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Dorfcharakter contra Chance: Diskussion über Hochhaus-Pläne

Börgerende Dorfcharakter contra Chance: Diskussion über Hochhaus-Pläne

Die erste Bürgerinformationsveranstaltung zu dem geplanten 67-Meter-Haus in Börgerende verläuft sachlich / Vor allem die Verkehrsbelastung für den Ort wird kritisiert

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Wir sind beim Stand Null. Es gibt eine Idee, mehr ist das nicht. Wenn Bedarf ist, werden mehr als vier Veranstaltungen stattfinden.“Horst Hagemeister, Bürgermeister

Börgerende. Der dörfliche Charakter gehe verloren, die Straße halte die jetzige Verkehrsbelastung schon nicht aus, zu viel Raum verschenkt für nur 50 Arbeitsplätze: Das sind die wesentlichen Kritikpunkte, die gestern auf der ersten Bürgerinformationsveranstaltung zum geplanten „Haus der Energien“ in Börgerende von Investor Carlo Schmidt genannt wurden. Doch auch Befürworter des Projektes, das ein 67-Meter-Haus in Strandnähe vorsieht, meldeten sich zu Wort. Sie sehen in dem Vorhaben Entwicklungschancen für den Ort und mehr Angebote für das öffentliche Leben.

 

OZ-Bild

So könnte das neue Forschungsinstitut in Börgerende aussehen.

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Carlo Schmidt lebt mit seiner Familie in Börgerende, hat hier unter anderem Reitcamp und Ferienpark gebaut, ist nicht nur mit seiner Firma Wind-Projekt ansässig. Viele Rethwischer und Börgerender kennen den Investor, der die Vision hat, in Börgerende ein „modernes, grünes Technologiezentrum“ zu bauen. Die Diskussion der etwa 100 Anwesenden im Rethwischer Wassertank bleibt sachlich.

In dem 67 Meter hohem „Haus der Energien“ soll ein Forschungsinstitut für Erneuerbare Energien, eine Wetterwarte, Wohnungen für Mitarbeiter, Schulungsräume, Gastronomie, ein Sportbereich und eine Ausstellungsfläche untergebracht werden. Von Hochhaus mag der Investor jedoch nicht sprechen. „Ich baue kein Hochhaus. Ein Hochhaus steht in Groß Klein. Ich baue ein grünes Technologiezentrum in moderner, attraktiver Architektur“, sagt Carlo Schmidt. Forschung, Arbeit, Leben und Erholen würden mit dem Projekt verbunden. Der Standort Börgerende sei attraktiv, würde im Wettbewerb um Mitarbeiter punkten. Dennoch: Immer wieder wird die Höhe kritisiert. „Ich bin absolut dagegen. Ich bin 2005 hierher gezogen, weil ich aufs Dorf wollte, hierhin, wo der Blick ungestört ist“, sagt Olaf Danneberg. „Viele Urlauber sind wegen des dörflichen Charakters hier. So ein Hochhaus ist nicht zuträglich für den Tourismus“, ergänzt Kornelia Danneberg. Das Ehepaar steht mit dieser Meinung nicht allein. Das Haus präge nicht die Silhouette des Ortes, erwidert Carlo Schmidt und hat Perspektiven von verschiedenen Orten mitgebracht, wie es aus der Ferne wirkt. Unterstützung bekommt er von Kathrin Sievert-Küchenmeister. „Der dörfliche Charakter ist schon lange hin“, erwidert die Ortsansässige. „Und keiner guckt den ganzen Tag auf ein Hochhaus“, sagt sie. „Jeder schreit im Dorf, hier ist nichts los. Jetzt haben wir die Chance, dass hier Aktivität möglich ist“, sagt Marion Reimer in Bezug auf die vorgesehenen sportlichen Möglichkeiten und die Ausstellungsräume zum Thema Energie.

Für Hannelore Genske sollte das Angebot für die Öffentlichkeit im Mittelpunkt stehen. „Die Bauart ist eine tolle Sache und könnte ein ,See(h)zeichen’ so wie das Neptun in Warnemünde werden“, sagt die Rethwischerin. „Aber für wissenschaftliche Zwecke findet sich irgendwo anders etwas. Ich würde es gut finden, wenn für die Bevölkerung gebaut wird“, sagt die 70-Jährige und wenn, dann nur mit einer Umgehungsstraße, die zum Hochhaus hinführe.

Der Verkehr ist ein Grund, warum die Bürgerinitiative „67 Meter-Nein“ gegen das Vorhaben ist. „Es gäbe erhebliche verkehrstechnische Veränderungen. Wir wollen den sanften Tourismus aufrechterhalten“, sagt Dr. Lutz Baumbach von der Bürgerinitiative, die eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren startete. Das Haus soll über den Driftweg und eine neue Straße erschlossen werden. Doch die Seestraße, die nach Börgerende führt, ist schmal, im Sommer ausgelastet und wird immer mehr beschädigt. „Es ist Aufgabe der Gemeindevertretung, die Straße in Ordnung zu bringen“, so Gemeindevertreter Klaus Bergmann.

„Hier kann etwas von internationaler Bedeutung geschaffen werden“, sagt Andreas Herrmann von der Unterstützergruppe „PRO Börgerende-Rethwisch“. Und die Gemeinde könne profitieren, zum Beispiel schnelles Internet über entsprechende Technik auf dem Dach des Hochhauses erhalten. „Für mich zählt das gemeindliche Interesse“, sagt Bürgermeister Horst Hagemeister. In weiteren drei Veranstaltungen können sich die Bürger informieren. „Wenn Bedarf ist, werden weitere Veranstaltungen stattfinden.“ Danach entscheidet die Gemeindevertretung über die Aufstellung eines B-Planes, der für das Projekt notwendig ist.

• Video auf www.ostsee-zeitung.de

Haus für Energien

67 Meter hoch soll das neue „Haus der Energien“ in Börgerende hoch werden. 18 Stockwerke würden dann 120 Meter vom Deich entfernt in den Himmel ragen.

In dem Hochhaus soll ein Forschungsinstitut für Erneuerbare Energien, Wohnungen für Mitarbeiter, Restaurant, Fitnessbereich und ein kleines Hotel für Tagungsteilnehmer und Fachpersonal Platz finden. Investor ist Carlo Schmidt, Geschäftsführer der ortsansässigen Wind-Projekt GmbH. Schmidt baute und betreibt im Ort unter anderem das Reitcamp und sponsorte die Minigolf-

anlage.

Anja Levien

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