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Rerik will Stopp für Ferienwohungen

KOMMENTAR Rerik will Stopp für Ferienwohungen

Bauausschuss lehnt Umnutzung von Dauer- in Ferienwohnungen ab

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Soll im Ostseebad Rerik als B 28 „Postacker“ bebaut werden: die grüne Fläche links neben dem Sportplatz.

Quelle: Foto: Rolf Barkhorn

Rerik. Das Ostseebad Rerik will den Wildwuchs an Ferienwohnungen eindämmen. Zugleich soll damit im Stadtkern der Wohncharakter gestärkt werden. Das wurde in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend deutlich.

Die Formulierung, dass in Rerik das Dauerwohnen stärker etabliert werden soll, das hörten die über 20 Besucher mehrmals am Abend – sowohl von Planer Ronald Mahnel als auch von Vertretern des Bauausschusses. Bei der Vorstellung des neu zu erschließenden kleinen Baugebietes 28 „Postacker“ neben dem Sportplatz, bei den Ausführungen zum Baugebiet 19 „Friedensstraße“ und bei den Erläuterungen zum B-Plangebiet im Stadtkern kam Mahnel immer wieder darauf zu sprechen, dass es politischer Wille und sanierungsrechtlich geboten sei, den Wohncharakter in den Gebieten nicht nur zu erhalten, sondern das Verhältnis von Dauerwohnungen zu Gästequartieren zugunsten der Dauerwohnungen zu verändern.

Aus wildem Parkplatz sollen Baugrundstücke werden

Beim „Postacker“ handelt es sich um eine bislang als wilden Parkplatz genutzte Fläche an der Mittelallee in Nachbarschaft zum Sportplatz. Denkbar sind hier vier Baugrundstücke ebenso wie drei oder zwei Baufelder mit Gebäuden, die dreigeschossig erstellt werden dürfen – wobei es sich in der obersten Etage um ein Staffelgeschoss oder um Räume unter einem Steildach handeln kann.

Auf die Zuschauerfrage, welche Nutzung für die Häuser gestattet sei, stellte Mahnel klar: „Hier sind nur Wohnungen in Dauernutzung, Anlagen des gemeindlichen Bedarfs sowie nicht störendes Handwerk erlaubt. Grundsätzlich ausgeschlossen aber ist eine Nutzung zur Ferienvermietung.“ Auch das Bewohnen einer Zweitwohnung für wenige Monate im Jahr sei nicht mit dauerhaftem Wohnen gleichzusetzen.

Die Straße zwischen Baugrundstücken und Sportplatz soll bleiben. Außerdem sollen in dem Bereich öffentliche Parkplätze erschlossen werden. Eng kann es dem Planer zufolge im hinteren Bereich an der Fritz-Reuter-Straße werden, die in die Leuchtturmstraße mündet. Begegnungsverkehr auf dem nur drei Meter breiten Weg wird kaum möglich sein. Eventuell muss an den Rändern die Hecke weichen. Das soll im Laufe des Planverfahrens beraten werden. Nachdem die Ausschussmitglieder einstimmig der Abwägung des Vorentwurfes für den „Postacker“zugestimmt hatten, ließen sie auch den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss passieren. Damit kann der B-Plan in der Stadtvertretersitzung weiter beraten werden.

Keine zusätzliche Ferienvermietung in Siedlung

Als der Entwurf- und Auslegungsbeschluss für das Baugebiet 19 „Friedensstraße“ behandelt wurde, unterstrich Planer Ronald Mahnel, dass es bei diesem Stadtteil Reriks darauf ankomme, den Charakter der Siedlung aus den 1930er Jahren zu erhalten. Bestandserhebungen hätten ergeben, dass Ferienvermietung hier nur eine sehr geringe Rolle spiele. Diese sei genehmigt, mache aber nur knapp 10 Prozent der Bebauung aus. Auch künftig soll es im Gebiet „Friedensstraße“ nicht gestattet sein, in erster Reihe Urlauber zu beherbergen. Die strikte Reriker Linie setzte der Bauausschuss auch um, als über Anträge von Hauseigentümern auf Nutzungsänderung von Dauerwohnungen in Ferienquartiere entschieden wurde. Drei solcher Anträge aus dem B-Gebiet 30 lehnte der Ausschuss, argumentativ unterstützt von Planer Ronald Mahnel, mit stets derselben Begründung ab: „Der Wohncharakter in Rerik soll gestärkt werden.“

Der Vorsitzende des Bauausschusses, Thomas Hähnel (SPD), berichtete, dass dem Gremium immer wieder Anträge mit dem Ziel vorgelegt werden, Ferienwohnungen in Wohngebieten zu legalisieren. „Wir hatten im vergangenen Jahr mal in einer Sitzung 27 Anträge vorliegen“, schilderte Hähnel und ergänzte: „Aber die Zahl der Wohnungsanträge, die beim Sozialausschuss liegen, ist deutlich höher.“

Stadt ist anderen um Längen voraus

Langfristig können vom rigorosen Vorgehen der Stadt Rerik gegen unerwünschte Urlauberquartiere in Wohngebieten viele profitieren. Wenn es den Reriker Kommunalpolitikern gelingt, mit ihrer strikten Haltung den Wildwuchs und damit drohenden Massentourismus zu verhindern, wird sich das positiv auswirken – auf das Leben im Ostseebad, auf das Gesamtniveau der legalen touristischen Angebote bis hin zur Wertsteigerung von Wohneigentum. Der häufig formulierte Anspruch im Tourismus auf „Klasse“ statt auf „ Masse“ zu setzen, ist nur erfüllbar, wenn der unkontrollierten Zunahme an Gästebetten wirksam Einhalt geboten wird. In dieser Hinsicht ist Rerik anderen Tourismusorten um Längen voraus. Zwar beklagen auch Kommunalpolitiker im benachbarten Kühlungsborn schon länger, dass die Zahl der Ferienwohnungen längst an ihre Grenze gestoßen sei. In der Praxis aber werden sogar B-Pläne auf Kosten der Bürger geändert, um nachträglich Gästebetten in Neubausiedlungen ausdrücklich zu erlauben.

Rolf Barkhorn

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