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Achtung Lärm: Wenn bei der Arbeit die Ohren klingeln

Rostock Achtung Lärm: Wenn bei der Arbeit die Ohren klingeln

Um Anfänger im Beruf vor dauerhaften Gesundheitsschäden zu schützen, hat die Berufsgenossenschaft Bau gestern einen Aktionstag beim Ausbilder „abc Bau“ veranstaltet

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Marleen-Theres Gieseking (20, Maurerlehrling) und Jonas Rost (20, Azubi bei Rost-Bau) werfen Pflastersteine in die Schaufel. Sascha Mucha von der BG Bau misst dazu etwa 100 Dezibel.

Rostock. Ein gehörfreundliches Arbeitsumfeld? Bei Straßenbauern, Fliesenlegern oder auch Kanalbauern so gut wie unmöglich. Ständig rattert der Presslufthammer, um harten Boden zu zerstören. Und selbst rund um eine Eigenheimbaustelle hallt der Hammer laut durch die Räume. Damit die Ohren am Ende des Arbeitstags nicht klingeln, sollen Mitarbeiter ihr Gehör schützen.

 

OZ-Bild

Vincent Rohde (Straßenbau-Azubi LUT Gadebusch) mit dem Stampfer, der beim Glätten 100 Dezibel Lärm erzeugt. Fotos (2): Claudia Tupeit

Quelle:

Ich schütze meine Ohren freiwillig, wenn ich bei der Arbeit auf dem Bau

mit lauten Maschinen zu tun habe oder hämmern muss. Sonst würde

es weh tun.“Jonas Rost (19), Azubi

„Lärm auf der Arbeit kann krank machen“, sagen Berufsgenossenschaften (BG), also diejenigen, die im Zweifel zahlen müssten, wenn ein Versicherter mit Hörschaden ausfällt. Thomas Jaek ist bei der BG Bau für Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Er hat gestern im Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft, abc Bau, im Fritz-Triddelfitzweg mit den jungen Leuten den Lärmtest gemacht. Auf Vincent Rohdes Ohren rasseln 100 Dezibel ein, wenn er mit dem Stampfer den sandigen Boden glättet. „Bei einer anderen Oberfläche wie etwa Kies, wäre es noch lauter“, sagt Jaek. Rohde ist überrascht. Der Straßenbau-Azubi vom Betrieb LUT Gadebusch hat sich nicht nur beim Aktionstag gestern Kapselgehörschützer aufgesetzt. „Die trage ich auch sonst bei der Arbeit.“

Muss er auch, betont Thomas Jaek. „Ab 80 Dezibel sind Arbeitgeber verpflichtet, Hörschutz anzubieten, ab 85 müssen Arbeitnehmer ihn nutzen.“ Sonst droht Dauerschaden, ohne dass Geld von der Versicherung fließt. Marco Krohn erschreckt die Aussage aber nicht. Der Ausbilder bei abc Bau bringt seinen Schützlingen vom ersten Tag an bei, ihren Körper und somit auch die Gesundheit zu schützen.

„Und da geht es in den betroffenen Berufen ja nicht nur ums Gehör“, sagt der 45-Jährige. Handschuhe werden benötigt und auch Schutzbrillen, um die Augen zum Beispiel beim Sägen vor Spänen oder beim Schweißen vor Funken zu schützen. „Und natürlich brauchen manche auch Helme“, fügt Krohn hinzu, der nach eigenen Angaben ein altersentsprechend gutes Gehör habe, „weil ich mich immer entsprechend geschützt habe“.

An der nächsten Station des Präventionstages werfen Marleen-Theres Gieseking und Jonas Rost mittelgroße Pflastersteine in eine Mulde. Sascha Mucha, bei der BG Bau in der Messabteilung beschäftigt, hält ein Messgerät dicht an den Aufprallort, um zu messen, mit wie viel Dezibel die Steine aufschlagen. Mit einem blechernen lauten Knall landen sie in einer großen Schaufel, die wie die eines Baggers ausschaut. Die umstehende Lehrlingen reagieren erstaunt: „Boah, wie laut!“ Das hätte auch Marleen-Theres Gieseking nicht für möglich gehalten, „dass das bloße Reinwerfen von Steine so einen Krach verursacht“. Die 20-Jährige macht eine Ausbildung zum Maurer im Betrieb ihres Vaters, MG Massivbau in Bützow. Sie konnte bereits an der Oberfinanzdirektion in Kiel mitarbeiten. Mörtel auftragen und Steine aufeinander legen mache natürlich keinen Krach, sagt sie. „Aber Steine werden ja auch zerschnitten.“

Mit einer Handkreissäge wird es auch für Jonas Rost sehr laut. Auch lernt bei seinem Vater, der mit Rost-Bau Häuser baut. „Da werde ich auch schon eingesetzt und trage die Schützer freiwillig“, sagt der 19-Jährige. Sonst täten ihm die Ohren weh.

Vor allem die Anfänger sind die Zielgruppe von Thomas Jaek. „Man muss sie früh sensibilisieren, damit sie von sich aus das Interesse entwickeln, ihre Ohren vor dem Lärm bei der Arbeit zu schützen.“

Die Grenzen des Erträglichen

85 Dezibel : Ab diesem Wert müssen Beschäftigte bei der Arbeit Schutzhörer tragen oder Stöpsel in die Ohren machen, um gesundheitliche Folgen durch

Hörschäden zu vermeiden.

100 Dezibel wirken durchschnittlich

auf das Publikum bei einem Rockkonzert, bei dem die Band live spielt. Auch Musik aus der Konserve, also zum Beispiel im Auto, kann zu laut aufgedreht schon Erträglichkeitsgrenzen von 85 Dezibel überschreiten.

50 Dezibel laut ist es, wenn man sich unterhält. Blätter rauschen mit zehn Dezibel am Ohr vorbei, ein Düsenflugzeug macht 130 Dezibel Krach. Dieser Wert gehört bereits zur Schmerzschwelle.

3500 Lehrlinge jährlich besucht Thomas Jaek von der BG Bau, um über Lärmschutz aufzuklären.

Claudia Tupeit

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