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Mit „Schlabberwasser“ zum Erfolg

Kühlungsborn Mit „Schlabberwasser“ zum Erfolg

Noveg-Geschäftsführer Klaus Hannke verabschiedet sich in den Ruhestand. Der 65-Jährige hat die Kühlungsborner Wohnungsgesellschaft wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht.

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Heute sitzt er noch am Arbeitstisch in Kühlungsborn, morgen schon schippert er mit einem Kreuzfahrer auf der Donau: Noveg-Geschäftsführer Klaus Hannke verabschiedet sich in den Ruhestand.

Quelle: Lennart Plottke

Kühlungsborn. An sein Vorstellungsgespräch für den Chef-Posten bei der Kühlungsborner Wohnungsgesellschaft Noveg erinnert sich Klaus Hannke noch genau: „Damals hatte ich ganz viel Schlabberwasser getrunken“, sagt der 65-Jährige und lacht. „Ich habe erzählt und erzählt — offenbar hat es gewirkt.“ Denn letztlich sei die Wahl einstimmig auf ihn gefallen: „Ganz sicher auch, weil man einen erfahrenen Mann brauchte, der gleich loslegen kann.“

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Noveg-Geschäftsführer Klaus Hannke verabschiedet sich in den Ruhestand. Der 65-Jährige hat die Kühlungsborner Wohnungsgesellschaft wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht.

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Für Klaus Hannke, vorher langjähriger Geschäftsführer der Wismarer Wohnungsgenossenschaft, eine Mammutaufgabe. Denn sein Vorgänger habe ihm im Jahr 2008 einen „Scherbenhaufen“ hinterlassen: „Die Bilanz hat ein Minus von vier Millionen Euro aufgewiesen — das muss man sich mal vorstellen.“ Deshalb stand sogar eine Zerschlagung der stadteigenen Gesellschaft im Raum — inklusive Verkauf der 418 Wohnungen an einen privaten Investor. Rund 1200 Kühlungsborner wären davon unmittelbar betroffen gewesen.

„Die Banken haben damals eine 50:50-Chance gesehen, dass das Unternehmen so bestehen bleiben kann“, erinnert sich Hannke. „Da hatte ich viele schlaflose Nächte.“ Letztlich war nach vielen Gesprächen die Volksbank mit im Boot — „weil auch der Direktor der Überzeugung war, dass es hier einen erhaltenswerten Bestand gibt“.

Dabei habe er am Anfang jeden Stein umdrehen und den Rotstift ansetzen müssen: „Das war schon schwierig — auch für meine Mitarbeiter.“ Hannke habe wohl die schlechtesten Start-Bedingungen gehabt, die man sich vorstellen könne, meint Kühlungsborns Bürgermeister Rainer Karl (parteilos): „Durch seine ruhige, sachliche Art — auch in den Verhandlungen mit den Banken — hat er die Noveg wieder so auf Vordermann gebracht, dass wir über einen Verkauf heute gar nicht mehr nachdenken müssen.“

„Kompetenz und Umsicht“ bescheinigt Hannke auch Stadtvertreter Knut Wiek (SPD): „Unsere Noveg ist wieder im ,grünen Bereich‘ — systematisch wurde eine Vielzahl von Wohnungen modernisiert, und auch das ehemals defizitäre Parkdeck ist wieder in den schwarzen Zahlen.“ Er bedauere es sehr, „dass uns Klaus Hannke jetzt aus Altersgründen verlassen muss“, so Wiek.

Inzwischen sei man ein „richtig gutes Team“, meint Hannke — auch, weil die Gespräche über das flüchtige „Guten Morgen“ auf dem Flur hinaus gehen. „Das persönliche Miteinander war mir immer wichtig — ich gehe gern auf die Menschen zu, höre mir ihre Sorgen und Probleme an.“ Und das auch außerhalb des Büros: „Ich bin kein Typ, der nur am Schreibtisch sitzt und mit Zahlen jongliert“, erklärt Hannke.

„Ich muss raus, fahre herum, gucke mir vor Ort an, was zu tun ist — und suche auch das Gespräch mit den Kühlungsbornern.“

Die Bilanz der vergangenen acht Jahre kann sich sehen lassen: Der Sanierungsstau in den Noveg- Blocks wurde abgebaut, die Wohnungen in der Rudolf-Breitscheid- Straße, am August-Bebel-Platz, am Wittenbecker Landweg, in der Waldstraße, im Onkel-Bräsig- sowie im Hanne-Nüte-Weg wurden auf einen frischen, modernen Stand gebracht. Für das große Parkdeck mit 630 Stellplätzen in der Rudolf-Breitscheid-Straße konnte mit dem neuen Eigentümer ein günstiger Pachtvertrag ausgehandelt werden. Dazu spülten Grundstücksverkäufe, wie etwa am Wittenbecker Landweg, jede Menge Geld in die Noveg-Kasse. Er übergebe eine Firma „in ruhigem Fahrwasser“, ist Klaus Hannke überzeugt: „Mit Blick auf die aktuelle Bilanz wird mein Nachfolger mit einer knappen Million Euro wirtschaften können.“

Apropos: Der neue Noveg-Geschäftsführer heißt ab Mitte Mai Steffen Bormke. „Auf unsere Ausschreibung haben sich 19 potenzielle Kandidaten gemeldet“, sagt Bürgermeister Rainer Karl. „Drei kamen in die engere Wahl, und letztlich haben Mitglieder des Aufsichtsrates sowie des Hauptausschusses demokratisch abgestimmt.“

Dass es sich beim neuen Noveg- Chef um den Lebensgefährten von Bauamtsleiterin Peggy Westphal handelt, ist für Karl kein Problem: „Die Noveg ist eine Gesellschaft der Stadt und hat mit dem Bauamt überhaupt nichts zu tun — die beiden Parteien haben nichts miteinander auszumachen“, meint der Bürgermeister. „Und außerdem gibt es in Deutschland auch keine Sippenhaft.“ Bormke habe in den Gesprächen einfach „den besten Eindruck gemacht“.

Und Klaus Hannke? „Ich fahre gern in den Urlaub“, sagt der 65-Jährige, dessen Lebensmittelpunkt künftig wieder Wismar sein wird. „Da haben die 30 Tage im Jahr kaum ausgereicht.“ Kommende Woche geht es traditionell zum Herrentag in den Harz, die gemeinsame Donau-Kreuzfahrt mit Ehefrau Inge im August ist bereits gebucht, dazu steht im Oktober schon die nächste Auslandsreise an: „Und ich habe zwei Töchter und drei Enkel — da gibt es sicher genug zu tun.“

Die Zeit in Kühlungsborn sei „das absolute Highlight“ in seinem Arbeitsleben gewesen, sagt Klaus Hannke und schluckt: „Eigentlich bin ich ja nicht nah am Wasser gebaut — aber sich jetzt endgültig zu verabschieden, von den Menschen und der traumhaften Umgebung, fällt mir schon sehr schwer . . .“

Von Lennart Plottke

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