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Einsam oder gemeinsam: Leben im Alter in Nienhagen

Nienhagen Einsam oder gemeinsam: Leben im Alter in Nienhagen

Bürger informieren sich über altengerechtes Wohnen / Arbeitsgruppe zur Entwicklung des Ostseebades erfragt Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen

Nienhagen. Kein verlässlicher Nahverkehr, ein Supermarkt fehlt, es mangelt am aktiven Dorfleben – es gibt einige Gründe, warum ältere Menschen vom ländlichen Raum in die Stadt ziehen. Das soll in Nienhagen nicht passieren. Das Ostseebad arbeitet an einer Gemeindeentwicklungskonzeption. In einer Arbeitsgruppe werden Leitbilder entworfen, wie sich Nienhagen in den nächsten 15 Jahren entwickeln soll. Auch das Thema altengerechtes Wohnen spielt hier eine Rolle. Am Mittwoch informierte Prof. Henning Bombeck von der Universität Rostock im Rahmen des Projektes „Schule der Landentwicklung“ im Freizeitzentrum über die Herausforderungen beim „Alt werden in der Gemeinde“.

 

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Geschäfte, Ärzte, Nahver- kehr: Wenn die Gemeinde Schwierigkei- ten hat, diese Bedürfnisse zu befriedigen, dann ziehen die Leute weg.“Henning Bombeck, Universität Rostock

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Wir möch- ten gerne Rückmel- dungen, ob es Interesse an gemeinschaft- lichen Wohnformen gibt.“Karl-Heinz Breitzmann, AG „Gemeindekonzeption Ostseebad Nienhagen“

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„Wir müssen über altengerechtes Wohnen nachdenken. Wir haben hier in Nienhagen Besonderheiten, viele Einwohner haben ein Eigenheim“, sagt Karl-Heinz Breitzmann von der Arbeitsgruppe „Gemeindekonzeption Ostseebad Nienhagen“. „Wir möchten gerne Rückmeldungen haben, ob es Interesse an gemeinschaftlichen Wohnformen gibt.“ Interesse am Thema gibt es auf jeden Fall. Knapp 60 Bürger waren gekommen, um sich zu informieren. „Funktioniert alt werden im angestammten Zuhause?“, fragt Henning Bombeck in die Runde. „Wir sind Stück weit ein Gewohnheitstier, denn die gibt uns Sicherheit.

Im Haus kenne ich die Risiken.“ Doch irgendwann seien die Treppen ein Hindernis, das Badezimmer werde ungeeignet. Lassen sich diese Probleme nicht lösen, wird das Haus, der Garten zu groß, könne Mehrgenerationenwohnen eine Alternative sein – auch für Nienhagen. Doch nicht nur Haus oder Wohnung müsse passen.

„Die Hilfsbedürftigkeit steigt im Alter, aber man will nicht immer nach Hilfe fragen. In einer guten Nachbarschaft lässt sich das einvernehmlich regeln, dann ist es ein Geben und Nehmen“, sagt Henning Bombeck. Schwierig wird es, wenn die Nachbarschaft nicht intakt ist, der Nahverkehr nicht richtig funktioniert und es an Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten fehlt: „Wenn die Gemeinde Schwierigkeiten hat, diese Bedürfnisse zu befriedigen, dann ziehen die Leute weg“, sagt Bombeck.

Lebensmittelmarkt, Ärzte, Nahverkehr: „Wir haben durchaus Wegzüge aus Gründen der Infrastruktur“, sagt Karl-Heinz Breitzmann. „Aber wir sind keine Gemeinde, die Einwohner verliert. Wir haben eine große Nachfrage an Bauplätzen.“ In dem geplanten neuen Wohngebiet zwischen An den Weiden und Am Ehbrauk (B-Plan 6) könnten Flächen für altengerechtes Wohnen ausgewiesen werden – „wenn das Interesse da ist“, so Breitzmann.

„Was wir nicht so richtig haben, ist eine gute Nahversorgung“, sagt das Mitglied der Arbeitsgruppe, dabei sei der Tante-Emma-Laden außerordentlich wichtig. Die Busanbindung sei gut, jede Stunde gebe es eine Verbindung und bei der ärztlichen Versorgung gebe es eine Arztpraxis sowie einen Zahnarzt. Bei Fachärzten habe Nienhagen den Vorteil, nahe an Rostock zu liegen. Wichtig für ältere Menschen sei auch eine aktive Dorfgemeinschaft, sagt Bombeck. An der fehle es in Nienhagen nicht, so Breitzmann. Ob Malzirkel, Sport-, Kultur- oder Boot- und Angelverein – im Ostseebad gibt es viele Möglichkeiten sich aktiv zu beteiligen.

Hilfe für Gemeinden

674 Nienhäger sind 60 Jahre und älter. Das sind ein Drittel aller Einwohner der Gemeinde. 202 von ihnen sind älter als 75 Jahre.

Die „Schule der Landentwicklung“ ist ein Projekt der Universität Rostock und des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutzt. Die Mitarbeiter helfen Dörfern, Vereinen, Verbänden und Kommunen in den ländlichen Räumen Mecklenburg-Vorpommerns bei der Findung lokaler Strategien im demografischen Wandel.

Anja Levien

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