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Auf Geschichtsreise in Israel: Doberaner hilft im Krisenland

Bad Doberan Auf Geschichtsreise in Israel: Doberaner hilft im Krisenland

Willi Hameister geht für ein freiwilliges soziales Jahr nach Israel / 18-Jähriger betreut dort Holocaust-Überlebende und arbeitet in der Alfred Wiener Bibliothek

Bad Doberan. Willi Hameister begibt sich ab September auf Zeitreise. Der 18-Jährige geht für ein Jahr nach Israel. Dort absolviert der Abiturient aus Bad Doberan sein freiwilliges soziales Jahr, betreut Überlebende des Holocausts und archiviert Zeitzeugeninterviews von Überlebenden des Zweiten Weltkrieges und Gerichtsunterlagen von Naziprozessen. Für seinen Aufenthalt in dem Krisenland, der von der Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) unterstützt wird, sucht er noch Sponsoren.

 

OZ-Bild

Willi Hameister (18) fliegt im September nach Israel. Der Doberaner wird in Tel Aviv in einem Alten- und Seniorenpflegeheim und einer Bibliothek arbeiten und sich dabei mit den Folgen des Nationalsozialismus auseinandersetzen. Für Reisen durchs Land schaut er sich schon mal die Karte an.

Quelle: Anja Levien

Die Organisation fördert Projekte in Ländern, die im Zweiten Weltkrieg unter Deutschland leiden mussten, erklärt Willi Hameister. Sie wurde Ende der 50er Jahre von der Evangelischen Kirche gegründet, um Brücken zu bauen und den Wiederaufbau in diesen Ländern zu unterstützen. „Heute geht es auch um politische und geschichtliche Aufklärungsarbeit“, erklärt der Abiturient der Ecolea-Schule in Warnemünde, weshalb er sich für diese entschieden hat. „Dass ich nach Tel Aviv kann, ist das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Willi Hameister, denn für ihn hätte es auch nach Frankreich, Russland oder Norwegen gehen können.

Jetzt geht es ins Krisenland. Klar hätte seine Familie Bedenken geäußert. „Der letzte Gaza-Krieg war 2014. Da passiert ständig was“, sagt Hameister. „Vielleicht ist das jugendliche Leichtsinnigkeit, aber mir könnte überall was passieren.“ Und so reist er in die größte Stadt des Landes, um dort zum einen in der Alfred Wiener Bibliothek zu arbeiten. „Das ist eine Sammlung von Büchern, Zeitschriften und Literatur, die sich mit Antisemitismus, Ausgrenzung und Schoa beschäftigen“, sagt der Schüler. Letzteres würden Juden anstatt des Begriffs Holocaust verwenden, erklärt Hameister.

„Ich unterstütze die Archivarbeit. Alles wird jetzt digitalisiert.“ Von den Originaldokumenten könne er viel über die Geschichte des Judentums und der deutschen Geschichte lernen. Und nicht nur von denen.

Als zweites Projekt wird er in einem Alten- und Pflegewohnheim arbeiten, in dem zum großen Teil Schoa-Überlebende wohnen. „Im Umgang mit älteren Menschen kann man viel lernen, man erfährt die Dinge aus erster Hand“, freut sich Willi Hameister auf seine Aufgaben. „Für sie ist es ein Zeichen, dass sie von der deutschen Gesellschaft nicht vergessen worden sind“, sagt der 18-Jährige und möchte zur Aufklärung beitragen.

Für die Monate in Israel lernt er jetzt schon hebräisch, auch wenn er sich mit den Heimbewohnern auf Deutsch und Englisch verständigen kann. Dennoch gibt es zu Beginn seines Aufenthaltes noch einen Crashkurs. Ab September wird er mit zwei weiteren Deutschen, die am Programm teilnehmen, in einer WG wohnen. „Wir bekommen eine eingerichtete Wohnung, müssen unseren Lebensstandard aber zurückschrauben“, weiß er. Vor allem das Essen sei dort teuer. „Bedingt der Hitze werden wir viel Salat essen“, sagt Willi Hameister. „Und Eis.“ Das sei die einzige Abkühlung, die es in den zehn Sommermonaten mit bis zu 40 Grad Celsius gebe. Denn kaltes Wasser gebe es dort nicht.

Finanziert wird sein freiwilliges Jahr vom ASF über Fördergelder. Doch da ein Platz im Programm – von denen es 180 in 13 Ländern gibt – im Schnitt 1500 Euro im Monat kostet und die gemeinnützige Organisation nicht alles über Spenden aufbringen kann, müssen sich auch die Teilnehmer noch Sponsoren suchen. Willi Hameister fehlen noch fünf. Der Einsatz: 15 Euro im Monat.

In seinen Koffer wird Willi Hameister auf jeden Fall Fotos von Freunden und Familie packen. „Und elektronische Geräte wie Laptop und Kopfhörer mit I-Pod. Ohne Musik geht nichts.“ Wer weiß, vielleicht sind auf dem Rückflug ein paar israelische Musiker auf dem I-Pod gespeichert.

Sponsoren gesucht

Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienst setzt sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen auseinander. Die Organisation will für die heutigen Folgen dieser Gewaltgeschichte sensibilisieren und aktuellen Formen von Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten entgegentreten. ASF bietet langfristige zwölfmonatige internationale Friedensdienste für junge Männer und Frauen an. Wer Willi Hameister unterstützen möchte, kann sich per Mail bei ihm melden: willi.hameister@aol.com

• Internet: www.asf-ev.de

Anja Levien

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