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Schockierend, aufklärend und ehrlich

Rerik Schockierend, aufklärend und ehrlich

Dominik Forster, ehemaliger Drogen- abhängiger und Dealer, hat Schüler in Rerik mit seinem Vortrag beeindruckt.

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Dominik Forster war viele Jahre drogenabhängig und geriet so auf die schiefe Bahn. Heute will er mit seinem Buch aufklären.

Rerik. Er wirkt sportlich. Nichts deutet auf den ersten Blick darauf hin, was Dominik Forster aus Nürnberg schon hinter sich hat. Bis auf eines: Am Hals blicken Tattoos über seinem Jackenkragen hervor: Sterne. Sie, so erfuhren Schüler der Freien Schule Rerik am Mittwoch bei seinem Vortrag, deuten auf einen Gefängnisaufenthalt hin.

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Dominik Forster, ehemaliger Drogen- abhängiger und Dealer, hat Schüler in Rerik mit seinem Vortrag beeindruckt.

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Man hofft immer, es geht wieder aufwärts an jener Stelle, wo das Glücksgefühl sich einstellt".Dominik Forster, Buchautor

Dominik Forster saß wegen Drogenhandels im großen Stil und er war selbst süchtig. Heute ist er frei von Drogen, von Alkohol und Zigaretten, die lange Zeit sein Leben bestimmten – die ihn in einen psychischen und körperlichen Totalabsturz und beinahe ins Grab brachten. Sein Körper hat diese Zeit nicht ganz vergessen.

Vor allem die posttraumatische Störung – eine Folge von Ereignissen katastrophalen Ausmaßes – begleitet ihn noch. Dominik Forster arbeitete hart an sich und mobilisierte neue Kräfte, denn auf ihn wartet eine große Lebensaufgabe:

Der 28-Jährige will aufklären und Vorbild sein. Er las während seiner Präventionsveranstaltung an der Freien Schule Rerik aus seinem im Verlag duotincta erschienen Buch „crystal.klar“.

Mehr als 70 Schüler von der 8. bis zur 11. Klasse erfuhren, wie sein Leben, angefangen mit einer lieblosen Jugend bis hin zur Gefängnisstrafe verlief und was Dominik Forster unter seinem von ihm erfundenen Regenbogenprinzip versteht. „Ich habe Dinge erfahren, die ich so nicht für möglich gehalten habe. Einiges war erschreckend", sagte im Anschluss Schülerin Viviane Hahn. „Das war nicht nur interessant, sondern auch lehrreich", meinte Paula Neujahr. Beide Schülerinnen gehen in die 8. Klasse. „Sehr authentisch, krass und ehrlich“, fasste die Schulsozialpädagogin Stephanie Riedel knapp zusammen.

Forster spricht die ungeschönte Sprache der Jugend. Ohne vorgefertigte Phrasen, ohne erhobenen Zeigefinger, einfach ehrlich. Seine Worte gehen tief, sie erschrecken auch, sie entblößen nicht nur sein eigenes altes Leben, sondern auch das vieler anderer Drogenabhängiger. Was mit einem Menschen geschieht, der Drogen zu sich nimmt, nennt er das „Regenbogen-Prinzip“. Auch an der Freien Schule ließ

Forster die Schüler teilhaben, welche Euphorie er anfangs fühlte. Wie kraft- und machtvoll, wie unbesiegbar er sich selbst sah – ja fast schon gottgleich. Ein Bogen, der bis zur Mitte reicht, um dann unaufhaltsam in die Tiefe zu stürzen. „Man hofft immer, es geht wieder aufwärts an jener Stelle, wo das Glücksgefühl sich einstellt und nimmt immer mehr Drogen", sagte er. Fäkalien an der Wand, Schimmel an den Wänden – auch sein Wohnumfeld spiegelte sein Innerstes wider.

Mit 17 begann Forsters Weg in die Drogenszene. Lange versuchte er sich dagegen zu wehren. Anerkannt zu sein, Mitglied einer Gruppe, ein Macher, das war für ihn damals nur durch Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen möglich. Dominik Forster will mit seinen Vorträgen, die er an vielen Schulen in der Bundesrepublik hält, aufrütteln.

Klarmachen, dass Drogen kein Spiel sind, sondern zu starken Bewusstseins-Störungen und letzten Endes zum Tod führen, wobei der Weg dorthin oft einen Umweg über das Gefängnis geht.

Ein weiteres Buch ist geplant. Dominik Forster hat noch einige Ideen, aber noch kann er nicht davon leben. Der Autor bekommt Arbeitslosengeld II. Auch davon möchte sich Forster so bald wie möglich befreien. Der ehemalige Drogenabhängige sieht sich aber auf einem sehr guten Weg. Und vielleicht wird sein Leben auch Stoff für einen Film? Dann hoffentlich genauso ehrlich, so lebensnah, wie er seine Vorträge gestaltet.

• Internet: www.dominik-forster.de

Buchtitel: „crystal.klar“,

ISBN 978-3-946086-26-0

Sabine Hügelland

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