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20 Jahre Kläranlage: Saubere Sache und ein großes Geschäft

Rostock 20 Jahre Kläranlage: Saubere Sache und ein großes Geschäft

82 Millionen Euro wurden um 1996 in das Bauwerk investiert / Hier wird Abwasser aus Rostock, zwölf anliegender Gemeinden, Industrien und Kreuzfahrtschiffen gereinigt

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Die Eurawassermitarbeiter Peter Hartwich (r.) und Andreas Schmidt stehen vor einem Belebungsbecken des Rostocker Klärwerks. Fotos (3) Ove Arscholl

Rostock. Es gibt Dinge, über die man im Alltag fast nie nachdenkt. Dazu gehören die Selbstverständlichkeiten, Trinkwasser aus dem Wasserhahn abzuzapfen und Abwasser abfließen zu lassen. „Wenn man die Taste auf der Toilette drückt, ist für viele das Thema erledigt. Unsere Arbeit fängt da quasi erst an“, sagt Eurawasser-Geschäftsführer Robert Ristow.

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82 Millionen Euro wurden um 1996 in das Bauwerk investiert / Hier wird Abwasser aus Rostock, zwölf anliegender Gemeinden, Industrien und Kreuzfahrtschiffen gereinigt

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Genau vor 20 Jahren hat das Unternehmen das Klärwerk gebaut. Bis heute betreibt es die Anlage. Eigentümer ist der Warnow- Wasser- und Abwasserverband (WWAV). „In Rostock gibt es seit 1996 eine der modernsten Kläranlagen Deutschlands“, sagt Ines Gündel, die Verbandsvorsteherin des WWAV. 82 Millionen Euro wurden in das Bauwerk investiert. Zwei Belebungsbecken, ein Nachklärbecken und eine Biofilter-Anlage sollen das Wasser optimal aufbereiten. „Wir befinden uns sehr nah an der Warnow, im Mündungsbereich der Ostsee, da gilt es, besonders sorgsam mit dem Abwasser umzugehen“, so Gündel.

„Seit Inbetriebnahme hat es keine nennenswerten Überschreitungen der Grenzwerte gegeben“, fügt Ristow hinzu. Die Belastung mit Schadstoffen, wie Phosphor oder Stickstoff, sei maßgeblich zurückgegangen. Regelmäßig würden Richtwerte unterboten.

Die zentrale Kläranlage nehme auch Abwasser von Industrie-Betrieben aus MV und von Schiffen entgegen. „Hier sind wir Vorreiter – ein Beispiel für andere Häfen, die jetzt nachziehen“, so Ristow. Denn die Annahme von Schmutzwasser sei bereits in den Liegeplatz-Preis der Kreuzfahrer einberechnet. „Rund 80 Schiffs-Anläufe in diesem Jahr bedeuten etwa 26000 Kubikmeter Abwasser, die garantiert nicht in der Ostsee landen“, betont der Eurawasser-Geschäftsführer.

Bevor das neue Klärwerk vor 20 Jahren die Arbeit aufnahm, wurde das Schmutzwasser noch mechanisch behandelt. „Es wurden nur Senk- und Schwebestoffe herausgefiltert“, erklärt Reinhard Lübker, der 40 Jahre Erfahrung in der Wasserwirtschaft gesammelt hat. Nun hat er über die Funktion und Geschichte der Rostocker Abwasserentsorgung das Buch „Alles fließt. Aber wohin“ geschrieben. „Die Erkenntnis, dass die mechanische Reinigung nicht ausreicht, hat man schon Ende der 1930er Jahre gemacht“, so Lübker. Die Stadt habe damals zu den Hauptbelastungsquellen der Ostsee gezählt.

Da in die Warnow nicht nur das Abwasser fließt, sondern aus ihr auch das Trinkwasser gewonnen wird, wurden in den 1980er Jahren Schutzzonen errichtet – rund 60 Dörfer mussten ihre Abwasser nun aufwendig zur Kläranlage nach Rostock leiten lassen. „Die Schutzzonen bedeuten eine erhebliche landwirtschaftliche und touristische Einschränkung“, beschreibt der Autor. Doch wer mit dem Trinkwasser und seiner Qualität spiele, der Spiele mit dem Leben der Anwohner. Lübker betont: „Durch die neue Kläranlage haben wir in Rostock das, wovon Umweltfreunde, Wasserwirtschaftler und letztendlich auch der Bürger geträumt hat.“ Ein Wasser, das eine gute Qualität habe, und ein Abwasser, das schadlos in die Umwelt gehe.

Für die Zukunft und im Hinblick auf die wohl steigenden Einwohnerzahlen sei man gut aufgestellt. „Die Anlage ist ein Meisterwerk und das System hat ausreichend innere Reserven“, so Lübker.

Heute Tag der offenen Tür

6 Monate dauerte das Genehmigungsverfahren für die Kläranlage. Sie wurde innerhalb von 18 Monaten gebaut und wurde 1996 übergeben. Das Buch „Alles fließt. Aber wohin?“ von Reinhard Lübker ist im Verlag Redieck & Schade erschienen. Für zehn Euro kann man es beim WWAV kaufen.

Eurawasser und WWAV veranstalten heute, 10 bis 16 Uhr, einen Tag der offenen Tür. In der Carl-Hopp-Straße 1. Hier gibt es eine Hüpfburg, eine Aussichtsplattform und es gibt Führungen durch die Anlage.

Johanna Hegermann

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