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Wirtschaft Zwei A 320 am Start: Sundair hebt ab
Nachrichten Wirtschaft Zwei A 320 am Start: Sundair hebt ab
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00:05 24.06.2017
Eine Airline zu unterhalten, das ist die Königsklasse.Marcos Rossello Gründer von Sundair

Im Erdgeschoss alles erwartbar üblich: Brille Fielmann. Zwei Etagen hoch durch ein typisches Stralsunder Treppenhaus, 41 knarzende Stufen, schwere Holztür

Die Stralsunder Fluggesellschaft will ab Juli sieben Verbindungen nach Südeuropa und Nordafrika bedienen.

– und dahinter: eine andere, international anmutende Welt. Fliegerenglisch schwirrt durch die Räume. In dem Haus mitten in der Fußgängerzone der Stadt arbeiten zehn Menschen eifrig an einer Fluggesellschaft: Sundair-Maschinen sollen in Kürze von den Flughäfen Berlin-Tegel und Kassel-Calden abheben. 30 weitere Kollegen sind in einer Dependance in Berlin tätig, 60 sollen es bald in der Luft sein. Dennoch, der Hauptsitz von Sundair liegt in Stralsund.

Was man der schon etwas abgewetzten Altbauwohnung nicht ansieht: Hier werden im Zuge der Airline-Gründung mehr als zehn Millionen Euro investiert – in zwei Flugzeuge, Personal, eine ausgefeilte Logistik drum herum, Kerosin und offensichtlich schlanke, schicke Laptops, die in der sonst unscheinbaren Unternehmenszentrale schreibtischprägend sind. Die Stimmung in den Büros erinnert an eine Firma aus der hippen Online-Welt. Das Business selbst, die Gründung einer Airline, wirkt in Zeiten der drohenden Pleite des Branchenriesen Air Berlin indes weniger innovativ. Sundair-Managerin Maria Bolt widerspricht. Sie war zuvor selbst bei Air Berlin und sieht größere Chancen für kleinere Airlines. „Wir können flexibler auf die Nischen im Markt reagieren.“

Gründer der Airline ist der Stralsunder Marcos Rossello. Er hat mit Software-Lösungen für die Luftfahrtbranche viel Geld verdient. Aber eine eigene Airline, „das ist die Königsklasse“, sagt er.

Rossello wirkt unruhig, energiegeladen, als sei er ständig zum Sprung bereit. In Stralsund hatte der 50-Jährige zunächst indes das Gefühl, als würde er gegen eine Wand springen. Die lokale Wirtschaftsförderung der Stadt schien nicht an seine Idee zu glauben. Eine Airline in Stralsund? Danke, der Nächste, bitte! So in dem Stil fing das an. Andernfalls hätte Rossello den Neubau der Unternehmenszentrale längst in Angriff genommen, betont er. Aber die Stadt verweigerte ihm im ersten Anlauf das angefragte Grundstück. Nachdem klar war, dass das alles kein Witz ist, versteht man sich besser.

So viele Millionen wie Rossellos Fluggesellschaft hat bisher kein anderes Unternehmen in der Region auf einen Schlag ausgegeben. Allein die Leasingkosten für die zwei angeschafften Maschinen belaufen sich auf knapp eine Million US-Dollar pro Monat. Die Flugzeuge, Typ Airbus A 320, sind sechs Jahre alt, was für eine Passagiermaschine vergleichbar ist mit einem Jahreswagen beim Auto. Die Flieger stammen von der brasilianischen Fluggesellschaft Latam und werden zurzeit in Abu Dhabi an europäische Standards angepasst. Anders als in Südamerika ist in Europa beispielsweise eine Kamera über der Cockpittür vorgeschrieben, worüber die Piloten sehen können, wer davorsteht.

Zudem wird das Flugzeug einmal komplett abgeschliffen und neu lackiert, also nicht nur übergestrichen. Auch aus ökologischen Gründen, wie Sundair-Managerin Bolt sagt. Im Fachjargon werde diese Methode „strip and paint“ genannt. Damit wird vermieden, dass unnötig viel zusätzliches Gewicht durch die alte Farbe mitgetragen und so unter anderem ein höherer Kerosinverbrauch verursacht wird.

Die ersten Flüge von Sundair gehen ab Juli von Berlin beziehungsweise Kassel auf die Insel Kreta. Sieben südeuropäische und nordafrikanische Ziele stehen bislang auf dem Flugplan. Während der ersten Wochen weicht Sundair noch auf Maschinen anderer Gesellschaften aus, bis die eigenen Flugzeuge fertig umgerüstet sind.

Eine Weile nach der Verkündung Rossellos, in Stralsund eine Airline ansiedeln zu wollen, wurde öffentlich, dass der Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland die Hälfte der Sundair-Anteile übernommen hat. Den Großteil der Sitzplätze vergibt Schauinsland an eigene Kunden, kleinere Restkontingente vermarktet Sundair selbst.

Noch in diesem Jahr strebt Sundair einen Umsatz von 25 Millionen Euro an; 2018 soll sich diese Zahl verdoppeln. In Zukunft sucht die junge Fluggesellschaft weiter nach Personal – natürlich „mit der Bereitschaft zu überdurchschnittlichem Engagement“, wie es auf der Homepage der Airline heißt. Jeder der sechs Posten pro Flugzeug (Kapitän, Co-Pilot und vier Flugbegleiter) muss fünfmal besetzt sein, um den Vogel täglich zehn bis zwölf Stunden in der Luft halten zu können, ohne die vorgeschriebenen Ruhezeiten zu verletzen. Bolt: „Allein dafür gibt es rund 300 Vorschriften.“

Während in Stralsund die Begeisterung für Sundair erst langsam wächst, bemüht sich die hessische Landesregierung intensiv darum, dass Sundair-Gründer Rossello den Unternehmenssitz doch noch von Stralsund an den Flughafen Kassel-Calden verlegt, wo ohnehin eine Maschine dauerhaft stationiert werden soll. Grund dafür dürften die hohen Verluste sein, die der erst vor vier Jahren eröffnete Regionalflughafen bisher erwirtschaftet hat. Mehrheitsgesellschafter ist das Land Hessen. Der Hauptsitz einer Airline vor Ort wäre zumindest ein positives Signal. „Dieses Angebot war verlockend, aber ich habe mich für Stralsund entschieden“, sagt Rossello.

Mit sieben Zielen in Europa und Nordafrika geht’s los

7 verschiedene Reiseziele stehen im ersten Sommer bei Sundair auf dem Programm: Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa (Spanien), Kreta, Rhodos (Griechenland), Hurghada (Ägypten), Varna (Bulgarien). Zunächst besitzt die Fluggesellschaft, die ihren Hauptsitz in Stralsund hat, zwei eigene Maschinen vom Typ A320. Die sechs Jahre alten Flugzeuge werden zurzeit in Abu Dhabi technisch an die europäischen Standards angepasst. Sie waren zuvor für die brasilianische

Fluggesellschaft Latam im Einsatz.

Benjamin Fischer

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