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Demo auf 250 Rädern: Rostocker kämpfen für mehr Rücksicht

Stadtmitte/Südstadt Demo auf 250 Rädern: Rostocker kämpfen für mehr Rücksicht

Sie wollen anonym bleiben und dennoch auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam machen: Einmal im Monat veranstalten Radler in der Hansestadt eine rollende Protestaktion.

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Mehr als 250 Radfahrer hatten sich an der Aktion „The critical mass“ (zu deutsch: die kritische Masse) beteiligt.

Quelle: Fotos: André Axmann

Stadtmitte. Die Aktion nennt sich „The Critical Mass“ — zu deutsch: die kritische Masse. Und dass sie genau das sind, wollen die Macher damit unter Beweis stellen: Mehr als 250 Radfahrer haben in Rostock ein deutliches Zeichen für mehr Rücksichtnahme und Verständnis im Verkehr geworben. Die Botschaft: Radfahrer sind auf den Straßen der Hansestadt längst keine Randerscheinung mehr. Sie sind ein wichtiger Teil des Verkehrs — und wollen auch so behandelt werden.

Seit Ende 2012 treffen sich daher jeden letzten Freitag im Monat um genau 18 Uhr engagierte Radler zu einer ungewöhnlichen Kundgebung: In großen Gruppen fahren sie dann quer durch Rostock. „Es gibt keine Organisatoren oder Verantwortliche. Daher sind letztlich alle für sich selbst verantwortlich“, heißt es dazu auf der Internet-Seite der Rostocker Gruppe. Auch Ansprechpartner gibt es nicht. Die Männer und Frauen im Hintergrund bleiben lieber anonym. In erste Linie gehe es darum, den Autofahrer zu zeigen, dass auch die schwächeren und langsameren Verkehrsteilnehmer Rechte haben:

„Fahrradfahrer fahren unter Einhaltung aller Verkehrsregeln gemeinsam durch die Stadt, zeigen Präsenz und erinnern daran, dass die StVO viel muskelkraftfreundlicher ist, als die meisten motorisierten Verkehrsteilnehmer glauben.“

Die Bewegung, die mittlerweile in vielen Städten weltweit Aktionen startet und erstmals im September 1992 in San Francisco (USA) mit ihren Rädern auf die Straße ging, wächst — auch in Rostock: Fast 250 große und kleine Fahrradfahrer waren etwa zwei Stunden knapp 30 Kilometer und gut gelaunt unterwegs. Teilnehmer der ersten Stunden sagen, dass es noch nie so viele waren. Vor dem Rathaus startete die Kolonne zu einer kleinen Rundfahrt durch die Hansestadt, welche nicht nur durch das Stadtzentrum führte, sondern auch durch die KTV, Südstadt, Reutershagen sowie das Hansaviertel. Nur selten mussten sich die Radler über Auto- oder Busfahrer ärgern — weil die Fahrzeuge zum Beispiel überholten und sich in die ZweiradKolonne drängeln wollten. Genau das ist aber verboten. Im Gesetz heißt es dazu wörtlich: „Mehr als 15 Radfahrer dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren.“ Die Radler müssen nur dann Lücken für Autos lassen, wenn ihre Kolonne zu lang ist. Am Freitag erreichte der radelnde Tross immerhin eine Länge von 500 Metern.

Ein Teilnehmer schildert seine Erfahrungen so: „Vor allem Berufskraftfahrer — Taxi- oder Busfahrer — tun sich schwer damit, auf große Radler-Gruppen Rücksicht zu nehmen.“ Die „normalen“ Autofahrer reagierten nur selten genervt, wenn sie mal ein kurze Pause zugunsten der „Critical Mass“ einlegen mussten. Mit ihren scheinbar spontanen Demos — stets begleitet von der Polizei — wollen die Radler auch die Politik auf Problemstellen für Zweirad-Fahrer aufmerksam machen. „Es gibt in Rostock immer mehr Menschen, die vom Auto auf das Rad umstiegen. Die Masse wächst. Deshalb muss die Stadt auch das Radwegenetz den steigenden Zahlen und Bedürfnissen anpassen“, formuliert ein Radler die Forderung einer ganzen Bewegung.

 



André Axmann

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