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Bluttat in Kösterbeck: Angreifer zu sieben Jahren Haft verurteilt

Rostock Bluttat in Kösterbeck: Angreifer zu sieben Jahren Haft verurteilt

Der Angeklagte habe den Bauunternehmer töten wollen, so das Landgericht

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Jörg S. (46) hält vor der Urteilsverkündung ein Prospekt vor dem Gesicht, um nicht auf Fotos erkannt zu werden. FOTO: OVE ARSCHOLL

Rostock. Die Bluttat hat kurz vor Ostern das Dorf Kösterbeck erschüttert: Dort wurde in seinem Haus ein 59 Jahre alter Bauunternehmer niedergestochen. Kurz darauf wurde einer seiner Geschäftspartner, Jörg S. (48), festgenommen. Gestern nun hat das Landgericht Rostock S. wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann in Revision gehen. Sein Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe beantragt.

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Der Angeklagte habe den Bauunternehmer töten wollen, so das Landgericht

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Gericht dachte auch über lebenslange Haftstrafe nach

Das Landgericht hatte auch eine lebenslange Haftstrafe für Jörg S.

in Betracht gezogen. Denn Wut, Ärger und Rachegefühle seien durchaus niedere Beweggründe, die auf versuchten Mord deuten könnten, so der Richter. Doch weil der Angeklagte glaubte, ihm stehe seine Forderung zu, sei es bei versuchtem Totschlag geblieben.

Hintergrund der Messer-Attacke war laut Gericht ein Streit über offene Bezahlungen für Bauleistungen in Höhe von 100000 Euro. Um die Begleichung dieser Forderung sei es S. am Ende aber gar nicht mehr gegangen, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe sich in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht gefühlt. „Er war voller Wut und Rachegefühl. Er wollte töten.“

Das sah die Staatsanwaltschaft nicht ganz so: Sie ging davon aus, dass er den Tod billigend in Kauf genommen habe und forderte sechs Jahre Haft.

Obwohl ihm der Führerschein entzogen worden war, sei S. mit einem Auto nach Kösterbeck gefahren, schildert der Richter den Tathergang. Bewaffnet mit zwei Messern, 20 und 25 Zentimeter lang, habe er sich zum Haus des Bauunternehmers begeben. Dieser hatte aus Versehen den Schlüssel von draußen in der Haustür stecken lassen und habe gerade Eier gebraten, als S. in die Küche kam. „Du Schwein, jetzt hab’ ich dich“, soll der Angeklagte gesagt haben. Dann stach er zu. „Die Klinge steckte vier Zentimeter im Bauch. Der Angeklagte zog sie nicht heraus. Er setzte noch einmal nach“, so der Richter.

In Todesangst schleuderte der Bauunternehmer dem Angreifer Gläser und eine Vase entgegen. Seine Ehefrau saß geschockt daneben. Er floh aus dem Haus. S. rannte hinterher. Das Opfer kam zurück ins Haus und versuchte, mit seiner Frau die Tür zu zuhalten. Doch der Angreifer hatte einen Fuß dazwischen bekommen und stach durch den Spalt nach innen. Die Eheleute konnten die Tür nicht mehr halten.

„Danach versuchte der Angeklagte weiter auf sein Opfer einzustechen, in Richtung Hals, um endgültig zu töten“, sagt der Richter.

Dem Bauunternehmer gelang es, sich zu einem Nachbarn zu retten. Dieser verschloss die Tür, rief Polizei und Notarzt. Aus dem Bauch des Opfers traten bereits Innereien. „Die Verletzungen waren lebensgefährlich“, so der Richter. „Er hat bis heute Verdauungsprobleme und Sodbrennen.“ Zudem leide er unter den psychischen Folgen des Angriffs.

Der Angeklagte räumt die Tat ein, betont aber, dass er nicht töten wollte. Er bietet dem Nebenkläger an, als Entschädigung auf 20000 von 100000 Euro zu verzichten. Der Richter bezeichnet dies als „Farce“. „Es zeigt, dass Sie überhaupt nichts daraus gelernt haben“, sagte er gestern zum Angeklagten. Auch hätten Alkohol oder psychische Probleme, wie von der Verteidigung angeführt, bei der Tat keine Rolle gespielt. Es sei allein um Rache gegangen. „Sie haben sich hier als Opfer dargestellt, obwohl sie der Täter sind, das ist mehr als dreist.“ Sollte der Angeklagte nicht umdenken, werde er seine Haftstrafe bis zum letzten Tag verbüßen, so der Richter.

André Wornowski

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