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Lehmbackofen für Pilgerstätte

Russow Lehmbackofen für Pilgerstätte

Der historische Jakobsweg soll bald nach Russow führen / Dorfgeschichte in Kapelle dargestellt

Russow. Die ersten Brote hat Bäcker Bernd Husung schon aus dem Lehmbackofen in Russow geholt. Ein rustikales Bauernbrot aus Roggen, Weizenmehl, Sauerteig und Salz. Gleich werden noch Reformationsbrötchen gebacken. Zum Reformationsfest am Montag war das Bauwerk das erste Mal offiziell in Benutzung. 10000 Euro hat der Lehmbackofen gekostet und bleibt nicht die einzige Investition in diesem Jahr auf dem Gelände der verbundenen evangelischen Kirchengemeinde Rerik-Biendorf-Russow. Künftig sollen die historischen Pilgerrouten des Jakobsweges auch nach Russow führen. Dafür soll bis Ende des Jahres eine Pilgerherberge im Gemeindehaus entstehen, in der Kapelle neben der Kirche wird die Dorfgeschichte dokumentiert und neben dem Backofen ein Unterstand mit Sitzgelegenheit geschaffen. Gefördert wird das 60000-Euro-Vorhaben mit 45000 Euro aus dem Leader-Fonds, einem EU-Programm zur Entwicklung ländlicher Räume.

„Wir wollen den Ort beleben“, sagt Kirsten Grapentzin, die sich in Russow engagiert. „Das Dorfleben soll aktiver werden, Kommunikation entstehen“, sagt Pastorin Karen Siegert. Der Lehmbackofen ist dafür der erste Baustein. Den hat Olaf Giertz gebaut. 14 Tage habe er dafür gebraucht. Während früher Öfen komplett aus Lehm waren und dieser die Wärme speicherte, hat der in Russow „nur“ einen Lehmputz. Er ist im Innenraum mit einem feuerfesten Baustoff (Schamotte) ausgekleidet, erläutert der Ofenbauer. Bevor die Brote in den Ofen können, wird dieser geheizt. Dafür brenne im Backraum zwei Stunden ein Feuer. Dann herrschen dort über 300 Grad Celsius. Das abgebrannte Holz werde in einen Schacht geschoben, dann werde der Lehmbackofen eine Stunde abgestellt, damit sich die Wärme verteilten könne. Der Backofen sollte nicht mehr als 280 Grad haben, bevor Brote reingeschoben werden.

„Es ist schön, so etwas im Ort zu haben“, sagt Jacob Schariot, der seine selbstgemachten Brote gleich in kleinen Kästen mitgebracht hat. Ein Roggen-Weizen-Gemisch mit etwas Hafer. Eine Stunde bräuchten die jetzt bei 280 Grad im Ofen, sagt der 52-Jährige, der öfters zu Hause backt. Und schmeckt das Brot aus dem Lehmbackofen anders? „Ja klar“, antwortet Olaf Giertz. Das Holzaroma mache den Geschmack aus. Bäcker Bernd Husung verteilt erste Brotscheiben zum Kosten. Die Probierenden nicken zufrieden. Jetzt kommen die Reformationsbrötchen in den Ofen – süßer Hefekuchenteig mit Rosinen und Mandeln.

Erfahrungen mit Lehmbacköfen hat der 74-Jährige bereits gesammelt. „Mein Großvater hatte eine Bäckerei in Thüringen mit so einem Ofen“, erzählt der Russower. „Der Teig muss in Ordnung sein, dann schmeckt auch das Brot.“ Das in Russow jetzt ein Lehmbackofen steht, findet er gut. „Der ist historisch, erinnert an alte Zeit und funktioniert auch, wenn das E-Werk mal sagt, wir liefern keinen Strom.“ Ab dem Frühjahr sind Backtage geplant, kündigt Pastorin Siegert an.

Die Kapelle neben der Kirche, in der die Dorfgeschichte dargestellt werden soll, ist schon gemalert. Für den Pilgerweg sollen alte Landwege reaktiviert werden, erläutert Karen Siegert. „Es gibt schon einen zwischen Buschmühlen und Spriehusen. Der soll weiter nach Russow führen.“ Für die Erschließung sollen an allen Abzweigen Schilder angebracht werden, welche auf die Erweiterung des Fuß- und Radpilgerweges hinweisen.

„Wie viele Menschen pilgern, wissen wir nicht, aber es werden immer mehr“, so die Pastorin, die hofft, dass durch das Vorhaben, noch mehr Menschen in die Dorfkirche nach Russow kommen. Das mittelalterliche Bauwerk hat eine der ältesten Barockorgeln in Mecklenburg. Im Sommer finden hier Konzerte und Veranstaltungen statt.

Anja Levien

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