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Jung, hip, bunt: Pläterstraße wird zur neuen Szenemeile

Rostock Jung, hip, bunt: Pläterstraße wird zur neuen Szenemeile

Shishas, Shirts und 50er-Jahre-Frisuren – in der Rostocker Altstadt tut sich was

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„Küstenfräulein“ Ellen Eckart (r.) hat für Nicole Doß eine Rockabilly-Frisur kreiert. FOTO: OVE ARSCHOLL

Rostock. Die Pläterstraße in der nördlichen Altstadt ist nur gut 100 Meter lang und liegt auch etwas abseits vom großen Trubel der Innenstadt. Doch junge Geschäftsleute wollen die kleine Straße ganz groß rausbringen: Mit innovativen Ideen und jugendlichem Elan soll die Pläterstraße zum angesagten Kiez werden.

Tabak und Zubehör für Wasserpfeifen gibt es bei Shisha Kalifa. Inhaber Kristian Kröger nimmt für sich in Anspruch, den einzigen Fachhandel dieser Art in Rostock zu betreiben. „Ich führe mehr als 50 verschiedene Tabaksorten für Shishas“, sagt er. Als nikotin- und kondensatfreie Variante gibt es auch Rauchsteine oder -pasten, die mit Aromen versetzt sind.

In seinem lässig eingerichteten Laden lädt Kröger auch auf eine große Sitzecke. „Hier gibt es freitags und samstags ab und zu Verkostungen meiner aktuellen selbstgemischten Hausmarke.“ Der Rauch aus der Pfeife schmeckt dann mal nach Whiskeys-Cola, mal nach Himbeer-Vanille-Eis mit Jasmin oder nach Fanta-Orange. Neben den Rauch-Utensilien hat Kröger auch einen An- und Verkauf von Vinyl-Schallplatten für DJs. Und schließlich möchte er in kleinem Rahmen auch als Galerist jungen Rostocker Künstlern eine Chance geben. Rund 30 Stammkunden hat Kröger. „Mit Laufkundschaft ist es hier allerdings schwierig, bisher finden nur Kiez-Kenner die Pläterstraße.“

Auch Ellen Eckart hat keine Zufallskunden, sie arbeitet nur auf Termin. In ihrem Friseursalon „Küstenfräulein“ bietet sie einen ganz besonderen Service: Sie verpasst ihren Kunden auf Wunsch klassische Rockabilly-Frisuren. „Ich gehöre selbst der Szene an, mir gefallen die Kleidung, die Musik und die Leichtigkeit der 50er Jahre“, schwärmt die28-Jährige.

Eckart hat Friseurin gelernt, die Rockabilly-Frisuren hat sie sich aber selbst beigebracht. „Für Frauen ist das Weiblichkeit pur: Die Kurven der Figur spiegeln sich in den eleganten weichen Linien der Locken und Wellen wider.“ Allerdings hat sie im Tagesgeschäft mehr männliche Kunden, Frauen lassen sich vor allem für Veranstaltungen stylen. Die Einrichtung im 50er-Jahre-Stil hat Eckart mit familiärer Unterstützung selbst gestaltet: Der Boden ist im klassischen schwarz-weißen Schachbrett-Look gefliest, der Tresen wird von Neonröhren geschmückt. An den Wänden hängen alte Emaille-Werbeschilder, die sie auf Flohmärkten gefunden hat. Für die Pläterstraße, in der auch ein Piercing- und ein Tattoo-Laden beheimatet sind, hat sie sich ganz bewusst entschieden: „Ich wollte nicht in ein gesichtsloses großes Einkaufszentrum. Hier gibt es jetzt viele kleine Geschäfte, die Lebens- und Körperkunst vermitteln, da habe ich super reingepasst“, ist Eckart überzeugt. Sie plant jetzt auch noch ein Mode-Label mit ihrem „Küstenfräulein“-Logo.

Der dritte erst in diesem Jahr eröffnete Laden in der Pläterstraße nennt sich „Geschichtsträger“. Der Name ist wörtlich zu verstehen: Christoph Niemann druckt Bilder von Denkmälern auf T-Shirts und bietet so Geschichte zum Tragen an. Die Idee dafür entstand durch sein Engagement im Verein Rostocker Matrosendenkmal: „Wir fürchteten, das Denkmal könnte irgendwann verschwinden. Dabei weiß kaum noch jemand, warum es hier steht“, erklärt der 37-Jährige. Also druckte er ein Bild des Denkmals auf ein T-Shirt samt einer kurzen historischen Einführung in das Mahnmal für den auch in Rostock blutig niedergeschlagenen Matrosenaufstand von 1918.

Nach und nach kamen weitere Motive dazu, etwa der Leuchtturm und die Plastik „Lotsenehrung“ in Warnemünde oder das Kröpeliner Tor. „Von dem Verkauf der T-Shirts wollen wir auch die Vereine, die sich um diese Denkmäler kümmern, unterstützen“, sagt Niemann. Inzwischen hat sich die Rostocker Geschäftsidee in ganz Deutschland herumgesprochen. So gab es bereits Aufträge aus Hamburg, Berlin oder Stuttgart.

Die Pläterstraße liegt Niemann besonders am Herzen: „Ich bin hier um die Ecke aufgewachsen und habe immer im Eiscafé Conti Eis gegessen.“ Er musste mit ansehen, wie immer mehr Geschäfte zumachten und in Wohnungen umgewandelt wurden. Dieser Trend sei jetzt gestoppt, alle verbliebenen Läden seien wieder belegt. „Im vergangenen Sommer war dank unserer Läden schon wieder richtig Leben hier“, beschreibt Niemann, „und ich hoffe, dass die Pläterstraße so wieder zu einer kleinen Szenestraße wird.“

Axel Büssem

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