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Tourismus ist mehr als nur Marketing

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Strand, Toiletten, Kuranlagen, Event-Bereiche: Bau und Erhaltung kosten viel Geld, weiß Kämmerer Dirk Lahser

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Buhnenbau, Sandaufspülung: Rund vier Millionen Euro hat Kühlungsborn in den vergangenen Jahren in einen breiteren Sandstrand investiert. „Vor allem wegen des Strandes kommen die Gäste“, weiß Dirk Lahser.

Kühlungsborn Touristik-Chef Ulrich Langer hat in den zurückliegenden Wochen mehrfach kritisiert, dass die Touristik Service Kühlungsborn GmbH (TSK) im Haushaltsjahr 2016 mit 100000 Euro weniger auskommen muss als im Jahr zuvor. In Kühlungsborn gibt es keine städtische Kurverwaltung. Die TSK-GmbH sorgt als privatwirtschaftlich strukturierter touristischer Dienstleister für das zentrale Marketing, die Werbung und die Veranstaltungen im Ostseebad — und bekommt dafür Geld aus dem Stadthaushalt. Dirk Lahser, der Kämmerer und erste stellvertretende Bürgermeister, hält dagegen. „Tourismus-Förderung ist mehr als nur Marketing“, sagt er.

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Strand, Toiletten, Kuranlagen, Event-Bereiche: Bau und Erhaltung kosten viel Geld, weiß Kämmerer Dirk Lahser

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Touristik-Chef Langer hat angekündigt, dass er aufgrund der finanziellen Situation in diesem Jahr Abstriche am Marketing für das Ostseebad machen muss. Kann Kühlungsborn das verkraften?

Dirk Lahser: Das Ostseebad Kühlungsborn ist längst eine touristische Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Ein Jahr lang geht es auch mal mit etwas weniger Aufwand im Marketing. Und mit einer Zuwendung von 1,4 Millionen Euro aus den Einnahmen von Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe ist die TSK noch immer sehr komfortabel und auf einem hohen Niveau ausgestattet. Das bestätigen mir auch meine Kollegen in Binz und Heringsdorf.

Der TSK-Chef hatte sogar 1,6 Millionen beantragt — um das Auslandsmarketing zu stärken und ein weiteres großes Event machen zu können. Wie kam es zu der Kürzung gegenüber dem Vorjahres-Niveau?

Lahser: Tourismus-Förderung — das ist nicht nur Marketing, Werbung und Events. Wir haben dort viele Baustellen und Aufgaben. Die touristische Infrastruktur in einem Ostseebad kostet viel Geld, immer mehr Geld.

Könnten Sie das etwas konkreter darlegen?

Lahser: Buhnenbau, Sandaufspülung: Wir haben in den zurückliegenden Jahren allein rund vier Millionen Euro in einen deutlich breiteren Sandstrand investiert. Der Strand ist unsere wichtigste touristische Infrastruktur. Deshalb kommen die Gäste. Der Neubau des Lindenparks kostete 1,2 Millionen Euro. Die Neugestaltung des Minigolf-Parks mit der Mehrzweckhalle wird mit 2,4 Millionen Euro durchschlagen, in die geplante technische Infrastruktur für den Eventstrand werden rund eine Million Euro fließen. Das sind nur die großen Brocken. Die Einnahmen aus Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe sind zwar bedeutend, wachsen aber nicht in den Himmel.

Wie viel Geld kommt da eigentlich im Jahr zusammen?

Lahser: 2015 hatten wir drei Millionen Euro Einnahmen aus der Kurtaxe und 573000 Euro aus der Fremdenverkehrsabgabe. Sie wird von Unternehmen gezahlt, die am Tourismus verdienen.

Viel Geld. Und dann muss ausgerechnet beim Marketing gespart werden?

Lahser: Auch die Aufwendungen für den Erhalt der touristischen Infrastruktur steigen ständig— weil sie immer größer wird und weil alles teurer wird. Nur ein paar Beispiele: Die Pflege der Kuranlagen kostet im Jahr rund eine Million Euro, die 19 kostenlosen öffentlichen Toiletten schlagen mit 370000 Euro durch, die Strandreinigung kostet 120000 Euro. Wir leisten uns auch noch Extras. Allein die Kunsthalle wird mit 145000 Euro im Jahr gefördert. Das ist der größte Extra-Posten. Es gibt aber noch viele andere, die sich zwischen 5000 und 26000 Euro im Jahr bewegen.

Der Touristik-Chef befürchtet tourismuspolitischen Stillstand in Kühlungsborn? Was sagen Sie dazu?

Lahser: Wir haben an der Schnittstelle von Politik und Tourismus ein hausgemachtes strukturelles Problem. Die TSK wurde 2001 mit dem Ziel gegründet, die professionellen Touristiker ihren Job machen zu lassen, ohne dass die Stadtpolitik hineinredet. Was ganz gut funktioniert. Dieses Problem hatte zuvor immer der städtische Kurdirektor. Aber dabei wurde der TSK-Chef von den politischen Strukturen abgekoppelt. Er hat weder im Kurbetriebs- und Wirtschaftsförderungsausschuss noch in der Stadtvertretung ein Mitwirkungsrecht. Die Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung und Tourismus funktioniert nicht mehr richtig. Das Problem müssen wir lösen. Hier hat Ulrich Langer Recht.

Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe — aus diesem Topf wird viel finanziert

1,6 Millionen Euro hatte Touristik-Chef Ulrich Langer für Marketing, Werbung und Veranstaltungen für das Haushaltsjahr 2016 beantragt. 1,4 Millionen Euro wurden von der Stadtvertretung bewilligt. 2015 konnte der Touristik-Service noch mit 1,5 Millionen Euro wirtschaften.

3,57 Millionen Euro betrugen 2015 die Einnahmen aus Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe, die zweckgebunden für den Tourismus ausgegeben werden müssen. 2016 wird mit einem ähnlichen Volumen gerechnet. Aus diesem Topf kommt das Geld für die TSK.

1,5 Millionen Euro kosten pro Jahr die Erhaltung und Pflege der Kuranlagen, die Strandreinigung sowie der Betrieb der 19 öffentlichen Toiletten in Kühlungsborn. Das Geld kommt aus Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe. Wie auch Förderungen in Größenordnungen — wie für die Kunsthalle.

Von Interview von Lutz Werner

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