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David Suchanek: Der Meister am Instrument des ewigen Atems

Kühlungsborn David Suchanek: Der Meister am Instrument des ewigen Atems

Der 32-jährige Kirchenmusiker übernimmt morgen die Stelle des Kantors in der Sankt-Johannis-Kirche in Kühlungsborn / Er möchte die Chöre ausbauen und sich für eine digitale Orgel einsetzen

Kühlungsborn. Der Wind pfeift um die Johanniskirche um Kühlungsborn. Die Baumschaukel nahe der Pastorscheune tanzt in den Böen. Still ist es auf dem Gelände des Gotteshauses. Nur aus dem Gemeindehaus erklingen Klaviertöne.

David Suchanek sitzt an dem Tasteninstrument, spielt leidenschaftlich die Harmonien. „Die Menschen spüren, ob man mit dem ganzen Herzen spielt oder nur oberflächlich musiziert“, ist sich der 32-Jährige sicher. Ab morgen ist er der neue Kantor in Sankt Johannis. Er übernimmt damit das musikalische Erbe von Uwe Pilgrim, der nach etwa 30 Jahren im Dienst im Februar in den Ruhestand ging.

Kühlungsborn liegt Hunderte Kilometer von Suchaneks bisheriger Heimat in Sachsen-Anhalt entfernt. In Halle an der Saale legte er sein A-Diplom, die höchste Qualifizierung, an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik ab.

Die Kirchengemeinde in Kühlungsborn ist die erste, die er musikalisch leiten wird. „Die Arbeit ist ein starker Kontrast zu dem, was ich bisher gemacht habe“, gibt der gebürtige Prenzlauer zu, der zuvor als selbstständiger Solist unterwegs war. „Aber es ist eine Bereicherung, mit anderen zu musizieren und gleichzeitig das Evangelium zu verkünden.“

Die Leidenschaft zur Musik entwickelte Suchanek schon während seiner Kindheit. Mit 14 Jahren begann er eine klassische Klavierausbildung am Musikgymnasium „Schloss Belvedere“ in Weimar (Thüringen).

Kurz vor seinem Abitur kam er dann mit der Orgel in Kontakt.

„Ich war schon immer vom Instrument des ewigen Atems fasziniert“, gibt der Organist zu. „Es ist wie ein kleines, in sich geschlossenes Orchester, kann kraftvoll und dezent gleichzeitig sein. Ich liebe es, mit der Akustik der Orgel in großen Räumen zu arbeiten.“ Seine Vorbilder sind keine geringeren als Johann Sebastian Bach oder die französischen Komponisten Louis Vierne, Maurice Duruflé und Cesar Franck.

Die Orgel sei schwer zu spielen, betont der Kirchenmusiker. „Das Klavierspiel auf höchstem Niveau ist die Grundlage zum Erlernen des Instruments“, meint er. Und Suchanek beherrscht es: Noch während seiner Schulzeit wurde er beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ mehrfach für sein Spiel ausgezeichnet. Für ihn war damals schon klar, dass er das Instrument in Lübeck und Freiburg im Breisgau studieren wird.

Die Orgel in der Kühlungsborner Johanniskirche wurde 1963 erbaut und steht auf der südlichen Seitenempore. Ab morgen bringt Suchanek die elf Registern und insgesamt 724 Pfeifen bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Beerdigungen und Konzerten zum Klingen. „Die Akustik ist fantastisch und sehr fein. Der prächtige, erhabene Bau ist ideal für Kammermusik“, schwärmt der Kirchenmusiker, dessen Vater aus Pasewalk stammt.

Weniger begeistert zeigt sich Suchanek allerdings von der Klangfarbe der Orgel. „Sie ist veraltet, was man daran erkennt, dass Register sehr piepsig klingen“, erklärt er. „Das schränkt das Repertoire stark ein.“ Das von der Firma Eule aus Bautzen in Sachsen gebaute Instrument eigne sich gut für Werke des Barock. Aber der große und wichtige Bereich der Romantik sei auf ihr kaum spielbar. Deshalb will der neue Kantor demnächst einen Experten einladen und diskutieren, ob die Töne der Orgel digital erweitert werden können.

Doch auch weiteren Projekten widmet sich der Organist, der privat lieber Jazz oder Chanson hört. Er will Männerstimmen für die Kantorei gewinnen, Konzerte für Touristen organisieren und an Schulen gehen, um Kinder für ein Krippenspiel zu begeistern.

Vor allem freut sich Suchanek aber auf die Chor-Arbeit, lernt für den Posaunenchor gerade selbst, das Tenor-Horn zu spielen. Übergangsweise wurden die drei Chöre durch Wolfgang Neumann betreut. Für Suchaneks Begrüßung haben die 30 Sänger des Ökumenischen Singkreises extra ein Lied einstudiert. „Als ich davon erfahren habe, hat mich das sehr gerührt. Ich bin begeistert, wie herzlich ich hier begrüßt werde“, sagt der 32-Jährige. „Ich hoffe, dieses Glück über die Musik mit den Gemeindemitgliedern teilen zu können.“

Ann-Christin Schneider

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