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Dysphagie: Wenn Schlucken zur Gefahr wird

Rostock Dysphagie: Wenn Schlucken zur Gefahr wird

Rostocker forschen zu Schluckstörungen / Vor allem Pflegebedürftige betroffen

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Steffen Scholz zeigt anhand einer plastischen Darstellung, wie der Schluckvorgang funktioniert.

Quelle: Foto: Johanna Hegermann

Rostock. Es ist eines der natürlichsten Dinge im Leben: Das Schlucken. Ein lebensnotwendiger Reflex, der seit der Geburt dafür sorgt, dass man seinen Organismus mit Nahrung und Flüssigkeit versorgt. Doch, dass dies auch funktioniert, ist nicht selbstverständlich. „Es gibt Menschen mit Schluckstörungen. Das kann lebensgefährlich sein“, erzählt der Lehr- und Forschungslogopäde Steffen Scholz von der europäischen Fachhochschule in Rostock.

„Wenn man ,Logopädie’ hört, denkt man ans Lispeln oder Stottern, doch meist nicht ans Schlucken“, sagt der 34-Jährige. Doch auch die sogenannte „Dysphagie“, also die Schluckstörung, sei ein wichtiges Thema. Doch unter anderem auch die Medizin, Ernährungswissenschaft und Ergotherapie würden sich damit auseinandersetzen.

Forschung

„Das Forschungsgebiet der Schluckstörung ist noch sehr jung und es gibt großen Forschungsbedarf“, sagt Scholz. In der Europäischen Fachhochschule in Rostock will er diese weiter voranbringen.

„Zuletzt haben wir die Akzeptanz von angedickten Flüssigkeiten untersucht.“ Die Ergebnisse wolle er demnächst veröffentlichen.

Das Dysphagie Netzwerk Nord will hingegen am 25. Februar in Rostock ein Symposium zum Thema „Schluckstörungen bei Parkinson“ veranstalten. „Wir organisieren etwa alle eineinhalb Jahre so ein Treffen“, erklärt die Ernährungswissenschaftlerin Nadine Manthei. „Das Angebot richtet sich an Logopäden, Ergotherapeuten, Ärzte und Pflegepersonal.“

Doch auch der europäische Tag der Logopädie hat am 6. März das Thema „Schlucken – lebenswichtig und nicht immer selbstverständlich“ im Visier. Dann können Patienten und Angehörige bei einer Expertenhotline ihre Fragen stellen.

Kehlkopf und Kehldeckel

Doch wie funktioniert das Schlucken eigentlich? „Die wichtigste Struktur dafür ist der Kehlkopf“, erklärt Steffen Scholz. Hier entstehe auch die Stimme. Hauptsächlich sei der Kehlkopf jedoch eine Schleuse zwischen Luft- und Speiseweg. „Der sogenannte Kehldeckel verschließt beim Schlucken die Luftröhre und formt mit der Speiseröhre einen Trichter“, beschreibt es der Experte.

Beim Schlucken werde der Atem schließlich angehalten und das Essen oder Trinken mithilfe der Zunge sicher in die Speiseröhre geleitet. Zumindest, wenn man gesund ist.

Symptome der Störung

Eine Schluckstörung könne man hören. „Die Stimme dieser Menschen klingt brodelig“, beschreibt der Rostocker. Erst wenn man aufhuste, würde der kehlige Klang nachlassen. Dysphagie erkenne man aber vor allem am häufigen Verschlucken. „Wenn der Hustenreflex zu spät oder gar nicht ausgelöst wird, kann es richtig gefährlich werden“, warnt Scholz. Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel könnten auf diese Weise in die Luftröhre oder sogar in die Lunge gelangen.

Das Gefährliche: „In der Lunge können Lebensmittel und Fremdkörper nicht abgebaut werden.“ Ein gefundenes Fressen für Bakterien. „Das kann schnell zu einer Lungenentzündung führen“, erklärt der Experte. Wenn der Arzt dann nur die Symptome mit Antibiotika behandelt, ohne die eigentliche Ursache zu finden, ist die nächste Lungenentzündung nicht weit. Und gerade ältere Leute können daran sterben.

Nicht jeder erkrankt daran

Doch Logopäde Steffen Schulz gibt Entwarnung. „Dass diese Störung einfach so auftaucht, wäre ein absoluter Sonderfall.“ Betroffen seien vor allem ältere, pflegebedürftige Personen. Gerade nach Schlaganfällen käme es häufiger dazu. „Nach einem Unfall oder durch einen Tumor im Rachen kann es aber auch bei Jüngeren auftreten“, so der Logopäde.

Therapie und Ausgleich

Für die Therapie gebe es drei Ansätze. „Zum einen gibt es Muskelübungen für Zunge, Rachen und Kehlkopf“, zählt der Experte auf. Hier sei eine individuelle Therapie nötig. Eine zweite Möglichkeit sei eine Form des Ausgleichs. „Dabei wird zum Beispiel vor dem Schlucken der Kopf zum Kinn geführt, damit Fremdkörper nicht so leicht in den Rachenraum rutschen können.“ Die dritte Säule betrachte die Ernährung der Patienten.

Nadine Manthei vom Dysphagie Netzwerk Nord kennt sich mit dieser Methode gut aus. „Manche haben Schwierigkeiten mit Flüssigkeiten, andere wiederum mit krümeligen Lebensmitteln“, erzählt die Ernährungswissenschaftlerin. Da käme es auf die richtige Zubereitung an. „Es geht ums Pürieren, Passieren, Anreichern oder Andicken“, zählt Nadine Manthei auf.

Einige würden nach der Erfahrung von Steffen Scholz unbewusst auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten. „Manche glauben dann gar nicht, dass sie an einer Schluckstörung erkrankt sind“, erzählt der Logopäde. Er vermutet daher, dass sie häufig gar nicht erkannt wird. „Dadurch ist es auch schwer eine Prognose zu geben, wie viele Menschen in Rostock betroffen sind.“

Tag der Logopädie

Eine Schluckstörung bezeichnet man in Fachkreisen auch als Dysphagie.

Am 6. März ist der europäische Tag der Lgopädie. In diesem Jahr ist das Thema „Schlucken – lebenswichtig und nicht immer selbstverständlich“. Angehörige oder Patienten mit Fragen, können sich an diesem Tag von 17 bis 20 Uhr unter der ☎ 01805 / 35 35 32 melden.

Das Dysphagie Netzwerk Nord veranstaltet am 25. Februar in Rostock ihr viertes Symposium „Schluckstörungen bei Parkinson“. Weitere Informationen dazu sowie Anmeldemöglichkeiten gibt es im Internet unter www.schluckstoerung- mv.de

Johanna Hegermann

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