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Die schmerzhafte Trennung vom Tattoo

Rostock Die schmerzhafte Trennung vom Tattoo

Katrin Kristens entfernt in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt Körperkunst – einstige Modeerscheinungen und Namen von Ex-Partnern

Rostock. Nach dem Schmerz ist vor dem Schmerz: Nach dem ersten Tattoo folgt häufig schnell das nächste. Viele Träger reden von einer Sucht. Aber was, wenn ihnen die einstige Verzierung für die Ewigkeit nicht mehr gefällt? Dann kommen sie als Kunden zu Katrin Kristens (37) – häufig völlig verzweifelt. Sie lasert die Körperkunst weg. Ganz schmerzfrei ist auch das nicht.

Dass sich Katrin Kristens eines Tages einmal selbstständig machen würde, hätte sie nicht gedacht, erzählt sie. Bereut habe sie es bisher nicht. Sie selbst habe sich vor einiger Zeit ein Tattoo entfernen lassen wollen, fand aber zunächst keinen Spezialisten. Nachdem einer zweifelhaften Behandlung beschloss Katrin Kristens, ihren Job als Bestatterin aufzugeben und in Köln auf eine Akademie zu gehen, um nach einer Ausbildung zur Lasertherapeutin selbst Menschen helfen zu können, die sich von einem Tattoo trennen wollen – oder müssen.

„Viele meiner Kunden sind völlig verzweifelt“, sagt sie. Häufig müsse sie Namen von Ex-Partnern entfernen. Manchmal ist das Motiv einfach aus der Mode gekommen oder die Folge einer Wette im Vollrausch. Erst seit etwas mehr als zwei Monaten betreibt Katrin Kristens ihr „Tattoo Free“ in der KTV und schon jetzt zeigt sich: In dem Job sieht man viel und hört viele Geschichten: Traurige Trennungen, Beamte, die ihr Tattoo nicht tragen dürfen, oder politische Symbole, hinter denen Menschen nicht mehr stehen. Auffällig sei, dass heute viele 30- bis 40-Jährige zu ihr kämen. „Da sind all die ,Tribals' und Teufelchen“, sagt die junge Unternehmerin und grinst – früher waren sie Mode, heute sind sie ihnen peinlich.

Generell sind Tattoos jedoch weiter angesagt: Sie würden heute „wesentlich mehr nachgefragt“, sagt Mirco Wiechoczek, Inhaber vom Tattoostudio „Blood and Pain“. Für Jan Kufferath von „Tattooart Rostock“ hat das einen Grund: „Sie sind gesellschaftsfähiger geworden.“ Der Trend gehe zu immer größeren Motiven. „Und jeder will eines haben“, sagt Wiechoczek.

Mit Schutzbrille und unter strengen hygienischen Bedingungen geht Katrin Kristens im hinteren Teil ihres Studios ans Lasern. Punkt für Punkt zeichnet sie das Tattoo nach. Nach jeder Sitzung ist es etwas blasser.

Zuvor findet ein ausführliches Beratungsgespräch statt. „Geht das beim erstem Mal schon weg?“ würden viele Kunden fragen. Sechs bis acht Behandlungen sind nötig, bis ein Tattoo verschwunden ist. Zwischen den Sitzungen liegen vier bis sechs Wochen. Alles richtet sich danach, wie groß das Tattoo ist, wie und mit welcher Farbe es gestochen wurde. „Früher hatten sie sogar Schuhsohle in der Farbe“, erzählt sie. „Tätowierer haben sich ihre Farbe selbst zusammengekocht.“ In solchen Fällen wartet viel Arbeit auf die Lasertherapeutin. „Der Laser dringt in die Haut ein und sprengt die Farbpartikel“, beschreibt Kristens, was während der Behandlung passiert.

Mit einem Pedal löst sie den Strahl aus, der hell an der Spitze der Pistole blitzt. Stärke, Durchmesser und Dauer des Auslösens kann sie einstellen. „Das fühlt sie in etwa so an, als würde man mit einem Gummiband auf die Haut schnipsen“, sagt sie. „Die gleiche Tortur wie beim Tattoo.“ Und hinterher? Meistens etwas geschwollen und „ein bisschen wie Sonnenbrand“. Mit dem Eingriff haben die Kunden über die Sitzungen hinaus zu tun: Die Stelle muss vor Sonne und Hitze geschützt werden, viel cremen – das sei besonders wichtig –, nicht kratzen. Und das noch mindestens ein halbes Jahr nach der Behandlung. „Mögliche Risiken können je nach Größe der Tätowierung, Pigmentkonzentration, Körperstelle, Bestrahlungsdosis sowie der verwendeten Wellenlänge des Lasers unterschiedlich sein“, heißt es vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR). „Es bestehen gesundheitliche Risiken wie Narbenbildung und allergische Reaktionen“, so das BfR.

Für viele Kunden ist die Behandlung von Katrin Kristens die letzte Hoffnung. Wird sie in zehn Jahren noch Tattoos wie das „Arschgeweih“ beseitigen müssen? „Heutige Tattoos sind ja echte Kunstwerke – ich glaube nicht“, sagt sie.

Philip Schülermann

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