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Einzigartige Sammlung über Wustrow

Rerik Einzigartige Sammlung über Wustrow

Kurt Köhler aus Rheinland-Pfalz hat Tausende Dokumente über die Halbinsel zusammengetragen

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Nach dem Fall der Mauer habe ich mich sofort ins Auto gesetzt und bin nach Norden gefahren.“Kurt Köhler, Rheinland-Pfalz

Rerik. Seit 1989 vergeht kaum ein Jahr, ohne dass Kurt Köhler (78) wieder nach Rerik und auf die Halbinsel Wustrow zurückkehrt. Denn der in Simmertal (Rheinland-Pfalz) Lebende ist vernarrt in den Ort, in dem er die ersten 13 Jahre seines Lebens verbrachte. Sein Vater, Unteroffizier der Wehrmacht, hatte dort von 1937 bis zum Kriegsende gedient und mit seiner Familie auf Wustrow gelebt.

„Nachdem die Russen gekommen waren, durften wir noch bis 1949 dort wohnen, dann mussten wir von der Halbinsel runter“, sagt Köhler. Danach habe es kaum noch ein Jahr gedauert, bis die Familie in die Heimat seiner Mutter nach Simmertal gegangen sei. „Aber Rerik und die Halbinsel hatte ich immer im Herzen. Deshalb habe ich mich nach dem Fall der Mauer sofort ins Auto gesetzt und bin nach Norden gefahren.“ Von nun an hat er vor Ort die Möglichkeit, die wenigen Bilder und Dokumente, die ihm geblieben waren, zu ergänzen. „Ich besaß damals 13 Original-Luftaufnahmen von Wustrow und dazu Tagebuch-Aufzeichnungen meines Vaters.“ Gleich nach dem Abzug der Sowjets hält Kurt Köhler den Zustand der zivilen und militärischen Anlagen auf Wustrow im Bild fest. Gleichzeitig ist er auf der Suche nach Zeitzeugen, die auf der Halbinsel stationiert waren oder dort als Angehörige von Soldaten und Zivilangestellten lebten. Insgesamt mögen es über 50 Ehemalige gewesen sein, zu denen der Amateurchronist so Kontakt bekam. „Davon leben heute aber kaum noch 20“, wirft Kurt Köhler ein. Ihre Berichte, ihre Fotos, ihre Dokumente füllen mit den Jahren sein Archiv. Das hat er inzwischen zeitgemäß auch im Internet platziert, zugänglich aber nur für Interessenten.

Unterstützung bei seiner Mission erhält er besonders von der Entwicklungscompanie Wustrow (ECW), dem jetzigen Eigentümer der Halbinsel. Sie gestattet ihm, vor Ort zu recherchieren. Ein Privileg, denn das Eiland ist seit Jahren für Besucher gesperrt. So ist bis heute eine einzigartige Sammlung von Tausenden Dokumenten entstanden, beginnend vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie zeichnet ein einzigartiges Bild dieses Eilandes und seiner Nutzung. „Natürlich stehen dabei die Jahre der Wehrmacht-Flakschule von 1933 bis 1945 im Vordergrund, aber auch die Jahre der sowjetischen Besetzung und die Wandlung des Areals zwischen Salzhaff und Ostsee nach der Wende“, sagt Köhler. Allein während seines gegenwärtigen Aufenthalts in seiner zweiten Heimat sind rund 500 Fotos hinzugekommen.

Auch deshalb, weil ihn der Satower Maik Neugebauer zu Orten wie dem ehemaligen „Russenbahnhof“ in Neubukow führte oder ihm den Verlauf der längst eingestellten Rübenbahn zeigte. Auf Neugebauer ruhen übrigens die Hoffnungen des in die Jahre gekommenen Kurt Köhler: „Er bringt den notwendigen Enthusiasmus mit, möchte gerne dazu beitragen, dass die Wustrower Geschichte auch künftig nicht vergessen wird.“

Eine Tendenz, die es leider heute schon gäbe, wie Köhler mit Bedauern feststellt. „Dabei wollen viele Urlauber und Gäste wissen, was es mit diesem geheimnisvollen Ort auf sich hat. Da gibt es inzwischen ja schon die wildesten Gerüchte. Doch wo erfahren sie Genaueres? Offensichtlich nirgendwo!“ Er selbst ist gern bereit, Auskunft über das zu geben, was heute hinter einem hohen Zaun verborgen ist. „Ich hatte in den letzten Tagen immer wieder Fragen zu beantworten. Die Leute sind dankbar dafür, wenn sie genaue Informationen bekommen“, ist Köhlers Erfahrungen. Auch deshalb schlägt er vor, dass sich die Kurverwaltung des Ostseebades Rerik dem Wissensdurst ihrer Gäste annimmt und sie in Wort und Schrift aufklärt. Warum gibt es keinen Informationspunkt, fragt er und signalisiert Bereitschaft, ein solches Projekt zu unterstützen.

Kurt Köhler weiß noch nicht, ob er auch 2017 wieder an seinen Lieblingsort zurückkehren kann – „Die Gesundheit...!“ –, von seiner Historiker-Leidenschaft wird er nicht ablassen. Wer ihn mit Erinnerungen und Dokumenten unterstützen will, kann ihn gern anrufen.

Kontakt: ☎ 0175/5626725

Werner Geske

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