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Doberaner sind genervt: Rehe zerfressen Blumen und Gemüse

Bad Doberan Doberaner sind genervt: Rehe zerfressen Blumen und Gemüse

Alle Jahre wieder fallen Pflanzen auf Hasen- und Fuchsberg dem Wild zum Opfer / Anwohner mahnen „tierliebe“ Nachbarn zur Einsicht / Forst sieht wenig Möglichkeiten

Bad Doberan. Angefressene Tulpen, Stiefmütterchen und Krokusse, zertrampelte Beete — vielen Bewohnern am Hasenberg in Doberan wurde die Vorfreude auf erste Frühlingsboten gründlich verdorben. Wieder einmal. „Auch in diesem Jahr hat Familie Reh durch Spaziergänge in den Vorgärten die ersten Blühversuche unterbrochen“, klagt etwa Anwohnerin Gerda Nebauer.

„Aktuell besteht diese Familie aus mindestens sechs fresslustigen Tieren.“

Alle Versuche, die eigenen Bohnen und anderes Gemüse zu ernten, würden seit Jahren fehlschlagen, erklärt Nebauer: „Auch meine Gartennachbarn würden sich gern an der vollen Blüte von Rosen und anderen Sommer- oder Frühjahrsblühern erfreuen — keine Chance.“ Seit Jahren gebe es auf dem Hasenberg, aber auch auf dem Fuchsberg ein massives Reh-Problem, so die Doberanerin: „Es wurden Netze gespannt, Lappen in stinkiges Reh-Abwehrmittel Arbin getaucht und inzwischen auch Lattenzäune gebaut — all das kostet viel Zeit, Hunderte Euro für die Abwehrmittel und die Anschaffung der danach vernichteten Pflanzen und auch Nerven, wenn man nicht erfolgreich war.“ Bis dato sei sie immer die „Verliererin“ gewesen, sagt Gerda Nebauer: „Die Tiere werden sogar immer frecher und bauen ihr ,Jagdgebiet‘ weiter aus.“

Am Einfachsten sei es, die Rehe auch mit Jägers Hilfe aus diesem Gebiet zu vertreiben, meint Nebauer und schüttelt mit dem Kopf: „Das Problem ist bei der Stadt- und Kreisverwaltung bekannt, ebenso ist das Forstamt informiert.“ Doch niemand fühle sich zuständig, und die Antwort laute immer: „In Wohngebieten darf nicht geschossen werden.“

Die Forst sei für diese Fragen nicht wirklich der richtige Ansprechpartner, erklärt Doberans Forstamtsleiter Hartmut Pencz: „Es handelt sich hier um einen befriedeten Bezirk, auf dem die Jagdausübung ruht und nicht ohne weitere Erlaubnis vorgenommen werden darf.“ Ausnahmen seien jedoch immer möglich, so Pencz: „Diese Ausnahmen müsste aber die Untere Jagdbehörde erteilen — wie zum Beispiel kürzlich in Berlin, wo man Wildschwein-Horden aus Wohngebieten vertreiben wollte.“

Darüber hinaus gebe es einige Möglichkeiten, um die Rehe zu „verunsichern“, sagt Pencz: „Ausgekämmte Hundehaare könnten etwa abschrecken, oder auch Flatterbänder — doch oftmals lassen sich die Tiere nicht davon vertreiben.“

Kein Wunder, meint Gerda Nebauer: „Es gibt bei uns im Holunderweg auch Nachbarn, deren Tierliebe offenbar grenzenlos ist.“ Mit klappernden Eimern würden sie die Rehe regelmäßig anlocken und füttern.

„Deshalb laufen die Tiere in diesem Jahr, wenn ich sie aus dem Garten verscheuchen will, nicht mehr weg, sondern kommen sogar auf mich zu“, ist Nebauer überzeugt. „So kann ich täglich gegen 17 Uhr Rehbesuch garantieren.“

Und auch, wenn das Füttern von Wild möglicherweise nicht verboten sei: „Ich kann das Verhalten dieser Menschen nicht verstehen.“ Denn alle Anwohner sollten sich darin einig sein, dass diese Tiere in einem Wohngebiet nichts zu suchen hätten, und nicht noch eine Willkommenskultur pflegen, stellt Gerda Nebauer klar: „Füttern ist wirklich das Allerletzte, was man machen sollte. Die Tiere sollten betäubt und im Wald ausgesetzt werden. Dort gehören sie nämlich hin.“ Sonst sei in den kommenden Jahren noch mit einem weiteren Anwachsen der Rehfamilie zu rechnen.

Damit am Ende „nicht immer wieder die Rehe gewinnen“, baut Gerda Nebauer jetzt um ihr Grundstück einen meterhohen Wildzaun. „Auf den Vorgarten kann ich das aber nicht ausdehnen — wie würde das denn aussehen?“ Verlierer sind dann wohl wieder die jungen Rosen-Pflanzen . . .

Von Lennart Plottke

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