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Fischer strandet auf verlassener Insel

Rerik Fischer strandet auf verlassener Insel

Seenotretter finden Frank Frere aus Boiensdorf im Naturschutzgebiet bei Rerik / Robbe schlief bei ihm

Rerik. Großeinsatz in der Nacht zu Montag: Drei Seenotrettungsboote der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sowie Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren haben zwischen der Insel Poel und Rerik einen vermissten Fischer aus Boiensdorf gesucht. Sie fanden ihn gegen 1.15 Uhr auf der Insel Kieler Ort bei Rerik. Frank Frere (55), seit 38 Jahren Fischer, war in dem Naturschutzgebiet gestrandet, nachdem sein Boot einen Motorschaden hatte. Der Boiensdorfer schlief nicht alleine am Strand – eine Robbe hatte sich zu ihm gesellt.

Nachdem ein Bekannter Frank Frere gegen Mitternacht als vermisst gemeldet hatte, leitete die Seenotleitung Bremen der DGzRS eine großangelegte Suche ein. Der Fischer war bereits am Morgen mit seinem offenen, etwa fünf Meter langen Boot aufgebrochen, um Reusen zu kontrollieren, teilt Antke Reemts, Sprecherin der DGzRS mit. Seeseitig wollte er zurückkehren und um spätestens 22 Uhr zurück sein. Die Seenotleitung alarmierte in der Nacht die Freiwilligenbesatzungen der Seenotrettungsboote „Günther Schöps“ von der Station Timmendorf und „Konrad Otto“ aus Kühlungsborn sowie den Seenotrettungskreuzer „Hans Hackmack“ aus Grömitz. Zudem wurden die Freiwilligen Feuerwehren aus Rerik, Kühlungsborn, Pepelow und die Wassergefahrengruppe Bad Doberan alarmiert. „Wir haben von der Reriker Seebrücke bis zum Wustrower Hals und vom Bootshafen bis zum Wustrower Hals mehrere Stunden vom Land und vom Wasser aus gesucht“, sagt Dietmar Rohn, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Rerik.

Mehr als 50 Helfer waren im Einsatz.

Gegen 1.15 Uhr wurde der Fischer von den Timmendorfer Seenotrettern auf der unbewohnten Insel Kieler Ort gefunden. In dem Wissen, dass sein Kollege am frühen Morgen vorbeikommt, hatte Frank Frere sein Boot verlassen und war mit diesem im Mondlicht an eine Stelle an Land gewatet, an der die Fahrrinne in nächster Nähe vorbeiführt. „Ich habe das Boot über 500 Meter gezogen, das war anstrengend, da habe ich mich am Strand schlafen gelegt“, schildert Frank Frere. Angst oder Panik habe er nicht gehabt. Der Berufsfischer wusste, dass sein Kollege gegen halb drei kommen würde. Sein Handy hatte er an Land vergessen. Seit 1978 sei er Fischer. Zwei Mal habe er in der Zeit bisher Probleme mit dem Boot gehabt. „Der Motor war alt, das passiert halt. Den neuen hatten sie mir vor vier Wochen geklaut.“ Aus dem Schlaf wurde er von einer Kegelrobbe gerissen. „Da war was an meinen Füßen“, erinnert sich der Fischer. „Wir beide haben uns erschrocken.“ Die Kegelrobbe sei direkt ins Wasser geflüchtet.

Die Seenotretter, die mit Scheinwerfern die Küste abgeleuchtet hatten, entdeckten Frank Frere dank der Reflektoren seiner Rettungsweste. Er war wohlauf. Das Boot wurde gestern aus dem Naturschutzgebiet geholt.

Auch die Kühlungsborner Seenotretter waren im Einsatz. „Wir waren schon auf dem Weg und an Rerik vorbei. Bevor wir am Zielort waren, war der Fischer gefunden“, sagt Rainer Kulack, Vormann der Seenotretter aus Kühlungsborn, die mit sechs Mann bis zwei Uhr unterwegs waren. Es war nicht der erste Einsatz für die Besatzung in diesem Jahr. „Wir hatten schon 20 Einsätze. Die meisten waren havarierte Segelyachten vom Ruderschaden bis zum Mastbruch“, sagt Rainer Kulack. Doch vor allem immer mehr Angler müssten aus Seenot gerettet werden, denn die Anzahl der Hobbyfischer nehme zu. „20 bis 30 Angler, die von auswärts kommen, fahren aus Kühlungsborn los“, sagt Kulack. Die meisten bräuchten Hilfe nach einem Motorschaden.

Der Einsatz in der Nacht zu Montag erinnert an ähnliche Einsätze der Seenotretter im vergangenen Jahr, die allerdings kein gutes Ende nahmen. Im Dezember 2015 waren zwei Angler von Boiensdorf aus aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Beide konnten später nur noch tot aufgefunden werden. Im September 2015 waren zwei Angler mit einem offenen Boot bei Rerik ums Leben gekommen. Antke Reemts weist darauf hin, immer ein Handy mitzunehmen und Seenotsignalmittel wie eine Rauchfackel.

Anja Levien

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