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Immer mehr Kreuzfahrt-Gäste: Rostocker sollen Englisch lernen

Stadtmitte/Warnemünde Immer mehr Kreuzfahrt-Gäste: Rostocker sollen Englisch lernen

Handel und Gastronomie sind kaum auf internationale Gäste eingestellt / Fremdsprachen-Kenntnisse sind Hauptproblem

Stadtmitte/Warnemünde. Rostock wird immer internationaler – dem Kreuzfahrt-Boom sei Dank: Mehr als eine Viertelmillion Gäste aus dem Ausland kamen allein im Jahr 2016 mit den Schiffen in die Hansestadt. Und für Besucher aus aller Welt ist Rostock längst nicht mehr nur der Hafen von Berlin: Der größte Teil der Passagiere entscheidet sich mittlerweile für Landausflüge nach Rostock, lässt sein Geld in der Hansestadt. Hinzu kommen Zehntausende Crewmitglieder, die an Land ihre Freizeit verbringen wollen. Problem nur: Viele Gastronomen und auch Händler sind überhaupt nicht auf die internationale Kundschaft eingestellt. „Es hapert an Fremdsprachen- Kenntnissen, an Öffnungszeiten und an Bezahlmöglichkeiten“, sagt City-Manager Peter Magdanz. Rathaus und Tourismuszentrale fordern nun, dass sich die Unternehmen besser auf die Besucher einstellen mögen – um bessere Geschäfte zu machen.

Personal spricht kaum Englisch

Mit welchen Problemen sich Gäste aus dem Ausland in der Hansestadt plagen müssen, hat der Rostocker Stefan Heimann jüngst selbst beobachtet. In einem Leserbrief an die OZ schildert er seine Erlebnisse aus einem kleinen Schreibwarengeschäft in der Kröpeliner Straße: „Die Innenstadt war zu der Zeit gut besucht, viele amerikanische Gäste waren dort unterwegs“, erzählt Heimann. Eine Urlauberin aus den USA wollte in besagtem Geschäft eine Ansichtskarte für ihren Enkel auf der anderen Seite des Atlantiks kaufen: „Die Mitarbeiter waren aber des Englischen nicht mächtig, als musste ich als Dolmetscher helfen.“ Doch das war nicht das Hindernis beim Kauf: Die Urlauberin hatte nur US-Dollar bei sich, eine Wechselstube gibt es in der Innenstadt nicht mehr. „Und mit ihrer Kreditkarte konnte die Frau in dem Geschäft erst ab fünf Euro bezahlen.“ Heimann zeigte sich hilfsbereit: Er zahlte die 45 Cent für die Ansichtskarte, um die Urlauberin glücklich zu machen. In einen anderem Geschäft traf Heimann dann auf einen Senior aus den USA, der die gleichen Probleme beim Shopping hatte: „Leidtragende waren vermutlich die Eisdiele an der Ecke, der Postkartenhändler oder die Frau am Bratwurststand: Ihnen allen entgeht ein gutes Geschäft. Wenn wir als ,Global Player’ im Tourismusgeschäft mitmischen wollen, sollten wir auch die Kleinigkeiten nicht aus den Augen verlieren.“

Rostock soll Vorreiter werden

Stadt und Tourismuszentrale haben die Zeichen der Zeit längst erkannt: Stadtpläne gibt es mittlerweile in acht Sprachen – auf Deutsch und Englisch, Spanisch und Dänisch, Niederländisch und Schwedisch, Französisch und Italienisch sowie Japanisch und Chinesisch. Audio-Stadtführungen und Broschüren für Tagesausflüge sind in sechs Sprachen verfügbar, geführte Touren immerhin auf Englisch, Schwedisch und Spanisch. „In Rostock und Warnemünde hat sich einiges in den vergangenen Jahren verbessert. Aber wir können uns noch viel von unseren ausländischen Nachbarn abgucken“, sagt aber Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Auch er sieht in den mangelnden Fremdsprachen-Kenntnissen vieler Beschäftigter in Handel und Gastronomie das größte Defizit. Aber auch in Sachen bargeldloses Bezahlen müsse Rostock aufholen: „Wir müssen hier Vorreiter sein, wenn wir vom Aufenthalt ausländischer Touristen auch wirklich profitieren wollen.“ Die Straßenbahn AG will beispielsweise Handytickets einführen, an den Parkautomaten können Urlauber in Bälde mit Karte zahlen und in der Innenstadt sollen kostenfreie Internet-Zugänge ermöglicht werden.

Auch City-Manager Peter Magdanz sieht Handel und Gastronomie in der Pflicht: „Wir haben da definitiv Defizite.“

Ein Beispiel: „Die Gäste kommen früh in die Stadt – gegen 9 oder 9.30 Uhr. Und dann wollen Amerikaner gerne auch schon mal ein deutsches Bier trinken. Nur unsere Restaurants sind dann noch zu.“

Tourismusdirektor Matthias Fromm mahnt zur Eile: Die Zahl der Gäste, die aus dem Ausland nach Rostock reisen, steigt – nicht nur auf den Kreuzfahrtschiffen. Schon jetzt stammt mehr als jeder zehnte Urlauber in Rostock nicht aus Deutschland. Und im kommenden Jahr – zum Stadtjubiläum und zum Hansetag – erwartet Fromm Tausende zusätzliche internationale Besucher. „Für Mitarbeiter in Hotels und bei Serviceanbietern sollten Fremdsprachen-Kenntnisse Grundvorausetzung sein.“ Nur dann könne Rostock bei den Gästen auch punkten.

Andreas Meyer

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