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Ärger um Ferienwohnungen

Steffenshagen Ärger um Ferienwohnungen

Anwohner der Eigenheimsiedlung „Am Dorfteich“ in Steffenshagen können Bedenken einreichen

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Sylvia Schönbeck will den B-Plan ändern lassen, um Ferienwohnungen zu legalisieren.

Quelle: Foto: Rolf Barkhorn

Steffenshagen. Die Erkenntnis, dass es auch nach Änderung der Baunutzungsverordnung im vergangenen Frühjahr für Kommunen nicht einfacher geworden ist, Entscheidungen für die Gestattung von Ferienwohnungen in Wohngebieten zu treffen, ist nun auch in Steffenshagen angekommen.

„Diese Gesetzesänderung hat uns gar nichts gebracht. Egal, wofür wir uns entscheiden, eine Seite wird sich immer benachteiligt fühlen und dagegen klagen“, sagte Bürgermeister Georg Endmann am Montagabend in der Sitzung der Gemeindevertretung Steffenshagen. Die Kommunalpolitik fühlt sich von der großen Politik im Stich gelassen.

Noch vor dreieinhalb Jahren war das anders. Da scherten sich die Steffenshäger nicht um juristische Auslegungen von Verordnungen. Sie beschlossen selbstbewusst im Februar 2014, dass im neuen Wohngebiet „Am Dorfteich“ je Haus, in dem eine Wohnung dauerhaft belegt ist, eine Ferienwohnung erlaubt wird. Das Amt Bad Doberan Land riet zwar davon ab – wegen der unsicheren Rechtslage. Die Gemeinde fasste den Beschluss trotzdem, versäumte es aber offensichtlich, auch gleich den betreffenden B-Plan rechtskonform zu ändern und Ferienvermietung als „nicht störendes Gewerbe“ zuzulassen.

Denn trotz des Beschlusses der Gemeinde pro Vermietung landete ein Jahr später die erste behördliche Aufforderung, die Ferienvermietung zu unterlassen, im Briefkasten einer Steffenshägerin in dem neuen Wohngebiet.

Die Vermutung, dass Anzeigen von Nachbarn zur Untersagung geführt haben könnten, bewog eine andere Anwohnerin, Sylvia Schönbeck, per B-Planänderung eine rechtssichere Erlaubnis für eine Vermietung zu beantragen.

„Ich habe in meinem Haus außer unserer eigenen noch zwei weitere Wohnungen. Beide sind jetzt dauerhaft vermietet. Und die Mieter sind polizeilich gemeldet. Auch zahle ich Steuern dafür. Vorher hatten wir aber auch Urlauber – ohne ein schlechtes Gewissen zu haben“, schildert die Steffenshägerin. Die Zusage, dass sie an Urlauber vermieten dürfe, hätte sie noch vor Fertigstellung ihres Hauses direkt vom Bürgermeister erhalten. Allerdings nur mündlich.

Am Montagabend konfrontierte Sylvia Schönbeck den Bürgermeister mit der 2011 gemachten Zusage. Endmann widersprach ihrer Darstellung nicht, verwies aber darauf, dass das Baugebiet als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen sei, der Gesetzgeber demnach die Ferienvermietung nicht erlaube, es jedoch bisher keine verwertbaren Erfahrungen mit der nachträglichen Änderung von B-Plänen zugunsten der Ferienbetten gäbe. In Kühlungsborn, wo schon ein B-Plan geändert worden sei, herrsche noch immer keine Rechtssicherheit, führte Endmann aus.

Zu dem Tagesordnungspunkt durften die Einwohner mitreden. Bernhard Schüttler, der ebenfalls ein Eigenheim im Gebiet besitzt, argumentierte gegen Urlauberquartiere im Wohngebiet. „Für eine B-Planänderung muss es triftige Gründe geben. Der Gebietserhaltungsanspruch hätte gegenüber einer Änderung, wie sie hier gewünscht ist, eine viel höhere Priorität“, meinte er.

Einen Beschluss zur Änderung des B-Planes fasste die Gemeinde an dem Abend nicht. Die Angelegenheit wurde vertagt mit dem Hinweis, dass Anwohner, die Bedenken gegen die Änderung haben, sich damit nun schriftlich an das Amt oder die Gemeindevertretung wenden könnten.

Über den Antrag von Sylvia Schönbeck und einer weiteren Hausbesitzerin, die sich bereit erklärt hatten, die Kosten für das Planverfahren zu tragen, will die Gemeinde zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Damit könnte auch Sylvia Schönbeck leben.

Was ihr aber entschieden zu weit geht, ist die permanente Denunziation durch Nachbarn beim Bauordnungsamt. „Obwohl die beiden Wohnungen dauerhaft vermietet sind, liegen Nachbarn auf der Lauer, fotografieren die Fahrzeuge unserer Besucher und melden diese als vermeintliche Urlauber an das Amt. Wir werden regelrecht bespitzelt und denunziert. Wir kommen uns manchmal vor, als würde die Stasi hier rumschnüffeln.“

Doch der Steffenshägerin liegt es fern, mit den Nachbarn im Streit zu leben. „Vielleicht ist es gut, wenn mal jemand schlichtet“, sagt sie und hofft dabei auf eine vermittelnde Rolle des Bürgermeisters.

Denn die Gegnerschaft zu ihren Ferienwohnungen sei nicht immer dagewesen. „Im Gegenteil! Einer, der jetzt gegen uns ist, hat sogar, als er sein Haus baute, bei uns gewohnt“, berichtet Sylvia Schönbeck.

An einer kleinen Meinungsverschiedenheit, bei der es um die Art der Bestattung ihres verstorbenen Hundes gegangen war, hatte sich der Zwist entzündet und hochgeschaukelt. Die Ferienwohnungen hätten bis vor zwei Jahren noch niemanden gestört.

Rolf Barkhorn

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