Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Debatte um Shuttle-Bonus abgesagt

Kühlungsborn Debatte um Shuttle-Bonus abgesagt

Kurbetriebsausschuss votiert für kostenlose Gästebeförderung erst in Verbindung mit „elektronischer Kurkarte“

Voriger Artikel
Regelung zu Plakatwerbung
Nächster Artikel
Kleine Plattsnacker auf der Kösterschün-Bühne

Bietet im Ostseebad Linien- und Pendelverkehr sowie Stadtrundfahrten an: der Kühlungsborner „Bäder-Express“.

Quelle: Rolf Barkhorn

Kühlungsborn. Die Konkurrenz auf Rügen nutzt sie schon, Graal-Müritz hat sie gerade eingeführt, und auch die Nachbarn in Rerik erhoffen sich positive Effekte mit der baldigen Einführung der „Elektronischen Kurkarte“. Nur in Kühlungsborn tut man sich schwer damit, das veraltete Kurkartensystem mit handgeschriebenen Meldescheinen durch eine zeitgemäße Chipkarte zu ersetzen. Obwohl IT-Experte Rainer Kukeit (Kühlungsborner Liste) meint: „Teuer wird das nicht. Es muss ein bisschen Hardware eingekauft werden, Geräte, die die Karten drucken, und eine Handvoll Scanner zum Einlesen der Chipkarten.“

Im Kurbetriebs- und Wirtschaftsförderungsausschuss der Kühlungsborner Stadtvertretung wurde in der vergangenen Sitzung teilweise recht leidenschaftlich darüber diskutiert, obwohl die Einführung eines neuen touristischen Datensystems nicht auf der Tagesordnung stand. Jedoch zu einem greifbaren Ergebnis, etwa einer Empfehlung an die Stadtvertretung oder einem Auftrag an die Verwaltung, kam es nicht.

Angefangen hatte die Diskussion dazu, als beraten werden sollte, ob nicht Urlaubern und Tagesgästen als Gegenleistung zur Kurtaxe ein kostenloser Shuttle von Parkplätzen am Ortsrand in die Zentren des Ostseebades ermöglicht werden sollte. Eine Bahn, wie sie Unternehmer Thomas Henschel betreibe, würde sich dafür gut eignen, meinte der Ausschussvorsitzende Andreas Bartelmann (CDU). Worauf Uwe Ziesig entgegnete, dass dazu erstmal ein Angebot von Henschel eingeholt werden müsste und die Leistung wahrscheinlich ohnehin auszuschreiben sei. Bauamtsleiterin Peggy Westphal verwies zudem darauf, dass für ein funktionierendes Shuttlesystem derzeit noch die entsprechenden Parkplätze im Außenbereich fehlen.

Und dann war es Bartelmann selbst, der meinte, dass solch eine Bonusleistung auf die Kurtaxe erst eingeführt werden sollte, wenn die elektronische Kurkarte eingeführt worden sei. Kaum war dieser Begriff einmal gefallen, entfachte sich eine Diskussion, die deutlich machte: Alle Mitglieder des Kurbetriebsausschusses plädieren für eine zügige Einführung des neuen Kurkartensystems in Kühlungsborn. Frank Langguth (Die Linke) wusste zu berichten, dass die Partnergemeinde Büsum schon im ersten Jahr nach Einführung der Chipkarte einen „Zuwachs von 40 Prozent Kurtaxeinnahmen“

verzeichnet hatte: „Damit hatte sich dort das neue System bereits nach zwei Jahren amortisiert.“

Der unkomplizierte Zugriff auf Gästedaten ermögliche eine vielseitige Auswertung, argumentierte Rainer Kukeit und ergänzte: „Anhand der erfassten Daten weiß die TSK sofort, welche Art Veranstaltungen bei welcher Gruppe von Urlaubern am besten ankommen“.

Dass es möglich sei, mit wenig Aufwand Bonusleistungen der TSK und privater Unternehmen im Ort über die Kurkarte anzubieten, würde deren Attraktivität erhöhen, waren sich die Ausschussmitglieder einig. „Die Urlauber sollen zu uns kommen und die Kurkarte fordern, weil sie diese haben wollen“, meinte Knut Wiek (SPD).

Erwähnt wurde aber auch, dass die elektronische Kurkarte „nicht gerade das Lieblingskind von Bürgermeister Rainer Karl“ sei. Ohne die Fürsprache des Verwaltungschefs sei die Einführung eines neuen Systems wohl nicht durchführbar, äußerte sich Bartelmann und meinte abschließend: „Irgendwann müssen wir das anpacken.“

Von der Konkurrenz bald abgehängt?

Die Debatte um den Sinn einer zeitnahen Einführung der elektronischen Kurkarte hatte eigentlich gezeigt, dass es viele Argumente dafür gibt. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Mitglieder des Kurbetriebsausschusses zu keinem Schritt entschließen konnten, der die Sache wenigstens ein Stück vorangebracht hätte.

Mitunter kommt es mir so vor, als zehre man in Kühlungsborn nur zu gern vom Glanz längst vergangener Tage und setze zu häufig auf scheinbar „Altbewährtes“.

Eine Mitte der 1990er Jahre in Kühlungsborn sehr leidenschaftlich geführte Debatte der Stadtvertreter um „Klasse statt Masse“ mag damals manchem überzogen vorgekommen sein. Aber dass sie aus dem politischen Alltag inzwischen ganz verschwunden scheint und das Ostseebad Kühlungsborn den Erfolg nur noch mit dem Wert steigender Gästezahlen misst, die zum großen Teil aus dem bloßen Zuwachs an Betten resultieren, ist eine bedauerliche Entwicklung.

Aber wer mit dem Ostseebad Kühlungsborn auch in zehn Jahren noch im Orchester der beliebtesten Tourismuszentren an der Ostsee mitspielen will, muss sich der Qualitätsdebatte erneut stellen. Dabei kann die Nutzung zeitgemäßer Datentechnik eine kleine, aber notwendige Hilfe leisten.

Von Rolf Barkhorn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kühlungsborn

Die Kur- und Erholungsorte in MV können ein gutes Geschäft machen. Voraussetzung dafür sind Mediziner, die die Kurgäste betreuen. Aber es gibt zu wenig Badeärzte.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kühlungsborn
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.