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Das Baby-Fenster bleibt offen: Für den Notfall ist gesorgt

Rostock Das Baby-Fenster bleibt offen: Für den Notfall ist gesorgt

Nur selten werden Hilfsangebote für werdende Mütter in einer Notsituation im Klinikum Südstadt in Anspruch genommen / Als Auffangnetz bleiben sie aktiv

Rostock. Wann das Baby-Fenster zum letzten Mal verwendet wurde, daran kann man sich im Klinikum Südstadt kaum noch erinnern. „Das ist schon eine Weile her, aber es ist genutzt worden“, bestätigt Kliniksprecher Birger Birkholz. Zahlen möchte er nicht nennen. Seit es vor rund zehn Jahren neben dem Eingang der Poliklinik eingerichtet wurde, sei das nur selten – im einstelligen Bereich – passiert.

„Zum Glück scheinen die Hilfsmechanismen für werdende Mütter in Rostock zu funktionieren“, sagt Birkholz. Das Fenster werde kritisiert, weil man dem Kind damit den Nachweis auf seine Herkunft nehmen könnte, erklärt die ärztliche Leiterin des Kreißsaals, Kerstin Hagen. Eine Überlegung, die umstrittene Klappe abzuschaffen, gebe es jedoch nicht. „Wenn wir auch nur ein Kind damit retten, dann ist es die richtige Entscheidung, es offen zu halten“, betont die Oberärztin.

Damit im Notfall alles funktioniert, wird das Fenster, in dem sich ein beheizter Brutkasten befindet, etwa einmal im Monat gewartet. Wenn jemand die Klappe öffnet, wird ein stiller Alarm ausgelöst.

Die Frühgeborenen-Station bekommt Bescheid, damit das Neugeborene schnell versorgt werden kann. Täglich wird bei einem Kontrollgang in das Bettchen geguckt. „Wir werten es als positiv, dass das Fenster so selten genutzt wird. Vielleicht ist das ein Zeichen, dass es werdenden Familien in der Stadt gut geht“, schätzt die 50-Jährige.

Denn nicht nur das Fenster auch die vertrauliche oder die anonyme Geburt bleiben die Ausnahme. „In den vergangenen zehn Jahren hat es etwa vier oder fünf anonyme Geburten bei uns gegeben“, sagt die Oberärztin. In solchen Fällen entbindet eine Schwangere ohne Informationen von sich preiszugeben.

Im Gegensatz zur vertraulichen Geburt. Hier geben die Frauen einmalig ihre Daten an, die dann zunächst verschlossen bleiben. Das Kind kann ab dem 16. Lebensjahr nach diesen Informationen fragen.

„Seitdem die Möglichkeit vor rund zwei Jahren gesetzlich verabschiedet wurde, hat noch keine Rostockerin darauf zurückgegriffen“, erklärt Kerstin Hagen. Es sei damals in der Stadt jedoch ein strukturiertes Hilfsnetz eingerichtet worden. „Alle Verantwortlichen, wie unter anderem DRK und Jugendamt, wissen Bescheid, wenn der Fall eintreffen sollte“, so Hagen.

Die Frauen würden dabei durch die ärztliche Betreuung das Risiko für sich selbst und auch für das Neugeborene mindern. „Die Gesundheit von Mutter und Kind steht unter dem höchsten Schutz“, betont die ärztliche Leiterin des Kreißsaals. Mit solchen Hilfsangeboten von der vertraulichen Geburt bis zum Baby-Fenster wolle man Frauen den Weg aus einer Notsituation erleichtern. Wie diese Situationen allerdings aussehen, sei ganz unterschiedlich. „Ich denke, die wenigsten sind Opfer von Vergewaltigungen oder Inzest. Meist sind es alltägliche Probleme“, vermutet Hagen. Daher sei auch ein Ziel, werdenden Müttern die Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Damit sie sich mit ihrer Entscheidung gründlich auseinandersetzen – und vielleicht das Kind doch behalten.

Da es gerade bei dem Baby-Fenster nicht die Möglichkeit gebe, mit der Mutter ins Gespräch zu kommen, befindet sich in dem kleinen Bettchen ein Brief. „Hier steht auch, wie sie im Nachhinein mit uns Kontakt aufnehmen kann“, sagt Kliniksprecher Birkholz.

Informationen zur vertraulichen Geburt unter ☎ 0800 / 4 04 00 20 oder unter www.geburt-vertraulich.de

Johanna Hegermann

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