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Händler kritisieren Verdi-Vorstoß

Kühlungsborn Händler kritisieren Verdi-Vorstoß

Gewerkschaft will per Eilantrag die aktuelle Bäderregelung kippen / Kühlungsborns Verkäufer fürchten um ihre Jobs

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Die Strandstraße in Kühlungsborn — vor allem am Wochenende haben die Geschäfte hier regen Zulauf.

Quelle: Lennart Plottke

Kühlungsborn. Die einstweilige Verfügung der Gewerkschaft Verdi gegen die aktuelle Bäderregelung — bei Kühlungsborns Händlern und Gewerbetreibenden löst diese Maßnahme nur Kopfschütteln aus. „Wenn Verdi vor Gericht damit durchkommt, ist das für unser Ostseebad eine totale Katastrophe“, meint etwa Dietrich Rehpenning, Chef des Handwerker- und Gewerbevereins (HGV). „Dabei dachte ich, dass diese Geschichte jetzt endlich durch ist.“

 

OZ-Bild

Wir sind stolz auf unsere Übernachtungs-zahlen und müssen Service bieten — auch im Handel.“Andreas Kuhn, Präsident Bäderverband

Denn eigentlich hatten sich Wirtschaft, Verwaltung und Kirchen nach langen Verhandlungen Mitte Januar auf einen Kompromiss geeinigt: Zwischen März und November dürfen auch die Läden in Kühlungsborn, Bad Doberan, Nienhagen und Rerik am Sonntag eine Stunde länger öffnen — und zwar von 12 bis 18 Uhr. Eine Regelung, die ganz im Sinne der Einzelhändler im Ostseebad ist. „Das Wochenende beschert uns auch durch die vielen Tagesgäste einen großen Teil des Umsatzes“, erklärt Sandra Westphal, Verkäuferin im Kühlungsborner Kaufhaus Stolz. „Der Anteil des Sonntags schwankt dabei — je nach Jahreszeit und Wetter.“ Dennoch würden es die Kunden schon zu schätzen wissen, am Sonntag entspannt durch das Kaufhaus bummeln zu können, hat Westphal festgestellt.

Der jetzige Verdi-Vorstoß — aus Rehpennings Sicht ist das nur „ein schlechter Versuch, Mitglieder zu fangen“. Dabei würde zumindest in Kühlungsborn dieses Ansinnen an der Realität vorbei zielen, meint der HGV-Chef: „In den Läden sind zum großen Teil zwei, maximal drei Mitarbeiter beschäftigt — die sind doch gar nicht in der Gewerkschaft organisiert.“

Sollte Verdi mit ihrem Eilantrag gegen die Bäderregelung durchkommen, müssten viele Läden geschlossen werden, weil ein großer Teil des Umsatzes verloren gehe, sagt auch Claus Ruhe Madsen, Präsident der Industrie- und Handelskammer Rostock. „Die Laden-Inhaber vor allem in der Strand- und in der Hermannstraße sowie am Hafen könnten doch Miete und Pacht gar nicht mehr bezahlen“, bestätigt Dietrich Rehpenning. „Betroffen wären da in erster Linie die Mitarbeiter — Entlassungen sind vorprogrammiert.“

Mecklenburg-Vorpommern sei ein touristisch geprägtes Land, betont auch Andreas Kuhn, Präsident des Bäderverbandes MV: „Wir sind stolz auf unsere Übernachtungszahlen und müssen einen entsprechenden Service bieten — und das auch im Handel.“ Dies gehöre zur Qualität in einem Kur- und Erholungsort. Vor allem ausländische Touristen könnten geschlossene Läden am Wochenende ohnehin nicht nachvollziehen, ist Kuhn überzeugt: „In anderen Ländern Europas, wie etwa in Polen, dürfen die Geschäfte rund um die Uhr geöffnet werden.“

Aber auch mit Blick auf die nationale Konkurrenz sieht Andreas Kuhn Wettbewerbsnachteile: „Als Vizepräsident des Deutschen Heilbäderverbandes kann ich die Situation in anderen deutschen Bundesländern einschätzen — schaue ich allein zu unserem direkten Nachbarn und Mitbewerber nach Schleswig-Holstein, ist die Einstellung und Handlungsweise der Gewerkschaft Verdi absolut nicht nachvollziehbar.“

Denn hier würden die Ladenöffnungszeiten wesentlich moderater gehandhabt, erklärt Dietrich Rehpenning: „Die Geschäfte können zum Beispiel auch an gesetzlichen Feiertagen öffnen.“

Bei der Entwicklung der Bäderreglung in Mecklenburg-Vorpommern sei man den Wünschen der Kirchen und Gewerkschaften bereits sehr entgegengekommen, findet Kuhn: „Im Gegensatz zu Schleswig-Holstein wurden erhebliche Abstriche gemacht — deshalb können wir Verdi nur bitten, den Eilantrag gegen die Bäderregelung zurückzuziehen.“

Änderungen nach Klagen

2010 hatte das Gericht die damalige Bäderregelung nach Klagen der Kirchen gestoppt. Danach wurde der Sonntagseinkauf von 149 auf 96 Orte reduziert. 2011 gab es eine weitere Klage der katholischen Kirche. Bis 2015 wurde deshalb am neuen Regelwerk gefeilt.

77 Orte und Ortsteile partizipieren von der neuen Bäderregelung für MV. Vom 15. März bis November dürfen etwa in Kühlungsborn, Bad Doberan, Nienhagen und Rerik die Geschäfte am Sonntag von 12 bis 18 Uhr öffnen — eine Stunde länger als bisher.

2020 — das neue Regelwerk gilt jetzt vier Jahre.

Von Lennart Plottke

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