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Schwestern feiern Goldene Hochzeit

Russow Schwestern feiern Goldene Hochzeit

Die Russower waren in ihrer Kindheit durch die Mauer getrennt / Den großen Tag genießen sie gemeinsam

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Zwei goldene Hochzeitspaare (v.l.): Die Russower Ursula und Horst Reinhardt sowie Heidi und Bernd Husung feiern gemeinsam Goldene Hochzeit. Die Wende machte es möglich.

Quelle: Sabine Hügelland

Russow. Gemeinsam sind sie hundert Jahre verheiratet: Heidi und Bernd Husung – Ursula und Horst Reinhardt. Die vier feiern heute in Rerik ihre Goldene Hochzeit – und sind verwandt. Heidi Husung und Ursula Reinhard sind Schwestern.

Nach einem Zank immer wieder und vor allem vor dem Schlafen gehen, vertragen. Aber Zank ist das Salz der Liebe.“Bernd Husung über das Rezept

für 50 Jahre Ehe

Welches Geheimrezept für eine 50-jährige glückliche Ehe haben diese beiden Paare? „Reden ist wichtig – und sich aussprechen“, macht die 68-jährige Ursula Reinhardt klar. Auch für Bernd Husung steht fest: „Nach einem Zank immer wieder und vor allem vor dem Schlafen gehen vertragen. Aber Zank ist das Salz der Liebe.“ Seine Eltern hätten es ihm vorgelebt, auch sie blieben ihr Leben lang zusammen.

„Am 25. März 1966 haben wir geheiratet. Am 19. Mai sind wir das erste Mal nach Russow zu ihrer Schwester gefahren. Am Bahnhof Neubukow spürte ich die mecklenburgische Luft, es war, als strömte sie von selbst in die Lunge“, erinnert sich der 70-Jährige. „Da habe ich mich in die mecklenburgische Landschaft verliebt.“ Jährlich fuhren die beiden aus Nordrhein Westfalen mit ihren Kindern in die DDR. „Als sich uns die Gelegenheit bot, nach der Wende und mit der Rente bei Uschi und Horst auf dem Grundstück zu bauen, brachen wir schnell unsere Zelte in NRW ab“, sagt er.

Dabei schien das Glück Heidi Husung erst gar nicht hold. Denn ein Besuch bei ihrer Oma im Westen Deutschlands ließ sie als Dreijährige unfreiwillig dort bleiben. Ihre Mutter fuhr zurück nach Thüringen und wollte die anderen Kinder nachholen, was nicht mehr möglich war. Die kleine Heidi durfte nicht mehr in die DDR einreisen. Sie wuchs bei ihrer Oma auf und arbeitete später in einer Backstube, die ihr schließlich das Glück brachte.

Bernd Husung erinnert sich an die erste Begegnung in der Backstube: „Mit meinem Juniorchef war ich oft auf Brautschau, bis er sagte: Geh mal nach oben in die Backstube. Da ist eine tolle neue Perle, die wäre die Richtige für dich.“ Ihr wäre beinahe die Schokolade übergelaufen, denn es traf sie wie ein Blitz: Es war bei beiden Liebe auf den ersten Blick. „Ich habe immer noch Bauchkribbeln wie frisch verliebt“, sagt die 69-Jährige. „Ja es ist die große Liebe, immer noch“, und ihre blauen Augen strahlen glücklich.

Nur wenn sie zurück denkt, dass bei ihrer Hochzeit – 19 Jahre alt war sie da – weder Schwester noch Mutter dabei sein konnten, weil die Mauer noch stand, wird sie traurig: „Uschi habe ich so viel zu verdanken. Sie hat die Familie stets zusammengehalten. Wenn sie nicht wäre, wären wir jetzt nicht hier“, sagt Heidi Husung.

Nach der Heirat machten Heidi und Bernd Husung ihren Lebenstraum wahr und eröffneten eine Bäckerei, für die der Ehemann seinen Meister machte. Drei Jahre ging alles gut, doch als er schwer an Mehl-Asthma erkrankte, musste er aufgeben und die Bäckerei verkaufen. Bernd Husung schulte drei Jahre lang zum großen Krankenpfleger um, seine Frau ging in den Verkauf. Aus ihrer Ehe gingen zwei Töchter hervor. Die Schwester Ursula Reinhardt zog 1968 von Thüringen mit der Familie nach Russow. Ein gutes Omen war sicher schon, dass sie ihren Mann bei einer Hochzeitsfeier kennenlernte, wo sie als Tischdame eingeladen war. Auch bei diesem Paar war es Liebe auf den ersten Blick.

Nach zwei Jahren Verlobung heiratete Ursula Reinhardt mit 18 Jahren ihren Horst. Sie bekamen zwei Kinder und zwei Enkel. Ihr Berufsweg begann in einer Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Geflügelzucht und endete als ausgebildete Köchin in Rerik. Horst Reinhardt arbeitete als Schlosser und Werkstattleiter in der LPG.

Die beiden glücklichen goldenen Hochzeitspaare feiern mit 70 Verwandten und engsten Freunden. Ihre Lieblingsband „Hilde’s Dorforchester“ ist schon lange bestellt. „Sie spielen auch die Musik der ,17 Hippies’“, sagt Bernd Husung. Ein Musikmix aus dem Balkan, Klezmer und anderem. „Entdeckt haben wir sie bei einem ihrer Konzerte im Gutshaus Garvensdorf. Wir fragten, ob sie in fünf Jahren bei unserer goldenen Hochzeit spielen würden, sie sagten zu und hielten Wort“, freut sich Heidi Husung.

Getanzt wird allerdings etwas langsamer als früher, wie Ursula Reinhardt mit einem Schmunzeln verrät. Es zwickt und zwackt nun doch schon ein wenig. „Tanzen bedeutet Lebensfreude und die lassen wir uns trotzdem nicht nehmen“, sagt Heidi Husung.

Sabine Hügelland

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