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06:00 05.11.2018
Leichtes Spiel für Einbrecher: Fenster und Türen sind oft nicht gut genug abgesichert. Quelle: dpa
Hannover

Die Angst vor Einbrüchen ist größer als die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich Opfer einer solchen Tat zu werden: Jeder Zweite fürchtet sich laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung vor einem Einbruch. Damit steigt die Angst, obwohl die Zahl der tatsächlichen Einbrüche sinkt. „Das ist ein generelles Problem der Kriminalitätsfurcht“, sagt Soziologe Arne Dreißigacker: „Kriminalität wird stets höher eingeschätzt, als sie tatsächlich ist.“

Wie entwickelt sich die Zahl der Einbrüche?

Seit zwei Jahren sind die Zahlen stark rückläufig. Zuletzt zählte die Polizei fast ein Viertel weniger Einbrüche als noch im Vorjahr. 116 540 waren es laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) im Jahr 2017.

Ist diese Zahl verlässlich?

Ja. Die PKS beschreibt die Häufigkeit von Diebstählen ziemlich präzise. Denn fast jeder Einbruch wird zur Anzeige gebracht.

Warum geht die Zahl der Einbrüche zurück?

Das ist schwer zu sagen. Einige Erklärungen bieten sich jedoch an. Die Erhöhung des Strafmaßes beispielsweise. So beträgt die Mindeststrafe bei Einbruch seit 2017 zwölf statt wie zuvor sechs Monate, die Höchststrafe zehn Jahre. Gleichzeitig hat die Polizei ihre Ermittlungen intensiviert. Im Anschluss fasste beispielsweise die Münchener Polizei 2017 eine Einbrecherbande von 500 Personen, die sich bis nach Belgien, Spanien, Frankreich und Italien ausweitete. Für jeden fünften Einbruch soll er verantwortlich gewesen sein. „Womöglich machen organisierte Banden jetzt häufiger einen Bogen um Deutschland“, sagt Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Laut Europol, der Polizeibehörde der Europäischen Union, reisen diese für ihre Beutezüge mittlerweile lieber nach Skandinavien als nach Deutschland.

Nach welchen Kriterien entscheiden die Täter, wo sie einbrechen?

Um das herauszufinden, interviewten Forscher des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) 30 inhaftierte Einbrecher. Das Ergebnis: Am wichtigsten ist den Tätern der leichte Einstieg. Je unkomplizierter der Zugang, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs. Dagegen unterschieden sich Täter in ihren Abwägungen, wann sich der Einstieg lohnt. Während die einen auf Häuser mit teuren Autos und gepflegten Gärten setzen, werden die anderen genau davon abgeschreckt, weil sie dort höhere Sicherheitsmaßnahmen fürchten. Wieder andere wählen Seniorenwohnungen – dort werden mehr Wertsachen vermutet als bei jüngeren Menschen.

Was stehlen die Täter bei einem Einbruch?

Am häufigsten werden Schmuck und Uhren entwendet, nämlich in 57,5 Prozent der Fälle. Ausgerechnet hat das der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft im Einbruch-Report 2016. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Bargeld (48,7 Prozent) und elektronische Kleingeräte wie Handys und Tablets (31,0 Prozent). Fernsehgeräte, Spielkonsolen oder Musikanlagen verschwinden in nur 16,7 Prozent der Fälle.

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Wann finden die meisten Einbrüche statt?

Anders als häufig behauptet, passiert das meist schon am späten Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr – nämlich in 18 Prozent der Fälle. Neben den frühen Abendstunden ist laut Einbruch-Report zudem die Mittagszeit bei Einbrechern beliebt.

Wohnungseinbruch: Wer sind die Täter?

„Eine hauptverantwortliche Tätergruppe gibt es nicht“, sagt Soziologe Dreißigacker vom KFN. Zumindest lässt sie sich wissenschaftlich noch nicht fassen. Die meisten Einbrecher werden von der Polizei nie gefasst. Und selbst die, die die Polizei verdächtigt, werden nur selten schuldig gesprochen. „So kam es bei analysierten Fällen im Jahr 2010 nur in 2,6 Prozent zur Verurteilung eines oder mehrerer Täter.“ Allein zu diesen 2,6 Prozent der Einbrecher lassen sich Aussagen treffen. Diese besagen: Die Mehrzahl der Täter ist männlich und durchschnittlich 26 Jahre alt. Bei einem Drittel finden sich Suchthinweise. Ein Drittel hat eine osteuropäische Herkunft und bei einem Drittel gibt es eine Täter-Opfer-Beziehung, das heißt: Man kennt sich mindestens vom Sehen. Der Anteil der gemeinschaftlich begangenen Taten, also Fälle bei denen mindestens zwei Täter verurteilt wurden, liegt bei 44 Prozent.

Von RND/Julius Heinrichs

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