Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Traum von zweiter Seebrücke geplatzt

Kühlungsborn Traum von zweiter Seebrücke geplatzt

Jetzt sorgt in Kühlungsborn ein Beitrag in einem Journal für Aufregung / Er lässt das Rathaus schlecht aussehen

Voriger Artikel
Wittenbecker feiern ihr Dorffest
Nächster Artikel
Strand-Party – fast mit Tropen-Flair

In Kühlungsborn West gab es vor dem Zweiten Weltkrieg schon einmal eine Seebrücke – vor dem Haus „Meeresblick“ (l.). Bei den Überlegungen der Stadtvertretung zum Neubau einer Seebrücke ist der traditionelle Standort im Gespräch, aber auch die Achse in Verlängerung der Hermannstraße.

Quelle: Lutz Werner

Kühlungsborn. Der Traum des Ostseebades Kühlungsborn, von einem Investor Volker Tabaczek am Strand vor dem Baltic Platz im Ortsteil West eine zweite Seebrücke gebaut zu bekommen, hat sich über den zurückliegenden Sommer in heiße Luft aufgelöst.

Denn der 56-jährige Berliner, der einst eine große Nummer im DDR-Radrennsport war und angeblich als Finanzberater sein Geld in den USA gemacht haben soll, „ließ sich im Rathaus einfach nicht mehr blicken“, so Kühlungsborns stellvertretender Bürgermeister Dirk Lahser (parteilos). Auf seinem privaten, großen Villen-Doppelbaugrundstück am Rieden wurde die gigantische Baugrube wieder zugeschüttet, das Grundstück ist wieder geteilt worden – wie im Bebauungsplan vorgeschrieben. „Er scheint sich dort zurückgezogen zu haben“, stellt Bauamtsleiterin Peggy Westphal fest.

Seit Ende August sorgt in Kühlungsborn ein umfangreicher Beitrag aus dem „Berlin Journal“ zusätzlich für viele Diskussionen. Dort werden Tabaczeks – wie es dargestellt wird dubiosen – Geschäfte beleuchtet. In Berlin habe sich sogar eine Geschädigtengemeinschaft gegründet. In diesem Beitrag „wird Bürgermeister Rainer Karl, dem Blauäugigkeit unterstellt wird, geradezu vorgeführt und es werden Behauptungen aufgestellt, die schlicht falsch sind“, stellt Vize Dirk Lahser fest. Rainer Karl (parteilos) ist zurzeit auf einer längeren Urlaubsreise unterwegs.

Karl solle sich für eine Baugenehmigung für das Seebrücken-Projekt mit Schwimmbad, Unterwasser-Restaurant, Geschäften und Aquarien – Investitionsumfang 38 Millionen Euro – eingesetzt haben, die schließlich im Herbst vergangenen Jahres erteilt sein soll. Nun, da das Projekt geplatzt sei, herrsche Katerstimmung im Rathaus und die Rathausmitarbeiter könnten nur noch auf das Projektfoto vom geplatzten Traum in ihrem Dienstgebäude schauen. „Nichts davon ist wahr“, so Lahser. Eine Baugenehmigung für das Projekt sei von Tabaczek nie beantragt, geschweige dann erteilt worden. Im Rathaus hinge kein Traumbild von der Seebrücke und Katerstimmung herrsche auch nicht, „da sich die Zweifel an der Seriosität des Investors schon lange vorher verdichtet hatten“, stellt Lahser fest. Man habe schon lange alle verfügbaren Informationen im Internet, die über die Person Tabaczek, sein Geschäftsgebahren und die Prozesse, in die er verwickelt war und ist, intensiv verfolgt, so Lahser.

„Die Stadt Ostseebad Kühlungsborn ist mit Herrn Tabaczek keinerlei vertragliche Beziehungen eingegangen, ihr ist kein Schaden entstanden“, betont Lahser. Das unterstreicht auch Stadtvertretervorsteher Uwe Ziesig (parteilos). „In dieser Sache wurden weder vom Rathaus noch von der Stadtvertretung Fehler gemacht“, sagt er. Stadtvertreter Knut Wiek (SPD) sieht das differenziert. „Juristischer oder gar finanzieller Schaden ist nicht entstanden, aber ein Imageschaden. Der Bürgermeister hat dieses völlig unseriöse Projekt immer wieder – an den Stadtvertretern vorbei – in der Presse kommuniziert. Und wir haben mit diesem Windei vier Mal in Ausschüssen unsere Zeit verplempert. Kühlungsborn hat sich lächerlich gemacht“, findet er deutliche Worte. Es wäre besser gewesen, dieses „vermeintliche Projekt, bei dem von Anfang an Zweifel am Investor vorhanden waren, zunächst nichtöffentlich kritisch zu hinterfragen.“

Das ist bisher tatsächlich geschehen: Im November 2014 tauchte Tabaczek beim Bürgermeister auf und versprach, Kühlungsborn mit einer großen, von ihm finanzierten Seebrücke beglücken zu wollen. Knapp ein Jahr später kam er mit dem renommierten Wasserbau-Ingenieur Bernd Opfermann wieder, und präsentierte im Rathaus Zeichnungen, die darstellten, wie das Bauwerk aussehen könnte. Gezeichnet hatte sie Opfermann, der unter anderem den Kühlungsborner Hafen und die Yachthafen-Residenz Hohe Düne geplant hatte. „Seitdem hatten wir von Tabaczek in dieser Sache nichts mehr gehört“, so Lahser.

Mehrere Ausschüsse der Stadtvertretung beschäftigten sich trotzdem mit den Entwurfszeichnungen, um festzustellen, „dass wir grundsätzlich in West eine Seebrücke wollen, aber diese Form der Ausführung wohl kaum möglich sein wird“, erklärt Lahser. Etwas Entscheidendes sei aber trotzdem geschehen. Die Stadtvertretung habe den Bürgermeister beauftragt, für die Wasserfläche vor dem Strandabschnitt zwischen Hermannstraße und Kolonnaden ein Inkommunalisierungsverfahren einzuleiten. Heißt: Den Küstenstreifen aus dem Eigentum des Landes in die Hände der Stadt zu überführen. Das sei die eigentumsrechtliche Voraussetzung, um am Strand und im Meer bauen zu können. „Völlig unabhängig vom Tabaczek-Projekt. Denn an dem Ziel, in Kühlungsborn West eine Seebrücke zu bauen, werden wir festhalten.“

Lutz Werner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
OZ-Bild
mehr
Mehr aus Kühlungsborn
Verlagshaus Bad Doberan

Service-Center:
Am Markt 2
18209 Bad Doberan

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 17.00 Uhr

Redaktion:
Alexandrinenplatz 1 a
18209 Bad Doberan

Leiterin Lokalredaktion: Anja Levien
Telefon: 0 38 203 / 55 300
E-Mail: bad-doberan@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.