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„Ein guter Weg zu Gemeinsamkeit“

Kröpelin „Ein guter Weg zu Gemeinsamkeit“

Deutsch-israelische Kulturtage in Kröpelin: Beeindruckende Kunstausstellung im Bahnhof zu sehen

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Hier bringt ein Kunstwerk des Israelis Belu-Simion Fainaru (2.v.r.) die preisgekrönte Berliner Regisseurin Britta Wauer (Deutscher Fernsehpreis für Egon-Schultz-Dok-Film „Heldentod“ und Grimme-Preis), den bekannten Maler Ulrich Erben aus Düsseldorf und den Tel Aviver Avi Yair (Collagen und Assemblagen) zusammen. Im Hintergrund Ingrid Bachér, die hier ausnahmsweise eine Lesung bot (OZ berichtet noch).

Quelle: Fotos: Hoppe

Kröpelin. Vier Kulturtage-Teilnehmer zeigen im Kröpeliner Bahnhof lachend ihre blauen Fingerkuppen vor (großes Foto). Ein Projekt des israelischen Künstlers Belu-Simion Fainaru, das die blauen Abdrücke auf weißem Papier zum lebendigsten Exponat der hiesigen Ausstellung „Der Himmel ist blau“ macht.

OZ-Bild

Deutsch-israelische Kulturtage in Kröpelin: Beeindruckende Kunstausstellung im Bahnhof zu sehen

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Zum Quartett gehören die Berliner Filmemacherin Britta Wauer („Rabbi Wolff“), der Düsseldorfer Maler Ulrich Erben, der „Blue fingers“-Schöpfer Fainaru, sowie sein Künstlerkollege Avi Yair.

„Das Erleben von Kunst, die Auseinandersetzung mit künstlerischer Arbeit ist immer ein guter Weg, sich auszutauschen, ein guter Weg für die Suche nach Gemeinsamkeit — gerade dann, wenn eine so dunkle Geschichte, die Beziehungen zweier Partner entscheidend prägt und auf einer Seite so viel Schuld ist.“ So hatte zuvor der Schweriner Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) die 2.

deutsch-israelischen Kulturtage in MV eingeordnet, die er am Sonntag gemeinsam mit dem israelischen Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman, und dem Initiator des Ganzen, Hubertus Wunschik vom Verein „De Drom“, in Kröpelin feierlich eröffnete.

Der Botschafter war sich da mit dem Regierungschef völlig einig gewesen und hatte die Kröpeliner Initiative gelobt, weil: „Genau dieser kulturelle Austausch“ dabei helfe, sich kennenzulernen und besser zu verstehen. Zumal die Beziehungen zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Israel noch sehr jung seien: „Umso wichtiger sind die deutsch-israelischen Kulturtage“.

Der Aachener Kunsthistoriker Stefan Skowron und der langjährige Leitende Direktor des Museums für Angewandte Kunst Frankfurt/Main, Prof. Dr. Ulrich Schneider, tragen in Kröpelin unter fast wolkenlosem Himmel zum Verstehen der Kunstausstellung „Der Himmel ist blau“ bei. Während Stefan Skowron alle ausstellenden Künstler zu ihren Werken mit ein paar Sätzen bedenkt und der Kunst ganz allgemein zubilligt, keine Unterschiede zu machen, sondern Gemeinsamkeiten, Korrespondenzen oder Freundschaften zu offenbaren, wirft Prof. Schneider ein paar Schlaglichter auf das Künstlerleben von Menashe Kadishman, einem der bedeutendsten israelischen Zeichner, Maler und Bildhauer, der vor einem Jahr, am 8. Mai, im Alter von 82 Jahren gestorben ist.

Für ein paar Werke von ihm steht im Kröpeliner Bahnhof ein ganzer Raum zur Verfügung. Zu sehen ist da auch ein kleines Skulpturmodell, das einen Esel oder ein Pferd zeigt (kleines Foto), das ein Land in sich aufgenommen hat. „Motherland“ nannte Kadishman diese Arbeit, die im überlebensgroßen Original vor dem Haus des Künstlers in Tel Aviv aufgestellt wurde. Gegenüber an der Wand sind zwei stilisierte Köpfe aus Stahlblech befestigt, die sich massenhaft in einem der „Leerräume“ des Jüdischen Museums in Berlin wiederfinden. Dort gehören sie zur Kadishman-Installation „Schalechet“

(Gefallenes Laub). Diese Leerräume sollen nach Museumsangaben das durch die Vernichtung des jüdischen Lebens in Europa nicht mehr Darstellbare, das Verlorene zeigen. Sie machten den Verlust sicht- und fühlbar, heißt es.

„Der Besucher des Jüdischen Museums in Berlin ist gezwungen, diese Schädelstätte zu durchlaufen“, ergänzt Prof. Schneider.

Menashe Kadishman hätte dieses Werk den Getöteten aller Zeiten gewidmet: „Kadishman setzte sich weltumspannend gegen Missstände ein und hatte immer schon auf eine Integration der Palästinenser in Israel gedrungen“.

„Das war gut“, schätzt die Kröpelinerin Irmgard Framm ein, „was Prof. Schneider da gesagt hat“ und erklärt: „Wenn ich sie nur so gesehen hätte, würde ich nie wissen, was der Künstler hier mit seinen Werken meint“. Dann steht sie rätselnd vor einem großen Bild Ulrich Erbens, das eine Komposition aus verschiedenen Farbstreifen ist. Der Künstler hatte es zuvor selbst fotografiert, um in einen neuen Katalog schreiben zu können, dass die schon mehrfach ausgestellte Arbeit hier in Kröpelin gezeigt wurde. Der Raum bringt das große Werk gut zur Geltung, meint Ulrich Erben.

Nebenan schauen drei Rostocker Theologiestudenten auf ein Bild Felix Droeses, das er auf eine „Bildkarte zum Alten Testament“ gemalt hat. „Das Alte Testament haben wir gemeinsam mit der jüdischen Religion und von daher ist es vielleicht gar nicht so unpassend, dass so ein Bild bei so einer Ausstellung hängt“, sagt Lisa Kunze (23) und begrüßt, „dass so eine Karte als Grundlage genommen wurde, um darauf Kunst zu erschaffen. Man sieht ja auch noch durch, was dahinter ist.“

Ihr Kommilitone Bahne Schmidt (22) meint: „Wenn man interessiert ist, würde ich diese Ausstellung weiterempfehlen. Ich finde auch das Rahmenprogramm in den nächsten Tagen sehr nett.“

• Programm bei www.the-sky-is.blue

Von Thomas Hoppe

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