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Die Suche nach den Farben der Großstadt

Kühlungsborn Die Suche nach den Farben der Großstadt

Das Museum-Atelierhaus „Rösler-Kröhnke“ zeigt unbekannte Werke aus dem Fundus der Künstlerfamilie

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Anka Kröhnke zeigt in der neuen Ausstellung Werke aus dem Fundus der Künstlerfamilie, darunter auch Bilder ihrer Mutter, die in der Nachkriegszeit entstanden.

Quelle: Fotos: Sabine Hügelland

Kühlungsborn. Weil die vergangene Ausstellung des Großvaters Waldemar Rösler (1882-1916) nur kurze Zeit währte, hat Anka Kröhnke im Museum-Atelierhaus „Rösler-Kröhnke“

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Das Museum-Atelierhaus „Rösler-Kröhnke“ zeigt unbekannte Werke aus dem Fundus der Künstlerfamilie

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Die neue Ausstellung „Die Künstlerfamilie Rösler“ im Museum-Atelierhaus „Rösler-Kröhnke“ in der Schlossstraße 4 in Kühlungsborn ist bis Ende April 2017 zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

In den Nachkriegsjahren herrschte Mangel an allem, natürlich ebenso an Malgründen und Farben. So entstanden sehr klein-

formatige Arbeiten auf gefundenen Holzbrettchen und Pappstücken.“Anka Kröhnke über die künstlerische

Arbeit ihrer Mutter Louise Rösler

wieder umgebaut. Die Werke des Großvaters – aus Anlass des 100. Todesjahres – sind bald in Ahrenshoop und Berlin zu sehen. Im Atelierhaus hängen jetzt Lithographien des Großvaters, Bilder und Zeichnungen der Großmutter Oda Hardt-Rösler (1880-1965) und Arbeiten ihrer Mutter Louise Rösler (1907-1993), die in der Nachkriegszeit zwischen 1940/50 entstanden sind.

Eine Ausstellungseröffnung für die Schau „Die Künstlerfamilie Rösler“ wird es diesmal nicht geben, dafür bleibt diese letzte Exposition im Jahr bis Ende April 2017 bestehen. Zu sehen sind auch Werke der Künstlerfamilie aus dem großen Fundus, die bisher noch nicht gezeigt wurden.

Die Bilder der Großeltern hängen im Saal im Eingangsbereich des Atelierhauses. Waldemar Röslers Motive stammen zum Teil aus Berlin-Lichterfelde, auch aus Ostpreußen und der Ostsee. Im oberen Teil sind an die 30 bis 40 Malereien und Collagen der Mutter zu sehen, darunter auch postkartengroße, denn sie machte damals aus der Not eine Tugend.

Während des Zweiten Weltkrieges war Louise Rösler mit ihrer kleinen Tochter Anka aus Berlin evakuiert worden und lebte nun in Königsstein im Taunus. „In den Nachkriegsjahren herrschte Mangel an allem, natürlich ebenso an Malgründen und Farben. So entstanden sehr kleinformatige Arbeiten auf gefundenen Holzbrettchen, Pappstücken auch die Hartfaserpappen, die nach den ersten freien Wahlen übrig blieben, dienten als Malgründe“, erinnert sich Anka Kröhnke. „Die Bonbonpapiere von den Besatzungssoldaten waren damals das einzig Bunte. Danach haben wir immer geschaut und sie am Straßenrand aufgesammelt“, sagt die Tochter.

So entstanden Louise Röslers erste Collagen, in denen diese „Fundsachen“ verarbeitet wurden. „Die Arbeiten dieser Zeit sind kaleidoskopisch kleinteilig strukturiert und gleichzeitig gebändigt durch große Genauigkeit der Komposition. Im Kontrast zu den äußerst schwierigen Lebensumständen drücken die sehr farbigen, scheinbar heiteren Arbeiten intensive Wahrnehmung der schönen Momente aus: Poesie des Alltags“, so Anka Kröhnke. Es sind kleine Kostbarkeiten auf geringem Raum mit großer Wirkung.

Königsstein war für Louise Rösler eine „furchtbar schwierige Stadt“. Nicht nur wegen der kargen Umstände dieser Zeit. Sie war eher für Großstädte wie Berlin und Paris gemacht. Liebte deren Quirligkeit weitab einer spießigen Kleinstadt-Idylle. Königsstein blieb weitgehend unbehelligt von den extremen Kriegswirren.

Louise Rösler arrangierte sich mit den Gegebenheiten und ließ sich künstlerisch inspirieren vom Schlangestehen an den Läden, einem kleinen Zirkus und notgedrungen der Landschaft, wenn Herbst oder Frühling Farbe in die Natur brachte. „Besonders hatten es ihr Cafés angetan“, erzählt Anka Kröhnke. „In Königsstein gab es drei und wenn die Situation einmal wieder besonders verzweifelt aussah, gingen wir ins Café, um uns mit einem Stück Buttercremetorte zu trösten“, erinnert sich die Tochter.

Louise Rösler suchte immer nach den Farben der Großstadt. Während gelegentlicher Besuche im zerbombten Frankfurt sah sie die Trümmer, manchmal rosig gefärbt im Abendlicht und zauberte nach diesem „Seherlebnis“ geradezu poetische Bilder – nur die schwarzen Fensterhöhlen verraten den desolaten Zustand der Häuser. Zu viel Grün behagte ihr einfach nicht.

Bis zum Frühjahr 2017 sind einige der besonderen Werke von Waldemar Rösler in Ahrenshoop und Berlin zu sehen. Am 16. Oktober eröffnet die Ausstellung „Ein Berliner Impressionist“ in der Liebermann-Villa in Berlin-Wannsee. Weitere Bilder gehen an das Kunstmuseum Ahrenshoop, das am 28. Oktober die Schau „Ein Sezessionist am Meer“ eröffnet. Beide Häuser haben auch Leihgaben zusammengetragen, die nach langer Zeit der Öffentlichkeit wieder zugänglich sind.

Sabine Hügelland

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