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DDR-Musiker besuchen Ostrockmusem

Kröpelin DDR-Musiker besuchen Ostrockmusem

Renft und Engerling tauschen in Kröpelin mit Fans Erinnerungen aus / Neues Exponat für Ausstellung

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Engerling sind fast jedes Wochenende auf Tour (v.l.) : Heiner Witte, Manne Pokrandt, Hannes Schulze und Wolfram „Boddi“ Bodag. Fotos : Anja Levien

Kröpelin. Thomas „Monster“ Schoppe greift zum Telefon. „Ja, Hallo, Stasi?“ spricht der Sänger der DDR-Rockband Renft in die Muschel. Die Musiker waren am Sonnabend zu Gast im Ostrockmuseum in Kröpelin, schauten sich die Ausstellung „50 Jahre Renft“ an und tauschten mit Fans Konzerterinnerungen aus. Auch die Bluesband Engerling schaute vorbei und gab Autogramme. Am Freitag standen die Bands beim 21. Dorfrock in Schmadebeck auf der Bühne.

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Renft und Engerling tauschen in Kröpelin mit Fans Erinnerungen aus / Neues Exponat für Ausstellung

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Renft-Gitarrist Gisbert „Pitti“ Piatkowski entdeckt seinen alten Reisepass in der Vitrine. „Wir saßen am 9. November in Westberlin in einer Kneipe, tranken Bier“, erzählt Piatkowski. „Da guck’ ich aus dem Fenster und sehe einen Trabi, da habe ich mir erst mal nichts bei gedacht.“ Beim zweiten Bier habe er einen Trabi und einen Wartburg gesehen und Bandkollege Peter „Cäsar“ Gläser angeschaut.

Der habe gesagt: „Alles gut, du bist in Sicherheit.“ „Wir haben nicht gewusst, dass die Grenze offen war.“

Der Reisepass ist nicht das einzige Exponat der Renft-Bandgeschichte. An den Wänden hängen Poster, Plakate, Fotos und Instrumente, darunter das Saxofon von Peter „Pjotr“ Kschentz (1941 bis 2005) und die akustische Gitarre von „Monster“. Natürlich dürfen auch Bilder vom Bandgründer Klaus Renft (1942 bis 2006), der ursprünglich Jentzsch hieß und mit Renft den Geburtsnamen seiner Mutter als Künstlernamen angenommen hatte, nicht fehlen.

1958 hatte die Ostrockband ihre ersten Auftritte, wurden 1962 verboten. 1964 legte die Stasi unter den Namen „Wanderer“ eine Renft-Akte an. Zwar darf die Klaus Renft Combo 1967 wieder öffentlich auftreten und 1973 die erste LP rausbringen, doch bereits im September 1975 erfolgte das endgültige Verbot, da war die dritte Platte schon in Planung. „Es ist anzunehmen, dass sie erfolgreich geworden wäre“, sagt Thomas „Monster“ Schoppe.

Spielverbote sind auch den Musikern von Engerling nicht fremd. „Es gab immer eine Zeit, in der die Musik verboten war, meist auch regional“, erzählt Engerling-Keyboarder Wolfram „Boddi“ Bodag. „Wir haben uns dann einen anderen Namen gegeben und weitergespielt.“

Beim Dorfrock in Schmadebeck waren sie zum ersten Mal dabei. „Es hat Spaß gemacht“, sagt Gitarrist Heiner Witte. Sich im Ostrockmuseum umzusehen, sei für ihn wie ein Familientreffen. „Es war eine andere Zeit, aber auch eine schöne.“ Wolfram Bodag schaut zu den Tonbandgeräten. „Ich saß früher in den 60er Jahren vorm Radio, habe zugehört, versucht die Noten mitzuschreiben und habe die dann nachgespielt“, erzählt der Keyboarder.

Frank-Olaf Schneider hört zu. Der Kröpeliner war am Freitag auch auf dem Dorfrock. „Ich bin ein Fan der alten deutschen Ostrockmusik“, sagt er. In Weimar aufgewachsen, hätten dort viele Konzerte stattgefunden. Und wenn beim Dorfrock Bands spielen, die er kenne, dann gehe er hin. „So viele gibt es ja nicht mehr.“ Renft ist Wiederholungstäter beim Dorfrock. „2005 war in Schmadebeck das letzte Konzert von ,Kuno’ und das erste von ,Monster’“, erinnert sich Rüdiger Kropp, Vorsitzender von Schmadebecks Land-Projekt-Gemeinschaft „Hügelland“ (L.P.G.), die das Dorfrock organisiert. „,Kuno’

wollte gar nicht von der Bühne runter.“ Stolz zeigt Kuratoriumsmitglied Rüdiger Kropp den Bands das Museum. Die zeigen sich beeindruckt und verewigen sich an der „Gästemauer“ und auf Plakaten und Eintrittskarten, die die Fans ihnen hinhalten. Darunter auch Gunnar Grätz, der seit 1971 Autogramme sammelt. Jetzt kommt in seine Sammlung ein weiteres von Engerling dazu. Die Band unterschreibt und übergibt Rüdiger Kropp noch ein Exponat für die Ausstellung. Eine Urkunde von den 17. Arbeitsfestspielen am 27. Februar 1978, mit der das „Tanzorchester ,Engerling’ mit dem Titel ,Hervorragendes Amateur-Tanzorchester der DDR’“ ausgezeichnet wurde.

Eröffnung vor einem Jahr

Das Ostrockmuseum in Kröpelin wurde im Juli vor einem Jahr eröffnet. Nach der Ausstellung zu 40 Jahre Karat ist nun bis Ende des Jahres der Ostrockband Renft ein Raum gewidmet. Das Museum, Hauptstraße 5, hat vormittags montags bis freitags außer mittwochs von 9 bis 12 Uhr geöffnet, am Montag, Mittwoch und Donnerstag von 13.30 bis 17 Uhr, dienstags bis 18 Uhr und freitags bis 16 Uhr.

Anja Levien

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