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Wissen Zölibat als Nährboden für potenziellen Missbrauch
Nachrichten Wissen Zölibat als Nährboden für potenziellen Missbrauch
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05:00 26.09.2018
Frost überzieht ein Wegekreuz in der Nähe des Berges „Höchsten“ bei Illmensee (Baden-Württemberg). Quelle: Felix Kästle/dpa
Hannover

Erst kürzlich hatte es Papst Franziskus selbst gepredigt: „Die Sexualität, der Sex, ist ein Geschenk Gottes. Kein Tabu“, sagte der 81-Jährige bei einer Audienz mit französischen Jugendlichen. Und weiter: „Es gibt zwei Ziele: sich zu lieben und Leben zu schaffen.“ Von seinen eigenen Ordensleuten verlangt das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche allerdings weiterhin völlige Enthaltsamkeit – den Zölibat.

Seit 900 Jahren müssen sich Priester bei der Weihe zu einem Leben ohne Sexualität und Ehe verpflichten, damit sie sich voll und ganz Gott und Gemeinde widmen können. Angesichts der vielen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche wird die Frage nach dem Sinn dieser Regel wieder neu gestellt. Ist erzwungene Enthaltsamkeit gesund für einen Menschen?

In einer 2017 veröffentlichten Studie kamen australische Wissenschaftler zu dem Schluss, dass sich der Zölibat zumindest begünstigend auf sexuellen Missbrauch auswirkt – vor allem in Waisenhäusern und den vielen anderen Einrichtungen der Kirche, in denen Kinder über längere Zeit in Obhut sind: „Kinder (...) sind einem Risiko ausgesetzt, wenn psychosexuell unreife und/oder sexuell benachteiligte zölibatär Lebende, einschließlich Priester und Ordensleute, zu ihnen Zugang haben“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem 384 Seiten umfassenden Report. Zudem verweisen sie auf die viel niedrigere Zahl von Missbrauchsfällen in den katholischen Ostkirchen, deren Priester dürfen heiraten. Auch der aktuellen Studie der katholischen Kirche in Deutschland zufolge ist der Anteil von Priestern an den Beschuldigten wesentlich höher als der von Diakonen, die heiraten dürfen.

Forscher kritisiert Umgang mit Sexualität in der katholischen Kirche

Für Professor Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, greifen die Schlussfolgerungen nicht weit genug. Er sieht über Zölibat und Nähe zu Minderjährigen hinaus ein „in sich geschlossenes, patriarchalisches System“ als Nährboden für potenziellen Missbrauch. Brikens Kritik richtet sich gegen den Umgang mit Sexualität in der katholischen Kirche insgesamt. Einen Umgang, der einzig auf Unterdrückung und Reglementierung ausgelegt sei, sagt Briken, der auch Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs ist. Allzu viele lebten ihre Bedürfnisse dann im Geheimen aus oder unterdrückten, verleugneten sie.

Potenziert werde die Gefahr in intimen Situationen, denen Priester häufig ausgesetzt sind – bei der Seelsorge oder in Zeremonien: Sich dann seiner Sexualität bewusst zu sein und sie kanalisieren zu können, wäre Voraussetzung, auf eine reife Weise damit umgehen zu können.

Von Sonja Fröhlich

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