Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wissen Astronomen wiegen Weißen Zwerg mit der Relativitätstheorie
Nachrichten Wissen Astronomen wiegen Weißen Zwerg mit der Relativitätstheorie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:27 08.06.2017
Die Illustration zeigt, wie ein Weißer Zwerg den Raum krümmt und das Licht eines Sterns hinter ihm beugt. Quelle: Nasa/esa/a. Feild (stsci)
Anzeige
Washington

Wiegen mit Licht: Mit Hilfe von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie hat ein Astronomenteam die genaue Masse eines Weißen Zwergsterns bestimmt.

Die akribische Messung mit dem „Hubble“-Weltraumteleskop liefert nicht nur eine weitere Bestätigung für Einstein, sondern beendet auch eine jahrzehntealte Kontroverse über die Masse des untersuchten Zwergsterns. Nach Einsteins Theorie lenkt ein schweres Objekte im All das Licht ab. Vom Grad der Ablenkung kann man auf die Masse dieses Objekts - beispielsweise eines Sterns - schließen.

Die Forscher um Kailash Sahu vom Space Telescope Science Institute in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) stellten ihre Beobachtungen im Fachblatt „Science“ vor. Demnach beträgt die Masse des Weißen Zwergs mit der Katalognummer Stein 2051 B etwa zwei Drittel (67,5 Prozent plusminus 0,5 Prozent) der Masse unserer Sonne. Weiße Zwerge sind die kollabierten Überreste ausgebrannter Sterne.

Die Untersuchung stelle Astronomen ein neues Werkzeug zur Verfügung, um die Masse kosmischer Objekte zu bestimmen, heißt es in einem „Science“-Begleitkommentar.

Massereiche Objekte wie Sterne krümmen nach Einsteins Theorie die Raumzeit und können dadurch Licht ablenken wie eine Linse. Dieser Gravitationslinseneffekt wurde erstmals während einer Sonnenfinsternis im Jahr 1919 beobachtet: Die Position von Sternen nahe dem Rand der verdunkelten Sonne erschien leicht verschoben. Einstein wurde für seine Vorhersage gefeiert, ein wesentlicher Teil seines Ruhms gründet auf dieser Beobachtung.

Nicht nur die Sonne kann so die scheinbare Position entfernter Sterne verschieben, sondern auch ein anderer, näherer Stern. Allerdings ist der Effekt dann sehr viel kleiner. Außerdem müssen Vordergrund- und Hintergrundstern zufällig genau in einer Linie stehen. Einstein selbst glaubte nicht, dass sich dieser Effekt jemals beobachten lasse, wie er 1936 ebenfalls in „Science“ schrieb.

Genau dies ist dem Team um Sahu nun jedoch mit „Hubble“ gelungen: Die Forscher konnten messen, wie sich die scheinbare Position eines 5000 Lichtjahre entfernten Sterns änderte, als der 17 Lichtjahre von uns entfernte Weiße Zwerg mit der Katalognummer Stein 2051 B vor ihm vorüberzog. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.

Ergebnis der Messung: Die Sternposition änderte sich um rund 0,56 millionstel Grad. Die Astronomen bestimmten die Masse des Weißen Zwergsterns daraus auf 67,5 Prozent der Sonnemasse. „Es ist, als ob man den Stern auf die Waage legen würde“, erläutert Sahu in einer Mitteilung seines Instituts. „Die Ablenkung ist analog zur Bewegung der Nadel auf der Waage.“

Die Messung beendet eine über 100 Jahre alte Kontroverse über die Masse von Stein 2051B. Der Weiße Zwerg hat einen roten Zwergstern als Begleiter. Aus der Bewegung der beiden Sterne hatten frühere Astronomen eine Masse berechnet, die eine unerwartete Zusammensetzung des Weißen Zwergs erfordert hätte. Die neue Bestimmung der Masse deckt sich nun mit der Theorie der Weißen Zwerge. „Wir wissen jetzt, dass Stein 2051 B ganz normal ist“, betont Terry Oswalt von der Embry-Riddle-Luftfahrt-Universität in Daytona Beach (US-Staat Florida) im „Science“-Kommentar.

Weiße Zwerge sind das häufigste Endstadium von Sternen. „Mindestens 97 Prozent aller Sterne, die je in unserer Galaxie entstanden sind, einschließlich unserer Sonne, werden als Weiße Zwerge enden oder sind bereits welche“, betont Oswalt. „Sie sagen uns etwas sowohl über unsere Zukunft als auch über unsere Vergangenheit.“

dpa

Mehr zum Thema

Wie verändert sich eine Bevölkerung im Lauf der Zeit? Eine Studie aus Finnland ergibt für junge Männer: Sie entsprechen zunehmend den Wünschen der Wirtschaft: selbstbewusst, sozial kompetent, gehorsam.

06.06.2017

Die Ambrosia ist in Deutschland alles andere als beliebt: Allergikern verlängert sie die Schniefsaison und verdrängt heimische Pflanzen. Das Bittere: Ausgerechnet an Straßen nimmt sie richtig Fahrt auf. Widerstand ist nicht zwecklos - aber noch zaghaft.

06.06.2017

Viele Menschen sind ihrem Umfeld gegenüber dann besonders spendabel, wenn andere das mitbekommen, zeigt eine Studie. Allerdings gilt das nur für bestimmte Personen.

07.06.2017
Wissen Erst denken, dann klicken - Die häufigsten Fallen im Netz

Phishing, manipulierte Links, Ransomware: Gefahren lauern im Netz überall. Die meisten Internet-Nutzer wissen das - und verhalten sich dennoch leichtsinnig. Dabei ist es gar nicht so schwer, sich zu schützen. Hier sind die Top-Risiken und wie man ihnen begegnet.

08.06.2017

Ein spektakuläres Ereignis steht in der Antarktis bevor. Ein gigantische Eismasse – doppelt so groß wie das Saarland – wird bald abbrechen. Nur noch wenige Kilometer fehlen, dann entsteht ein gigantischer Eisberg.

08.06.2017

Britische Forscher warnen: Auch geringe Mengen Alkohol beeinträchtigen das Gedächtnis. Schon ab einem halben Glas Wein pro Woche könne es zu Schäden kommen.

07.06.2017
Anzeige