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Ultraläufer rennt über die Alpen

Kühlungsborn Ultraläufer rennt über die Alpen

Heiko Bahnmüller aus Kühlungsborn schafft die 100 Meilen in den Tiroler Alpen in 43 Stunden und 27 Minuten

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Heiko Bahnmüller vor dem Start zu einem Extremlauf in den Alpen – mit der typischen Ausrüstung: dem vorgeschriebenen Rucksack mit Verpflegung und Stöcken, ohne die er im Hochgebirge nie unterwegs ist.

Quelle: privat

Kühlungsborn. Heiko Bahnmüller aus dem Ostseebad Kühlungsborn hat in einem Extremlauf die Alpen überquert, der am 5. August um 22 Uhr in Seefeld in Tirol (Österreich) gestartet wurde und für ihn nach 43 Stunden und 27 Minuten im Ziel in Brixen in Südtirol (Italien) endete. Die 160 Kilometer – oder 100 Meilen – wurden in einer Etappe gelaufen. 9224 Höhenmeter waren dabei im Aufstieg zu bewältigen, 9843 Höhenmeter im Abstieg. Salomon Alpen X 100 – so der Name des Extremsport-Events, das erstmalig ausgetragen wurde.

 

OZ-Bild

Für die Läufer, die die Strecke von Seefeld nach Brixen geschafft hatten, gab es ein T-Shirt und eine Medaille.

Quelle: Lutz Werner

Gut trainiert sind alle. Wichtig ist, dass der Kopf mitspielt.“Heiko Bahnmüller

„Unterwegs gab es 15 Verpflegungsstationen, die – von Station zu Station – in einem Zeitlimit zu erreichen waren. In zwei Stationen gab es Feldbetten für eine längere Rast. Darauf habe ich verzichtet“, so der drahtige, durchtrainierte 47-Jährige. Am schlimmsten sei der Lauf in den beiden Nächten gewesen. „Durch den Regen waren die Wanderwege in den Bergen, die manchmal nur Pfade waren, sehr glitschig. Es war windig und die Temperaturen gingen runter bis auf 4 bis 5 Grad“, erzählt er. Viele Läufer hätten dabei Schüttelfrost bekommen und aufhören müssen.

„Bei so einem Lauf entscheidet die mentale Stärke. Gut trainiert sind alle. Wichtig ist, dass der Kopf mitspielt“, weiß er aus der Erfahrung vieler Alpinläufe. „Unter denen aber die 100 Meilen von Seefeld nach Brixen bisher die größte Herausforderung waren.“

Bis ins Ziel schafften es am Ende nur 61 von den ursprünglich gestarteten 160 Teilnehmern, darunter zwei von 17 teilnehmenden Frauen. Bahnmüller gehörte zu den glücklichen „Finishern“, für die es zur Erinnerung ein T-Shirt und eine Medaille gab. Der Sieg ging an den Weltklasse-Trailrunner Iker Karrera aus Spanien. „Auch er war nach den 160,4 Kilometern am Ende seiner Kräfte. Das Rennen unter schwierigsten Bedingungen brachte alle Teilnehmer an ihre physischen und psychischen Grenzen“, so Bahnmüller. Er belegte in seiner Altersklasse den 14. Platz, im Gesamtklassement den 41. Rang.

Ultraläufer – so bezeichnen sich die Extremsportler aus dieser Szene, die vor allem in Hochgebirgen, Wüsten und anderen extrem schweren Terrains unterwegs sind. Bahnmüller läuft solche Rennen, die ihn auch schon in die Sahara führten, seit 2008. Zuvor war er viel im Inline Speed Skating und auf Marathon-Distanzen unterwegs. In den 1990er Jahren hatte er seine Sport-Karriere mit Triathlon begonnen. Alles Disziplinen, die Sportler bis an ihre Grenzen bringen.

„Ich habe einfach Spaß daran und es ist interessant, die eigenen Grenzen auszuloten. Zugegeben, dabei wurde es immer extremer“, sagt der Ultraläufer. Zum Testlauf für die Alpenüberquerung wurde im Juni ein Ereignis, das es auch in sich hatte: der Zugspitz Ultra Trail – 100 Kilometer Laufstrecke, 5400 Höhenmeter. Dazu kamen ungezählte Trainingsläufe an der Steilküste – Kühlungsborn-Warnemünde und wieder zurück sowie „Bergtraining in der hügeligen Kühlung und am Signalberg, auf dem der Bastorfer Leuchtturm steht“.

Heiko Bahnmüller lebt erst seit November vergangenen Jahres mit seiner Familie in Kühlungsborn. Der Job führte ihn von Bayern an die Küste. Sportlehrer Heiko Bahnmüller, Zivilangestellter bei der Bundeswehr, ist seit November 2015 Sport-Dezernent in der Hanse-Kaserne der Bundesmarine in Rostock. In Kühlungsborn fand die Familie ein Haus, das passte, und „das Flair eines wunderschönen Ostseebades“. Zuvor hatte Heiko Bahnmüller, der in Baden-Württemberg aufgewachsen ist, viele Jahre auf der Luftwaffen-Basis Fürstenfeldbruck in Bayern, nahe der Landeshauptstadt München, gearbeitet.

Da waren die Alpen noch in Sichtweite. Es folgte ein kurzes Intermezzo in Hannover, dann der Job in Rostock.

Bahnmüllers Dienstweg in der Bundeswehr nach Norden führte dazu, dass der Ultraläufer im Training immer kreativer werden musste. „In Hannover war der Harz noch ganz in der Nähe, aber hier muss man Steigungen, um Höhenmeter zu machen, wirklich suchen“, sagt er. Inzwischen hat er aber in der Kühlung geeignete Strecken gefunden und „Intervall-Läufe am Signalberg – rauf zum Bastorfer Leuchtturm, wieder runter und das oft – bringen auch was.“

Lutz Werner

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