Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Zypern-Krise: Merkel beruhigt deutsche Sparer
Nachrichten Wirtschaft Zypern-Krise: Merkel beruhigt deutsche Sparer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:16 19.03.2013
Wegen der Zwangsabgabe auf Guthaben bei Banken in Zypern machen sich die Sparer auch hierzulande sorgen. Foto: Patrick Pleul
Nikosia

„Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hatten Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) zur Beruhigung der Bürger die deutschen Spareinlagen für sicher erklärt. Im vierten Jahr der Schuldenkrise wollen die Euro-Retter erstmals direkt Sparer in die Pflicht nehmen - betonen allerdings, dass es sich wegen der besonderen Umstände in Zypern um einen Einzelfall handele.

Derweil ist die Zitterpartie um die pleitebedrohte Inselrepublik immer noch nicht zu Ende - trotz des in der Nacht zum Samstag in der Eurogruppe geschnürten Rettungspaketes. Unter dem Druck der Öffentlichkeit vertagte das Parlament die Abstimmung über die heftig umstrittenen Zwangsabgaben abermals. Nach dpa-Informationen will die Regierung in Nikosia nun doch Kleinsparer mit Guthaben bis zu 20 000 Euro davon verschonen. Das Repräsentantenhaus wird nun erst am Dienstag (18.00 Uhr) zusammenkommen, wie Parlamentspräsident Giannakis Omirou ankündigte - einen Tag später als geplant.

Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums erfuhr, sollen von Guthaben bis zu 100 000 Euro wie gehabt 6,75 Prozent abgezogen werden. Für Beiträge über 100 000 Euro sollen 9,9 Prozent an den Staat gehen. Eine offizielle Bestätigung gibt es allerdings noch nicht. Mit der Ausnahme der Kleinsparer würden Zypern etwa 300 Millionen Euro fehlen, um die nötigen 5,8 Milliarden Euro einzusammeln, die zusammen mit den zehn Milliarden Euro der Geldgeber das klamme Land retten sollen. Wie es aus Kreisen des Ministeriums hieß, sollen die fehlenden Gelder „aus anderen Quellen“ kommen. Welche diese sind, blieb unklar.

„Wir untersuchen alle Möglichkeiten, um die Schwächeren zu entlasten“, hieß es zuvor in Nikosia. In der deutschen Politik würde eine solche Änderung auf Sympathie stoßen, wie Sprecher von Koalitions- und Oppositionsparteien sagten.

Die Hängepartie irritierte auch Investoren an den Finanzmärkten. Der Euro geriet unter Druck und erreichte bei 1,2883 Dollar zeitweise den tiefsten Stand seit drei Monaten. Auch der deutsche Aktienmarkt reagierte zunächst mit Abschlägen, ging aber am Ende nur mit einem Minus von 0,4 Prozent aus dem Handel.

Die Eurogruppe wollte am Montagabend in einer Telefonkonferenz erneut über die umstrittene Zwangsabgabe beraten. Das verlautete aus Brüsseler EU-Kreisen. Dem Vernehmen nach sollte es in der erneuten Konferenz um Änderungen an dem erst in der Nacht zum Samstag beschlossenen Paket gehen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, es sei Sache Zyperns, die Details der Abgabe auf Spareinlagen festzulegen. Seibert sagte, die Entscheidung Zyperns, auch Kleinanleger für das Rettungspaket heranzuziehen, sei keine Idee der Bundesregierung gewesen. Man habe sich eine andere Staffelung vorstellen können.

Russlands Präsident Wladimir Putin rügte die geplante Abgabe auf Sparguthaben als „ungerecht, unprofessionell und gefährlich“. Reiche Russen und Unternehmen wären laut Medien mit Milliardensummen von der Zwangsabgabe betroffen. Schätzungsweise ein Drittel der Einlagen bei Banken auf Zypern besitzen Ausländer, unter ihnen viele reiche Russen und Briten. Zypern steht im Ruf, ein sicherer Hafen für Schwarzgeld zu sein.

Die Stimmung in der zyprischen Bevölkerung und unter den Abgeordneten der kleinen Inselrepublik ist explosiv. Nach dpa-Informationen wollen zahlreiche Parlamentarier ihre Zustimmung zur Abgabe verweigern. Abgeordnete sprachen von einer „wahllosen Konfiszierung“ und von einer Politik der Erpressung durch die Eurogruppe.

Wegen eines Feiertages blieben am Montag die zyprischen Banken geschlossen - und sollen vorerst auch bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben. Dies teilte die Zentralbank in Nikosia mit. Damit soll verhindert werden, dass in großem Stil Geld transferiert wird. Zyprische Medien berichteten weiter, russische Oligarchen seien bereits in Zypern angekommen, um ihre Gelder abzuziehen oder neue Vereinbarungen mit den zyprischen Banken abzuschließen.

dpa

Der Euro ist wegen der Unsicherheit im Zusammenhang mit der geplanten Zwangsabgabe auf Bankeinlagen im Euro-Krisenland Zypern kräftig unter Druck geraten.Nach zum Teil scharfer Kritik von Experten an den jüngsten Rettungsplänen für Zypern rutschte die Gemeinschaftswährung am Montag zeitweise auf 1,2883 Dollar ab und erreichte damit tiefsten Stand seit drei Monaten.

19.03.2013

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im Späthandel am 18.03.2013 um 20:30 Uhr folgende Schlusskurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt. (Stand und Veränderung zur Schlussnotierung am vorherigen Börsentag bei Aktien in Euro, bei Indizes in Punkten).

19.03.2013

NEW YORK (dpa-AFX) - Der Euro hat sich am Montag im US-Handel von seinen deutlichen Verlusten im frühen europäischen Geschäft erholt und zuletzt bei 1,2959 US-Dollar notiert.

19.03.2013