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Ehepaar baut erstes Schalendach nach Müther seit der Wende

Vorder Bollhagen Ehepaar baut erstes Schalendach nach Müther seit der Wende

Stefan und Lisa Woldtmann aus Rostock bauen in Vorder Bollhagen ein Eigenheim mit der speziellen Dachkonstruktion / Ulrich Müther entwarf Schalendächer zu DDR-Zeiten

Vorder Bollhagen. Bei Bad Doberan bauen zwei Rostocker ein Eigenheim mit einem Schalenbetondach nach Ulrich Müther, dem bekannten DDR-Architekten. Er gab mit seiner Konstruktion unter anderem dem Teepott in Warnemünde sein typische Aussehen. Seit der Wende ist nach Aussagen der Bauherren und des Architekten kein Schalenbetondach mehr realisiert worden.

Es ist aufwendig, schwierig in der Ausführung und ein Unikum: Stefan und Lisa Woldtmann verwirklichen bis Ende des Jahres ihren Traum von einem ganz besonderen Eigenheim in Vorder Bollhagen. „Ich interessiere mich schon ewig für die Schalenbetondächer nach Ulrich Müther“, sagt der 28-jährige Rostocker, der Mathematik studiert hat. Aus dem Interesse wurde mit den Jahren eine Leidenschaft.

Müther-Dächer waren sogar das Motto ihrer Hochzeit im vergangenen Jahr, verrät Ehefrau Lisa Woldtmann (24).

Als Müther-Dächer werden dünne Betonschalendächer bezeichnet, die auf Grundlage der negativen Gaußschen Krümmung so geformt sind, dass sie sich selbst tragen und nur auf wenigen umliegenden Stützen aufliegen. Das ermöglicht die Überdachung großer Hallen ohne Stützen im Innenraum, wie zum Beispiel der Mehrzweckhalle in Rostock Lütten Klein. „Zu DDR-Zeiten galt Beton als knapper Rohstoff und Schalendächer waren eine günstige Alternative“, sagt Woldtmann. Denn sie sind sehr dünn. Rund 50 Schalendächer realisierte der bekannte Architekt Ulrich Müther, auf dem die Konstruktion zurückgeht.

Er starb 2007.

Inspiriert habe die Woldtmanns aber der ehemalige Speisesaal eines Ferienlagers in Borchtitz auf Rügen, der zu einem Wohnhaus umfunktioniert worden ist. Sie holten den Rostocker Architekten Lars Jantsch ins Boot, der die planerische Aufgabe übernommen hat. „Es hat mich gereizt, so etwas zu zeichnen. Das ist kein 08/15-Dach, sondern etwas Besonderes“, sagt der 42-Jährige. Müther-Dächer gehören heutzutage standardmäßig zur Architekten-Ausbildung, umgesetzt wurde es seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das Dach der Woldtmanns wird 150 Quadratmeter umfassen, 45 Tonnen wiegen und sei nur acht Zentimeter dick. Möglich macht dies eine spezielle Technik, die nur von wenigen Fachfirmen beherrscht werde, so Woldtmann. „Der Beton wird im Trockenspritz-Verfahren aufgetragen.“ Die Technik sei sehr fehleranfällig und müsse exakt angewandt werden. Ist die Schale an einer Stelle zu dick, beeinträchtige es die gesamte Statik des Daches und könnte zum Einsturz führen. Woldtmann ist Juniorchef des Bauunternehmens Müller. „Wir haben öfter Schalendächer saniert und verfügen über das nötige Fachwissen“, sagt er.

Grünes Licht holte sich das Trio von der Witwe Müthers, die auf Binz lebt. „Wir haben sie besucht und ihr von unserem Plan erzählt. Es war sehr in ihrem Interesse.“ Bis kommende Woche ist die Bodenplatte fertig, dann werden 40 Stahlstützen in die Außenwände gesetzt, bevor das Dach aufgesetzt und die Zwischenwände aufgefüllt werden. „Im November wollen wir einziehen“, sagt Lisa Woldtmann.

Von Katarina Sass

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