwischen Filmabsolventinnen und Frauen in der Fernsehfilmproduktion zeigt die im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie „Gender und Film“, die im Auftrag von ARD und ZDF vom Fraunhofer-Institut und der Universität Rostock erstellt wurde. Demnach waren in den Abschlussjahrgängen 1995 bis 2000 in der Regie 44 Prozent Frauen, die heute als Regisseurinnen arbeiten könnten. Doch nur 23 Prozent der TV-Produktionen hatten zuletzt Frauen und Frauenteams in der Regie. Ähnlich deutlich ist die Kluft bei Schnitt/Montage (82 Prozent Absolventinnen, 33 Prozent im Markt), Drehbuch (48 und 23 Prozent), Produktion (40 und 22 Prozent).

„Das Wichtigste ist, dass wir als Auftraggeber den Fokus darauf richten, wie unsere kreativen Teams, die wir beauftragen, zusammengesetzt sind. Es geht uns um Chancengleichheit und einen gleichberechtigen Zugang zum Markt“, sagte Hempel.

Das ZDF-eigene Monitoring zeigt in der Regie für die vergangenen Jahre einen durchweg steigenden Anteil von Frauen. Im „Herzkino“, dem Sendeplatz am Sonntag um 20.15 Uhr, stieg die Frauenquote von 12 Prozent vor drei Jahren auf mehr als 20 Prozent im vergangenen Jahr. Bei den 18-Uhr-Serien kletterte sie im gleichen Zeitraum von einer ähnlichen Ausgangsbasis sogar auf ein Drittel. Bei den Autorinnen sind die Zahlen insgesamt besser. Für manche Sendeplätze könne in wenigen Jahren Parität erreicht werden, für andere müsse der Sender sich anstrengen, sagte Hempel.

Zu den Maßnahmen des ZDF gehört auch, darauf zu achten, dass Erziehungszeiten in die Lebensläufe aufgenommen und Betreuungsmöglichkeiten für Kinder an den Sets geschaffen werden. Außerdem ist ein Förderprogramm für Regisseurinnen in Arbeit, das in diesem Jahr startet. In dem Prozess müsse die Frauenförderung hinter der Kamera mit dem inhaltlichen Aspekt vor der Kamera gedacht werden, erklärte Hempel. „Dabei geht es nicht nur darum, wie viele Frauenfiguren wir erzählen, sondern wie wir Frauenfiguren erzählen.“

Wichtig ist Hempel zufolge eine dezidiert weibliche Perspektive. Exemplarisch dafür sei der Mehrteiler „Ku'damm 59“, der an den 2016 gezeigten Dreiteiler „Ku'damm 56“ anknüpft. Die Familiengeschichte erzähle von Frauen in den 50er Jahren, also was es in einer von strikten Konventionen und starren Rollenbildern geprägten Zeit bedeutete, weiblich und jung zu sein. „Der Dreiteiler erzählt uns etwas über die Kultur, aus der wir alle hervorgegangen sind. Über weibliche und männliche Rollenbilder in der jungen Bundesrepublik. Da finden sich auch ein paar Antworten auf die Fragen, die wir uns im Rahmen der heutigen #MeToo-Debatte stellen.“

Das Fernsehen müsse erzählen, dass Gleichberechtigung gelingen könne, forderte Hempel. „Es geht nicht darum, einfach männliche Protagonisten durch weibliche zu ersetzen.“ Wichtig sei, kompetente weibliche Figuren darzustellen. „Sie können Probleme haben, sie können scheitern, müssen aber am Ende genauso wie die Männer den Fall lösen.“ Das könnten Krimi-Kommissarinnen sein, aber auch Ärztinnen, Dorfhelferinnen, Mathematikerinnen, Juristinnen. „Zu all dem gehört auch der moderne Mann. Einer der scheitert, der Fehler macht, der sich korrigieren muss - sowohl beruflich als auch privat.“

dpa

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