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Wissen Forscher entdecken 2000 neue Bakterienarten im Darm
Nachrichten Wissen Forscher entdecken 2000 neue Bakterienarten im Darm
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19:35 12.02.2019
Die Grafik zeigt Kolibakterien im menschlichen Darm. Quelle: istock
Hannover

Der menschliche Darm ist ein Bakteriennest. In ihm leben etwa 100 Billionen Bakterienzellen – das sogenannte Mikrobiom. Das klingt nicht gerade appetitlich, ist aber extrem nützlich: Die Bazillen beugen Krankheiten vor, verhindern Übergewicht und bestimmen auch über Gemüt und Verfassung. Viele Wissenschaftler glauben, dass die Darmbakterien in Zukunft eine große Rolle in der Medizin spielen werden. Sie wollen die Mikroorganismen nutzen, um die Menschen gesünder zu machen – indem sie die Zusammensetzung der Darmflora verändern.

Mit einer neuen Untersuchungsmethode ist Wissenschaftlern des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL) und des britischen Wellcome Trust Sanger Institute jetzt ein wichtiger Schritt in die Richtung gelungen: Die Forschergruppe entdeckte fast 2000 bisher völlig unbekannte Bakterien im menschlichen Darm. Dafür analysierten sie das Erbgut von Bakterienarten in weltweit mehr als 13.000 Stuhlproben.

Computersoftware identifiziert Bakterien

Dass die Bakterien bisher unbekannt waren, liege daran, dass sie eher selten vorkommen und außerhalb des Darms kaum überleben könnten. Deshalb ließen sie sich mikroskopisch nur schwer nachzuweisen und auch nicht im Labor züchten. Deshalb half den Forschern eine neue Computersoftware, die das Erbgut der Bakterien identifizieren kann.

„Mithilfe bioinformatischer Methoden können wir Bakterien identifizieren, die wir noch nicht im Labor kultivieren können“, erklärte Rob Finn vom EMBL. „Das ist ein bisschen wie das Rekonstruieren von Hunderten von Puzzles, nachdem alle Teile miteinander vermischt wurden, ohne zu wissen, wie das endgültige Bild aussehen soll.“

Erkenntnisse könnten Behandlungen verbessern

Die im Fachblatt „Nature“ veröffentlichte Studie zeigte auch, dass sich die Zusammensetzung der Darmbakterien in verschiedenen Ländern der Erde deutlich unterscheidet: Während bei Europäern und Nordamerikanern etwa dieselben Darmbakterien vorkommen, zeigten die südamerikanischen und afrikanischen Datensätze deutliche Unterschiede. „Die wenigen südamerikanischen und afrikanischen Datensätze, auf die wir für diese Studie zugreifen konnten, zeigten eine signifikante Vielfalt, die bei den anderen Bevölkerungsgruppen nicht vorhanden war“, erläuterte Finn.

Die Forscher hoffen, mithilfe der Ergebnisse menschliche Krankheiten besser verstehen zu können. Das könnte helfen, die Diagnose und Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen zu verbessern.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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