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Nachrichten Zwischen „Aktueller Kamera“ und einem „Kessel Buntes“
Nachrichten Zwischen „Aktueller Kamera“ und einem „Kessel Buntes“
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00:00 10.09.2013

Rostock — Josef Stalin feiert seinen 73. Geburtstag, als das DDR-Fernsehen Ende 1952 in Berlin-Adlershof auf Sendung geht. Es ist ein paar Tage vor Weihnachten und damit auch ein paar Tage, bevor der Nordwestdeutsche Rundfunk in der Bundesrepublik am ersten Feiertag seinen Betrieb aufnimmt.

Fernsehen in der DDR ist anfangs keine Massenveranstaltung. Nur wenige Haushalte können es empfangen. Als vier Jahre später mit dem Deutschen Fernsehfunk (DFF) die Versuchsphase endet, sind es immer noch nicht viel mehr. Das ändert sich aber bald. Ende der Sechziger stehen die Geräte aus dem VEB Kombinat Rundfunk und Fernsehen (RFT) Staßfurt schon in gut vier Millionen Wohnzimmern. Immer dabei ist die „Aktuelle Kamera“, Nachrichten aus der Deutschen Demokratischen Republik und dem Rest der Welt. Sie begleitet den Staat bis zu dessen Ende und ist ein Dauerbrenner wie die „Tagesschau“ im Westen. Schon etwas früher dagegen wird eine andere Sendung aus dem Programm genommen: „Der schwarze Kanal“ von Karl-Eduard von Schnitzler. Der oberste Fernseh-Propagandist der DDR muss in der Wendezeit nach fast 30 Jahren abdanken.

Mit dem „Kessel Buntes“ ist ab Anfang der Siebziger eine Samstagabendshow gefunden, viel Glitzer und Glamour, alle zwei Monate und meist aus Berlin. Mit Dagmar Frederic und Wolfgang Lippert schaffen es zwei „Kessel“-Moderatoren auch nach der deutschen Einheit auf die große Fernsehbühne.

Und es gibt andere Sendungen, die die Wende überstehen. Das „Sandmännchen“ gehört dazu, der „Polizeiruf 110“ natürlich, der sich sonntags mit dem „Tatort“ abwechselt. Ein großer Erfolg ist die Reihe „Der Staatsanwalt hat das Wort“, ebenso „Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser“, eine Spielshow für Schulklassen mit Gerhard „Adi“ Adolph am Sonntagmorgen.

Aus seiner „Rumpelkammer“ fördert Willi Schwabe alte Filmausschnitte zutage, und Kurt Drummer sorgt mit einer Kochsendung für Furore. „Der Fernsehkoch empfiehlt“, heißt sie, der Maître fährt 1974 mit der Nationalmannschaft der DDR auch zur Fußball-WM in die Bundesrepublik. Mehr als drei Jahrzehnte lang gibt es die „Flimmerstunde“, erst montags, dann am Samstagnachmittag. Kinder machen Mittagsschlaf, dann werden Waffeln gebacken, und man setzt sich in der guten Stube vor den Fernseher. Es gibt Märchenfilme wie „Das kalte Herz“ oder „Das singende klingende Bäumchen“, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ natürlich, der Klassiker, der auch im Westen zur Weihnachtszeit läuft.

Gojko Mitic wird als „Häuptling Tokei-ihto“ ein Star und Gunther Emmerlich mit „Showkolade“. Es ist Ende der Siebziger, als ein harmlos klingender Film für Aufsehen sorgt. „Sieben Sommersprossen“

heißt er und ist die Geschichte einer Teenagerliebe, bei der auch kleine Nacktszenen gezeigt werden. Eine der erfolgreichsten DefaProduktionen, mehr als eine Million Zuschauer sitzen am Fernseher.

OZ