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06:00 12.11.2018
43 Prozent – so hoch liegt die Quote der versuchten Einbrüche in Berlin Quelle: dpa
Hannover

Wenn ein Kunde zu Jens Fritsch kommt, drückt ihm der hochgewachsene Mann mit der Stirnglatze erst einmal einen Schraubenzieher in die Hand. Damit soll sich der Besucher an einem Fensterrahmen zu schaffen machen. Ein-, zwei-, dreimal gehebelt, und das Fenster springt auf. „Das war noch sehr zögerlich“, sagt Fritsch. Ein Einbrecher wäre jetzt trotzdem drin.

Fritsch schult keine Diebesbanden. Sein Beruf besteht im Gegenteil darin, ihnen das Leben möglichst schwer zu machen. Der Berliner Kriminalhauptkommissar nennt sich „Fachberater Technische Prävention“. Er sorgt dafür, dass Häuser und Wohnungen sicherer werden. Fritsch berät Haus- und Wohnungsbesitzer, aber auch Mieter. Er erklärt, wo sie nachrüsten können.

Das aufgehebelte Fenster zum Beispiel hatte keine Pilzkopfzapfen im Rahmen. Diese gleiten beim Schließen in eine stählerne Schiene und werden dort festgehalten – ein Aufhebeln wäre dann nicht mehr so einfach. Gleich daneben zeigt Fritsch auf eine typische Altbau-Wohnungseingangstür aus Holz. Auf ihre Innenseite ist eine Stahlplatte montiert, das macht es unmöglich, das Holz zu durchbohren. Sie hat zudem ein Stangen-Riegelschloss und Hintergreifhaken an beiden Außenseiten der Türblätter – so kommt kein Einbrecher mehr so einfach hinein.

Einbruch: Gebäude sichern lohnt sich

Fritschs Arbeitsplatz liegt etwas versteckt in einem Säulengang im riesigen Hauptgebäude des stillgelegten Flughafens Tempelhof, schräg gegenüber vom Landeskriminalamt. Viele seiner Kunden sind Opfer eines Einbruchs geworden und wollen ein zweites Mal verhindern. Andere haben von Wohnungseinbrüchen in der Nachbarschaft, im Familien- oder Freundeskreis gehört und möchten nicht das nächste Opfer werden. Auch Bauherren kommen, die ihr neues Einfamilienhaus von vornherein sicher ausstatten möchten.

Wie viele Einbrüche Fritsch mit seiner Arbeit verhindert, weiß er naturgemäß nicht. Aber er kann eine Zahl nennen, die anklingen lässt, dass seine Arbeit und die seiner Kollegen vielleicht nicht ganz umsonst ist: 43 Prozent. So hoch liegt inzwischen die Versuchsquote bei Wohnungseinbrüchen in Berlin.

Je länger das Eindringen in ein Gebäude oder in eine Wohnung dauert, desto häufiger wird es abgebrochen – das gilt besonders für die Gelegenheitseinbrecher, die sich tagsüber durch ganze Mehrfamilienhäuser arbeiten. Wenn eine Tür zu schwer zu knacken ist, versuchen sie es an der nächsten. Wenn es irgendwo klappt, schauen die Diebe nach Bargeld, Schmuck, Smartphones und anderer Kleinelektronik. Sie durchwühlen Schränke und Schubladen und sind möglichst schnell wieder draußen.

Smarte Sicherheitstechnik gegen Einbruch nicht unbedingt sicherer

Fritschs Arbeit dreht sich um Stangenriegel und Querriegel, um Pilzkopfschlösser und Widerstandsklassen, und vor allem ist sie eine Arbeit gegen ein gängiges Vorurteil, das da lautet: „Einbrecher kommen überall rein.“ Neuerdings aber kämpft er noch gegen ein zweites Vorurteil, das da heißt: Je mehr technische Aufrüstung jemand betreibt, je „smarter“ sein Heim ist, desto sicherer sei es auch. Darüber würde oft das Naheliegende vergessen, befürchtet Fritsch – die mechanische Sicherheit.

Die Sicherheitsmesse „Security“ in Essen ist die größte ihrer Art. 950 Aussteller waren kürzlich dort vertreten, die Branche macht einen Umsatz von 17 Milliarden Euro jährlich. Auch Fritsch war auf der Messe – und ist mit einer klaren Erkenntnis zurückgekehrt. Er hat den Stand der Polizei mitbetreut, aber sich natürlich auch anderweitig auf der Messe umgetan. Überall gab es Smarthome-Angebote, vernetzte Überwachung, Alarm aufs Smartphone, sobald jemand an der Tür der verschlossenen Wohnung rüttelt. Für einen Fachmann wie Fritsch birgt dieser Trend auch Gefahren – vor allem die, dass die Häuser zwar smart werden, aber dennoch nicht sicherer, weil die Fenster weiterhin leicht aufzuhebeln sind, die Türen geübten Kriminellen keinen Schutz bieten und Fenster unvergittert bleiben. „Mechanik vor Elektronik“ ist zum Leitsatz von Fritschs Vorträgen geworden. „Mechanik vor Elektronik“ erzählt er auch jedem seiner Kunden in der Beratungsstelle der Berliner Polizei. Wer sich etwa ein Smarthome-Starterpaket aus dem Baumarkt hole und dieses auch noch ohne fachliche Hilfe selbst installiere, besitze höchstens die Illusion von Sicherheit.

Polizei-Software soll Einbruch-Schwerpunkte erkennen

Doch nicht nur die Häuser werden smarter, auch die Polizei arbeitet daran. In mehreren deutschen Städten, darunter in Berlin, soll spezielle Software dabei helfen, Kriminalitätsschwerpunkte zu erkennen. „Predictive Policing“ nennt sich das und soll Serientäter schneller überführen. Die zugrundeliegende Theorie: Wer einmal einbricht, wiederholt die Tat wahrscheinlich schnell und in räumlicher Nähe. Der Nachteil, zumindest am Berliner Programm: Es teilt die Stadt in Quadranten à 400 mal 400 Meter ein – das ist sinnvoll für die dicht bebauten Innenstadtviertel, aber meist zu kleinräumig für die Vororte. Und gerade dort sind die meisten Profis unterwegs, sagt Birgit Spier, Leiterin des Einbruchskommissariats bei Berlins Polizeidirektion 4.

Mit 25 Beamten ist sie für den ganzen Südwesten der Metropole zuständig, von Schöneberg bis Wannsee. „In den dicht bebauten Vierteln mit Mehrfamilienhäusern haben wir meist Kiez-Kriminalität oder Beschaffungskriminalität, also eher spontane, zufällige Taten“, sagt Spier. „In den Gebieten mit großen Einfamilienhäusern sind eher die Profis aktiv.“ Die Profis gehören oft zu reisenden Banden, sie kommen vom Balkan oder gar aus Südamerika und gehen auf Diebeszug durch Europa, drei, vier Wochen in jedem Land. Sie kundschaften ihre Ziele ganz genau aus: Sieht es lukrativ aus? Hat es eine Alarmanlage? Ist es durch Hecken geschützt, sodass man unbemerkt von hinten eindringen kann?

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Dann wissen die Einbrecher genau, wie viel Zeit sie sich nehmen können – und ob sie Lärm machen dürfen. „Die setzen auch schwereres Gerät ein“, sagt Spier: „Sie hebeln auch schon mal Gitterstäbe mit einem Wagenheber auseinander, öffnen auch Safes mit Trennschleifern.“ Die Ermittlerin Spier ist nicht ganz so skeptisch, was die neuen smarten Überwachungsmöglichkeiten im Haus angeht: Gute Videokameras lieferten gestochen scharfe Bilder von Einbrechern. Doch die Hintermänner sind trotzdem fast nie zu schnappen. „An sie heranzukommen ist äußerst schwer“, sagt Spier. „Sie sind so gut wie nie vor Ort dabei, so dass wir sie nicht auf frischer Tat fassen können.“

Von RND/Jan Sternberg

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