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Ärzte-Mangel bremst Retter aus

Rostock Ärzte-Mangel bremst Retter aus

Weil im Gesundheitsamt eine Stelle nicht besetzt ist, ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr in Gefahr / Ohne Attest dürfen die Helfer nicht ausrücken

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Freiwillige der Feuerwehr Gehlsdorf im Einsatz: Vor allem für die Träger der Atemschutzgeräte ist der Ärzte-Mangel im Amt ein Problem (Symbolbild).

Quelle: Foto: Stefan Tretropp

Rostock. Die Personalnot im Rostocker Gesundheitsamt – sie gefährdet jetzt akut die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren in der Hansestadt. Denn mehr und mehr Einsatzkräfte dürfen nicht bei Notfällen ausrücken, weil ihnen die nötigen Atteste fehlen. Betroffen sind sowohl die Berufs- als auch die Freiwilligen Feuerwehren. „Wenn wir jemanden bei einem Feuer auf die Leiter schicken, müssen wir auch sicher sein, dass er das kann“, sagt Thomas Ebeling, Wehrführer in Groß Klein. Er musste bereits „einige Kameraden“ für Wochen aus dem Dienst nehmen, weil ihre Atteste abgelaufen waren und im Amt kein Arzt Zeit für sie hat.

OZ-Bild

Weil im Gesundheitsamt eine Stelle nicht besetzt ist, ist die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr in Gefahr / Ohne Attest dürfen die Helfer nicht ausrücken

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221 Retter in den Wehren

5 Freiwillige Wehren gibt es derzeit in der Hansestadt. Neben der Wehr Gehlsdorf sind dies Rostocker Heide, Warnemünde, Stadtmitte und Groß Klein.

221 Retter sind nach Angaben der Stadt derzeit in den Wehren aktiv.

Retter dürfen nur mit Attest ausrücken

Hintergrund: „Alle Kräfte der Feuerwehren brauchen einen ärztlichen Nachweis, dass sie auch tauglich für den Einsatz sind“, erklärt Uwe Eberhardt, der Rostocker Stadtbrandmeister und Chef der Freiwilligen Wehren. Und je nach dem, welche Aufgabe ein Retter übernehmen soll, sind diese Anforderungen mehr oder weniger streng: „Bei den Tests müssen die Kameraden ihre Belastbarkeit auf einem Ergometer testen lassen. Es gibt aber auch Lungenfunktions- und Sehtests. Sogar das Blut wird untersucht“, ergänzt Ebeling. Die strengsten Anforderungen gelten für die Atemschutz-Geräteträger – jene Retter, die mit Schutzmaske und Sauerstoffflasche in brennende Häuser gehen, um zu löschen und Menschen zu retten. „Bis zum 50. Geburtstag müssen die Kameraden alle drei Jahre zum Test, danach alle zwei Jahre. Und wenn die Ärzte Zweifel haben, kann so eine Untersuchung auch jedes halbe Jahr anstehen“, sagt Ebeling.

300 Untersuchungen pro Jahr nötig

Nach Angaben des Brandschutz- und Rettungsamtes der Stadt müssen pro Jahr um die 300 Retter zum Arzt – 250 allein von der Berufsfeuerwehr. Bisher hatten die Einsatzkräfte eine feste Ansprechpartnerin im Gesundheitsamt. Doch die Ärztin fiel zunächst aus, geht nun in den Ruhestand. Und einen Nachfolger gibt es nicht. „Für uns ist das ein echtes Problem“, sagt der Groß

Kleiner Wehrführer Ebeling. Denn die Stadt schickt die Retter nun zu „freien Ärzten“: „Wir sind angehalten worden, uns Termine bei Arbeitsmedizinern in Rostock, in Güstrow oder sogar in Wismar zu holen. Doch die haben oft gar keine Termine mehr für uns frei.“ Schließlich geht es um 300 zusätzliche Termine in den Praxen. „Die haben ja so gut zu tun. Es ist ja nicht so, als würden die Arbeitsmediziner nur auf die Feuerwehren warten“, so Ebeling.

Einsatzkräfte fehlen oft wochenlang

Die Folge: „Wir müssen Retter aus dem Dienst nehmen, wenn ihr Attest abgelaufen ist und sie noch keinen Termin für eine neue Untersuchung bekommen haben.“ Auf Dauer sei das gefährlich: Denn schon jetzt sei die Personaldecke bei den Freiwilligen Feuerwehren dünn. Vor allem tagsüber, wenn viele Kameraden arbeiten. „Es kommt auf jeden einzelnen Kameraden im Einsatz an.“ Ebeling und auch Stadtbrandmeister Eberhardt fordern vom Rathaus, die Stelle im Gesundheitsamt schnellstmöglich neu zu besetzen: „Wir brauchen eine Lösung“, sagt der Stadtbrandmeister. Und Ebeling warnt: „Die Hälfte der 220 Aktiven in den Freiwilligen Feuerwehr ist auch Atemschutz-Träger. Die brauchen wir auch.“ Weitere Verzögerungen im Amt dürfe es nicht geben.

Rathaus: Neubesetzung erst im Herbst

Die Rostocker Stadtverwaltung räumt die Probleme im Gesundheitsamt ein. „Ja, die Untersuchungen der Retter waren tatsächlich mehrmals wegen Krankheit nicht abgesichert. Und wir können bestätigen, dass die zuständige Ärztin nun ein halbes Jahr eher als geplant vorzeitig in die Rente eintreten wird“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Das Hauptamt bemühe sich aber bereits, einen Nachfolger zu finden: „Die Stelle wurde bereits ausgeschrieben. Wir bemühen uns, sie bis zum Herbst wieder besetzen zu können.“ Doch das sei nicht so leicht: Denn die Jobs im Gesundheitsamt sind für viele Mediziner trotz der Aussicht auf Verbeamtung unattraktiv. In den Kliniken können Fachärzte nämlich bis zu 2000 Euro pro Monat mehr verdienen. „Dieses Problem gibt es in vielen deutschen Kommunen“, sagt Kunze. Rostock wolle neue Medizinern im Amt daher mit „Boni“ locken: „Wir bieten höchste Entgeltgruppe und Sonderzulagen.“

Dass sich die Einsatzkräfte derzeit an externe Ärzte wenden sollen, sei nur eine Zwischenlösung. Immerhin: „Die Kosten dafür trägt natürlich die Hansestadt.“ Das Rathaus will sich nun Hilfe vom einem Tochter-Unternehmen holen: „Wir prüfen eine Kooperation mit ,unserem’ Südstadt-Krankenhaus“, so der Stadtsprecher. So soll gewährleistet werden, dass die Wehren trotz des Personalmangels im Amt jederzeit ausreichend Retter einsetzen können.

Andreas Meyer

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