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Ohne EU-Ausländer läuft nichts mehr

Kühlungsborn Ohne EU-Ausländer läuft nichts mehr

Im Ostseebad Kühlungsborn kommen immer mehr Arbeitskräfte im Gastgewerbe aus Süd- und Osteuropa

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Im Restaurant „Vielmeer“ am Hafen ist immer viel los. Zur Stammbelegschaft gehören längst mehrere Ausländer aus der EU, und im Sommer gibt es dort viele Ferienjobs – auch für Studenten aus Polen und Ungarn.

Quelle: Lutz Werner

Kühlungsborn. Gefühlt – exakte Zahlen liegen noch nicht vor – waren in diesem Sommer so viele Gäste wie noch nie im Ostseebad Kühlungsborn. Hinter den schönen Kulissen der Hotels und Restaurants stets ein Thema: die immer prekärer werdende Arbeitskräftesituation in den vielen Betrieben des Gastgewerbes. „Wir sind zwar ganz gut über den Sommer gekommen, aber oft waren wir am Limit“ – so das Fazit einer Umfrage unter Betrieben in Kühlungsborn und im Grand Hotel Heiligendamm. Und: Ohne ausländische Arbeitskräfte aus der EU läuft nichts mehr.

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Mit 1100 Betten und acht Restaurants in drei Hotels ist die Morada-Kette Branchen-Primus in Kühlungsborn. 200 Jobs müssen dort im Sommer besetzt werden. „Es gab eine große Fluktuation. Aber das eigentliche Problem ist saisonübergreifend. Viele der älteren, guten Stamm-Fachkräfte erreichen das Rentenalter und gehen in den Ruhestand. Die Neubesetzung dieser Stellen geschieht zu gut 70

Prozent durch EU-Ausländer“, sagt Frank Langguth und zählt acht Nationen auf – von Spanien und Portugal im äußersten Westen bis zu Ungarn, Polen und Tschechien im Osten.

Dietrich Rehpenning, Chef des Handwerker- und Gewerbevereins und Inhaber des Restaurants „Alte Backstube“, weiß von Restaurants in Kühlungsborn, die mitten in der Hochsaison zwei Ruhetage in der Woche hatten. „Da war die Personalsituation so dünn, dass sie anders nicht über die Runden gekommen wären. Denn irgendwann brauchen die Mitarbeiter auch ihre freien Tage.“

Der Lehrlingsmarkt sei fast total eingebrochen, und auch immer weniger Fachkräfte aus Deutschland würden sich bewerben. „Im Service kann man im Sommer viel über die Ferienarbeit von Schülern und Studenten regeln. Das geht bei Köchen natürlich nicht. Gerade hier haben wir in der Branche Probleme, und die werden nicht kleiner werden“, weiß Rehpenning. Davon kann auch Sarah Kurbjuhn vom Hotel „Polar-Stern“ ein Lied singen. „Wir haben es geschafft“, stellt sie fest. Im Hotel-Bereich habe es keine Probleme gegeben. Dafür aber im Restaurant, weil über die ganze Saison hinweg zwei Arbeitskräfte im Service gefehlt hätten. Heißt: „Auf das Mittagstisch-Angebot mussten wir verzichten und uns – neben dem Frühstück – vor allem auf das Abendgeschäft konzentrieren. An sich eigentlich mögliche Umsatzsteigerungen im Bereich der Gastronomie waren so nicht möglich“, sagt sie. Auch in dem kleinen, familiengeführten Hotel läuft ohne ausländische Arbeitskräfte, vor allem aus dem EU-Raum, nichts mehr.

Das bestätigt auch Peter Weide, der Inhaber vom mehrfach ausgezeichneten Restaurant „Vielmeer“ im Hafen. Dort gibt es eine Stammbelegschaft von 30 Leuten, im Sommer kommen noch einmal 20 Schüler und Studenten mit Ferienjobs dazu. „Ich habe drei festangestellte Griechen im Team, dazu kommt ein Afghane. Und die Ferienjobs wurden oft von Studenten aus Ungarn und Polen besetzt, die in Deutschland Geld verdienen und zugleich etwas für ihre Sprachkenntnisse tun wollten“, berichtet er.

Das Grand Hotel Heiligendamm hat sein Netzwerk ausgeweitet, um Arbeitskräfte-Probleme zu Spitzenzeiten in den Griff zu bekommen. „Saisonkräfte aus Polen und Tschechien, aber auch aus Hotelfachschulen in Österreich und der Schweiz haben uns sehr geholfen“, stellt Direktor Thomas Peruzzo fest. Das Grand Hotel will das Arbeitskräfte-Problem mit einem ganz großen Wurf lösen. „Wir werden 70 bis 80

Wohneinheiten für Mitarbeiter in Heiligendamm bauen – funktional, aber mit sehr moderner Ausstattung“, kündigt Peruzzo an. Denn die begehrten Arbeitskräfte zu bekommen sei das eine Problem, das der Unterbringung ein weiteres. Flüchtlinge als Arbeitskräfte im Gastgewerbe? Zu diesem Thema ist sich die Branche einig: Im Prinzip sehr gern, aber ohne gute und vor allem geprüfte Deutschkenntnisse mache das keinen Sinn. „Arbeitskräfte im Hotel- und Restaurantbereich haben fast immer mit Gästen zu tun. Die sichere Beherrschung der deutschen Sprache ist eine Voraussetzung für einen solchen Job“, sagt Wolfgang Dierck vom Neptun Hotel.

Lutz Werner

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