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Grabsteine in der Prüfung: Mit Messgerät über den Friedhof

Bad Doberan Grabsteine in der Prüfung: Mit Messgerät über den Friedhof

Fachfirma kontrolliert seit Jahren die Standfestigkeit der Grabmale / Im vergangenen Jahr waren in Bad Doberan und Althof 306 Steine fehlerhaft

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Horst Neumann kontrollierte gestern die Standfestigkeit der Grabmale in Bad Doberan und Althof.

Quelle: Renate Peter

Bad Doberan. Grabstätte für Grabstätte bewegen sich Horst und Björn Neumann vorwärts. Jeder in einem anderen Bereich des Friedhofes. Immer dabei ein langer Stab — ein elektronisches Kraftmessgerät. Die beiden Männer kontrollieren die Standfestigkeit der Grabsteine. „Dazu sind wir verpflichtet“, sagt Doberans Friedhofsverwalter Sven Jantzen. Einmal im Jahr werde diese Grabsteinkontrolle Anfang April durchgeführt, erklärt der Friedhofsverwalter. Seit Jahren von der selben Firma: Neumann KMD, ein Ingenieurbüro für Kommunale Dienstleistung aus Breese.

2015 waren 2222 Grabsteine geprüft worden. Inklusive Althof gibt es insgesamt etwa 4500 Grabstätten. Fehlerhaft waren im vorigen Jahr 306 Steine. Das sind immerhin 13,7 Prozent. Auch gestern kleben Horst Neumann und sein Sohn wieder Zettel auf einige Steine. Die grünen Aufkleber bedeuten „Achtung Unfallgefahr“. Es wird um Beseitigung gebeten. Ist „Gefahr in Verzug“, muss ein roter Aufkleber her. Dann werden die Nutzer der Grabstellen angeschrieben. „Denn es geht um die Verkehrssicherheit“, sagt Sven Jantzen. Wie schnell könne es passieren, dass beispielsweise beim Aufstützen ein Stein kippt jemand verletzt werde. Oder auch einem Kind ein Stein entgegenfallen könne. Deshalb müsse den Leuten bewusst werden, dass sie in der Verantwortung sind.

Die Besitzer der gefährdeten Grabsteine sind verantwortlich, die Schäden schnellstmöglich zu beseitigen. Wenn dies erledigt ist, sollte die Friedhofsverwaltung informiert werden. Denn über die jährlichen Kontrollen werden Protokolle verfasst. Nur so könnten die Gefährdungen als erledigt notiert werden, erklärt Sven Jantzen. Das scheinen nicht alle ernst zu nehmen. Am nächsten Stein befindet sich ein Aufkleber. „Der ist vom vorigen Jahr“, sagt Horst Neumann und klebt einen neuen Zettel drauf. Denn der Stein wurde nicht befestigt.

Horst Neumann setzt immer wieder das elektronische Kraftmessgerät an. Ein kurzes Signal. „Alles in Ordnung“, sagt der zugelassene Grabmalprüfer. Und weiter geht es zum nächsten Stein. Die Richtung müsse beibehalten werden, immer die Wege hoch und runter — wegen der Protokolle, erklärt der Diplom-Ingenieur. „Dieser Stein ist nicht standfest“, sagt Neumann ein Stück weiter. Beim Berühren mit dem Messgerät wackelt er bereits. „Der Stein ist erst 2014 gesetzt worden. Da gilt noch die Gewährleistung. Der muss kostenlos instandgesetzt werden“, erklärt der Fachmann. Für das Aufstellen der Grabmale seien Einbautiefe und die richtigen Dübel wichtig.

Er geht weiter. Das Gerät gibt einen grellen Ton. Die Standfestigkeit ist nicht gegeben. „Abhängig von der Höhe der Steine müssen diese einen unterschiedlichen Prüfdruck aushalten“, sagt der Fachmann. Den zeigt das Messgerät an. Es gibt ein akustisches und ein optisches Signal. Das Warnsignal ertönt, 100 Newton werden angezeigt: „500 Newton hätte dieser Stein aushalten müssen.“ Horst Neumann geht weiter von Grabstein zu Grabstein. Ist einer gefährdet, wird auch ein Foto zur Beweissichtung gemacht. Und gleich die Mängel notiert. Alles über eine Software. Nebenbei führt er Aufklärungsgespräche mit Friedhofsbesuchern.

„Wer keinen Steinmetz beauftragt, kann die Arbeiten selbst erledigen — aber die Steine müssen fachgerecht und standsicher aufgestellt werden“, betont Sven Jantzen. Die Messgeräte können nicht in die Irre geführt werden. Sie sind elektronisch geeicht. Es gebe keine Rüttelproben, wie oft angenommen, sagt der Friedhofsverwalter. Um Sorgen entgegenzuwirken, die Steine würden dadurch gelockert.

Heute werden die Kontrollen auf dem Kühlungsborner Friedhof weitergeführt, dann geht es nach Rethwisch und Lichtenhagen.

Urnenbeisetzungen nehmen zu

2222 Grabstein-Prüfungen wurden im vorigen Jahr auf dem Doberaner und Althöfer Friedhof vorgenommen.

306 Steine waren voriges Jahr fehlerhaft. Sie wurden mit Aufklebern markiert.

16 Jahre lang nimmt die Neumann KMD Grabsteinkontrollen vor.

1 Erdbestattung fand in diesem Jahr erst statt. Von zehn Beisetzungen in Bad Doberan ist durchschnittlich nur eine Erdbestattung, alles andere sind Urnenbeisetzungen.

Von Renate Peter

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